Konzern prüft, Betriebsrat wartet

Kampf um NEFF in Bretten: Entscheidung über Rettung auf der langen Bank?

Der Küchengerätehersteller NEFF in Bretten mit 1.000 Arbeitsplätzen steht vor der Schließung. Betriebsräte haben ein Rettungskonzept vorgelegt. Sie warten seit Wochen auf eine Antwort.

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Die Nachricht im vergangenen Oktober war ein Schock für die Beschäftigten und für die ganze Stadt. Der traditionsreiche Standort des Küchengeräteherstellers NEFF in Bretten (Landkreis Karlsruhe) soll verschwinden. Die Produktion wird nach den aktuellen Plänen von Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) in zwei Jahren eingestellt.

Ende April hat der Betriebsrat ein Konzept für die Rettung des Standorts in Bretten vorgelegt. Demnach soll die Produktion von Küchengeräten zumindest mit dem Produktionszweig Dunstabzugshauben erhalten bleiben. Die geplante Verlagerung der Ofenfertigung soll zeitlich so gestreckt werden, dass keine Kündigungen ausgesprochen werden müssten. Seit Wochen warten die Arbeitnehmervertreter auf Antwort der Geschäftsführung.

Der stellvertretende NEFF-Betriebsratsvorsitzende Thomas Rudolph gehört zum Verhandlungsteam der NEFF-Arbeitnehmer in Bretten. Er verhandelt mit Vertretern von BSH über den Rettungsplan.

SWR Aktuell: Thomas Rudolph, seit Anfang Mai prüft BSH Ihr Alternativkonzept. Zuletzt wurde von deren Seite sogar um eine Verlängerung der Prüfzeit gebeten, ohne ersichtliches Ende. Warum denken Sie, ist das so?

Thomas Rudolph: Ich weiß es nicht. Ich denke, es hängt damit zusammen, dass ordentlich geprüft wird, weil wir uns als Betriebsrat das gewünscht und auch gefordert haben. Wir wollten, dass BSH das Alternativkonzept ordentlich prüft und auch tief hineinschaut, weil tausend Menschen dahinter stehen und das dementsprechend aus sozialen Gründen ernst genommen werden muss.

SWR Aktuell: Ist das Konzept zu umfangreich für BSH oder warum dauert die Prüfung so lange?

Thomas Rudolph: Das ist ja wie bei uns auch. Wir haben auch eine längere Zeit prüfen müssen, auch die Zahlen, die uns vorgelegt worden sind. Wir haben hineingeschaut und es nimmt dann schon Zeit in Anspruch, alles anzuschauen. Und sie müssen sich ja auch noch in unsere Denkweise hineinversetzen und alles muss zusammengeführt werden. Für mich persönlich ist es ein besseres Zeichen, als wenn die Reaktion schnell gekommen wäre.

SWR Aktuell: BSH hat dem SWR gegenüber mitgeteilt, dass man sich zum jetzigen Zeitpunkt, solange die Prüfung läuft, nicht äußern wolle. Denken Sie, so eine ausgiebige Prüfung hat zur Folge, dass es vielleicht eher um ein positives Ergebnis geht und dieser Alternativvorschlag angenommen werden könnte?

Thomas Rudolph: Wir haben das Alternativkonzept gemacht, um die Tür aufzubekommen. Es hat ja schon eine Entscheidung gegeben, dass quasi geschlossen werden soll. Diese Entscheidung steht immer noch im Raum. Wir versuchen gerade, die Tür aufzumachen, um Bereitschaft auf der Gegenseite zu bekommen, dass wir doch nicht schließen.

SWR Aktuell: Meinen Sie, dass es vielleicht eine Strategie von BSH ist, um Sie hinzuhalten, um vielleicht das Nein herauszuzögern, um sich ein bisschen positiver darzustellen in der Öffentlichkeit?

Thomas Rudolph: Das könnte man so sehen, wenn man die Sache von außen betrachtet. Aber wenn man weiß, was eine Verlagerung von unseren Produkten bedeutet, weiß man, dass die Zeit entsprechend nicht für BSH arbeitet. Es ist ja auch alles kürzer, wenn sie es hinauszögern. Wenn man an einen neuen Standort gehen möchte, muss man auch Vorbereitungen treffen und da wird die Zeit immer kürzer. Also ich sage, es ist 50:50. Könnte sein, könnte aber auch nicht sein. Es könnte aber auch negativ für BSH sein, indem sie Zeit verlieren.

SWR Aktuell: Es gab ja schon die Information zur Schließung des Standorts. In diesen Fällen ist es oft so, dass vielleicht noch Zugeständnisse bei Abfindungen gemacht werden oder bei Sozialplänen. Aber dass jetzt ein ganzer Standort nach der Ankündigung der Schließung bestehen bleibt, beziehungsweise bei den Dunsthauben sogar ausgebaut wird, das gibt es nicht so oft, oder? Das wäre ziemlich neu.

Thomas Rudolph: Ja, ich sage mal, die Welt dreht sich. Es kommen immer wieder neue Sachen. Es wäre vielleicht neu, aber es ist immer irgendwann das erste Mal. Wir haben ja in der Vergangenheit auch schon Geräte reingeholt. BSH möchte im Einstiegssegment wachsen, bei den Hauben dementsprechend. Wir haben Hauben aus dem europäischen Ausland in die Fabrik geholt. Wir können das und wir können das auch noch ausbauen. Also ist es nicht ganz unrealistisch. Aber ich sage mal, das ist eine riesengroße Glaskugel, bei der man noch nicht weiß, wohin die Reise geht.

SWR Aktuell: Es scheint schon irgendwie, als würden sie da so ein bisschen vertröstet werden mit diesen Verschiebungen.

Thomas Rudolph: Ich sehe es nicht so. BSH prüft das ordentlich, was wir auch gewünscht haben. Ich sehe das nicht als eine Vertröstung.

SWR Aktuell: BSH hat uns gegenüber bestätigt, dass es bis zum nächsten Verhandlungstermin [am 28. Mai] wahrscheinlich auch noch keine Entscheidung seitens der Geschäftsführung über dieses Konzept gibt. Wie machen Sie das denn? Sie haben dann gar keine richtige Verhandlungsgrundlage.

Thomas Rudolph: Das ist für uns auch prekär, aber uns rennt die Zeit nicht unbedingt davon. Als Enddatum haben wir 2028. Im Augenblick ist der Stand, dass 2028 im ersten Quartal geschlossen werden soll, da hat sich jetzt noch nichts getan. Wir müssen im Verhandlungsteam auch mit der IG Metall schauen, wie wir uns darauf einstellen. Wir sehen uns noch nicht hintergangen.

SWR Aktuell: Was erwarten sie denn in den nächsten Wochen?

Thomas Rudolph: In den nächsten Wochen erwarte ich auf jeden Fall eine Rückmeldung. Ich erwarte, dass wir von der Arbeitgeberseite einen Hinweis bekommen, in welche Richtung es geht. Und dann erwarte ich, dass wir die Sache irgendwann abschließen, auch für unsere Mitarbeiter. Seit dem 10. Oktober steht eigentlich die Entscheidung, dass geschlossen wird. Aber es gibt immer noch Hoffnung, auch durch das Alternativkonzept. Wenn du im Vakuum unterwegs bist und als Mitarbeiter nicht weißt, wie die Reise weitergeht, das ist halt auch nicht gerade toll.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Patrisha Walters
SWR-Reporterin steht in einem Großraumbüro
Mathias Zurawski
Mathias Zurawski

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