Oster-Kaninchen auf der Überholspur

Osterhase in Pforzheim verboten! "Mit diesem Irrtum wollen wir endlich aufräumen"

Zu Ostern kommt der Osterhase - das weiß doch jedes Kind. Der Wildpark in Pforzheim stellt sich allerdings gegen den Trend. Hier kommt stattdessen das Oster-Kaninchen.

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Von Autor/in Mirka Tiede

Im Kinderbauernhof des Wildparks Pforzheim hoppelt es überall an unterschiedlichen Stellen. Zwischen den Beinen der Mini-Ponys oder direkt neben den Schweinen. Manchmal huscht ein flauschiges Langohr mitten auf dem Weg vorbei. Dann quetscht es sich unter den Zäunen durch. Ist jetzt an Ostern möglicherweise der Osterhase dabei?

Im Wildpark Pforzheim kommt das Oster-Kaninchen

"Ne, ne, ne", widerspricht der Pforzheimer Wildparkleiter Carsten Schwarz auf die Frage vehement. "Bei uns gibt es das Oster-Kaninchen!" Das Wort "Hase" sei hier sogar verboten, fügt er hinzu - natürlich mit einem Augenzwinkern. Denn immer wieder werden hier die Kaninchen mit den Hasen verwechselt. "Das ist einfach grottenfalsch. Und mit diesem Irrtum wollen wir endlich aufräumen!", sagt Carsten Schwarz.

Verwechslungsgefahr! Hase und Kaninchen

Auf den ersten Blick wirken Hasen und Kaninchen nahezu identisch. Aber es gibt einige Unterschiede. "Die Größe - und Hasen findet man nicht in irgendeiner menschlichen Haltung", erklärt Tierpflegerin Lenja Stoll. Sie kümmert sich im Wildpark unter anderem um die Kaninchen. Dadurch kennt sich die Tierpflegerin bei dem Thema bestens aus.

Carsten Schwarz, Leiter des Wildpark Pforzheim, vor Ostern im Kinderbauernhof des Tierparks.
"Das Wort Hase ist hier im Wildpark ein verbotenes Wort", sagt der Pforzheimer Wildparkleiter Carsten Schwarz mit einem Augenzwinkern. Hasen und Kaninchen werden im Tierpark immer verwechselt. Er möchte den Irrtum aus dem Weg räumen. Bild in Detailansicht öffnen
Tierpflegerin Lenja Stoll steht im Kaninchengehege im Wildpark Pforzheim.
Lenja Stoll ist Tierpflegerin im Wildpark Pforzheim. Sie kümmer sich hier um die Oster-Kaninchen. Bild in Detailansicht öffnen

Der Hase hat "sehr große Ohren, sehr lange Beine und lebt nur in Kuhlen. Während Kaninchen eben diese typischen Kaninchenbauten haben", sagt die Expertin. Kaninchen seien wiederum kleiner, haben kürzere Ohren und ein anderes Sozialleben als die Hasen. Denn Hasen sind Einzelgänger und Kaninchen leben immer in Gruppen.

Die Liste der Unterschiede hört damit nicht auf. "Die Kaninchen sind Nesthocker", führt Carsten Schwarz aus. "Das heißt, sie bekommen wehrlose Kleine ohne Haare und mit den Augen zu." Deswegen brauchen sie auch eine Höhle - im Gegensatz zum Nestflüchter Hase: "Die sind komplett fertig, wenn sie zur Welt kommen", sagt der Wildparkleiter. "Haben Augen offen, sind voll behaart." Wie kommt es dann zu der Verwechslung? "Das ist wohl der Volksmund", vermutet Carsten Schwarz.

Osterhase oder Oster-Kaninchen?

Und tatsächlich machen die Besucherinnen und Besucher keinen großen Unterschied zwischen Osterhase und Oster-Kaninchen. "Hase ist Hase", lacht Kathleen Kreidl. "Hauptsache, es gibt was zu suchen." Ob sie enttäuscht sind, wenn stattdessen Osterhase ein Oster-Kaninchen käme. "Ich verstehe die Frage nicht", erwidert Anja Schröder verdutzt. Für Lotta wäre auch der Besuch eines Oster-Kaninchen "cool", denn für sie ist es fast dasselbe. Und auch Besucherin Carlotta sieht das so.

Zwei Frauen stehen vor Ostern vor einem Gehege im Wildpark Pforzheim.
Auch bei Anja Schröder und Kathleen Kreidl kommt der Osterhase. Bei Anja Schröder kam das Ostertier immer bei Osterspaziergängen "Meine Eltern haben dann, damit wir Kinder mitgelaufen sind, Schokoeier fallen lassen", erzählt sie. Kathleen Kreidl ist es egal, ob Osterhase oder Oster-Kaninchen. "Hauptsache es gibt was zu suchen!" Bild in Detailansicht öffnen
Ein Mann vor Ostern im Wildpark Pforzheim.
Christoph Helch findet beides gut: Osterhasen und Oster-Kaninchen. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Mädchen steht vor Ostern vor einem Gehege im Wildpark Pforzheim.
Für Lotta macht es keinen Unterschied, ob ein Osterhase oder Oster-Kaninchen kommt. Sie findet beides cool. Bild in Detailansicht öffnen
Eine Familie mit drei Kindern vor Ostern im Wildpark Pforzheim. Bei ihnen kommt jedes Jahr der Osterhase.
Bei Carlottas Familie kommt jedes Jahr der Osterhase. Im Garten sucht immer die ganze Familie mit. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Mädchen steht vor Ostern im Wildpark Pforzheim.
Charlotta mag den Osterhasen und findet den Brauch rund um Ostern schön. Für sie wäre es auch ok, wenn ein Oster-Kaninchen kommt. Bild in Detailansicht öffnen

Für die meisten ist und bleibt der Osterhase das unumstößliche Ostertier. Dabei hatte er im Laufe der Zeit einige Konkurrenz. In verschiedenen Regionen im deutschsprachigen Raum verstecken schon die Henne, der Hahn, der Storch, der Kuckuck oder auch der Fuchs die Eier. Das Rennen macht etwa ab dem 19. Jahrhundert endgültig der Hase.

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Und so ist der Osterhase für viele der Besucherinnen und Besucher in Pforzheim auch konkurrenzlos das Ostertier Nummer eins. Bei vielen war das österliche Eiersuchen schon in der Kindheit eine geliebte Tradition. Jetzt wird sie auch bei den Kindern fortgeführt - zum Beispiel bei Osterspaziergängen: "Meine Eltern haben, damit wir Kinder mitgelaufen sind, Schokoeier fallen lassen", erinnert sich Anja Schröder. "Das war ich schon immer ganz nett."

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Autor/in
Mirka Tiede
SWR-Reporterin steht in einem Großraumbüro

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