Stollen, Tunnel und Kavernen werden gesprengt

Neues Pumpspeicherkraftwerk frisst sich in den Berg in Forbach

Erschütterungen und Explosionen in Forbach - der Grund sind Sprengungen im Untergrund für das neue Pumpspeicherkraftwerk, das dort im Schwarzwald gebaut wird.

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Von Autor/in Johannes Stier

In Forbach im Kreis Rastatt wird seit rund einenhalb Jahren an einem neuen Pumpspeicherkraftwerk gebaut. Das Besondere: Das Pumpspeicherkraftwerk wird komplett unter Tage liegen. Aktuell kann man in der Umgebung vermehrt Erschütterungen spüren und Explosionen hören. Im Murgtal, oberhalb des Flusses gegenüber dem rund 100 Jahre alten Pumpspeicherkraftwerk, haben sich die Experten schon über drei Kilometer in den Schwarzwalduntergrund hineingearbeitet beziehungsweise gesprengt.

Der Sprengmeister verdrahtet die Kabel mit der Zündmaschine kurz vor der Sprengung.
Der Sprengmeister verdrahtet die Kabel mit der Zündmaschine kurz vor der Sprengung.

Weitverzweigtes System aus Tunneln und Straßen im Berg

In das zukünftige unterirdische Pumpspeicherkraftwerk kommt man über den Haupttunnel. Die Einfahrt ist vier Meter hoch und etwa zehn Meter breit. Bagger, Lastwagen und die Fahrzeuge der rund 230 Tunnelbauarbeiter tauchen hier auf verschiedenen Ebenen in ein weitverzweigtes System ein. Später wird das Pumpspeicherkraftwerk komplett im Untergrund des Schwarzwaldbodens versteckt Platz haben.

Unter Tage im Granitgestein entsteht in Forbach im Schwarzwald ein neues Pumpspeicherkraftwerk.
Unter Tage im Granitgestein entsteht in Forbach im Schwarzwald ein neues Pumpspeicherkraftwerk.

"Pumpspeicherkraftwerk ist die Königsdisziplin im Tunnelbau"

Innen im Tunnelsystem herrscht eine Temperatur von 8 Grad, von der Tunneldecke tropft Wasser, der Untergrund ist an den meisten Stellen schlammbedeckt. Rechts und links an den Tunnelwänden hängen Lampen, Strom- und Wasserleitungen. Über allem hängen riesige gelbe Schläuche der Belüftungsanlage. Schichtbauleiter Tobias Kettler erklärt, was hier passiert: "Wir bauen 5.866 Meter Stollen inklusive zwei Schächte, führen das Wasser aus der Schwarzenbachtalsperre sowie aus dem Kirschbaumwasen-Sammelbecken in die Turbinen, um Strom zu produzieren."

Pumpspeicherkraftwerk ist die Königsdisziplin im Tunnelbau. Viele verschiedene Querschnitte in allen Richtungen, das ist kein normaler Straßentunnel, der nur drei Kilometer geradeaus geht, das ist wirklich herausfordernd.

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Im Berg entsteht eine Art Kathedrale unter der Erde

Kavernen werden sie genannt - es sind riesige Hohlräume, die ins Gestein gesprengt worden sind. Das Herzstück nennt Bauleiter Tobias Kettler die Kaverne, in der später das Kraftwerk Platz finden wird. Eine Art Kathedrale unter der Erde, so empfindet der leitende Geologe Rolf Schindler beim Anblick der 123 Meter langen, bis zu 20 Meter breiten und bis zu 40 Meter tiefen Halle im Granit. In einer weiteren Kaverne, noch etwas tiefer im Gestein, sollen später riesige Wassermengen gespeichert werden.

Bauleiter Tobias Kettler in der Kraftwerkskaverne, dem "Herzstück" des Tunnelbaus im Schwarzwaldgranit.
Bauleiter Tobias Kettler in der Kraftwerkskaverne, dem "Herzstück" des Tunnelbaus im Schwarzwaldgranit.

Harte Brocken Schwarzwaldgranit herausgesprengt

Der Baubetrieb in Forbach findet ohne Tunnelbohrmaschine statt. Die Mineure, also die Arbeiter im Tunnelbau, sprengen Stück für Stück den Granit heraus, das vorherrschende Gestein im Schwarzwaldboden. So entstehen nach und nach Tunnel, Schächte und Kavernen. Nach den Sprengungen werden die Granitbrocken von schweren Baggern auf Lastwagen geladen und abgefahren. Bis alle Stollen in den Granit des Schwarzwaldes gesprengt worden sind, werden rund eine Million Tonnen Abraum aus der Baustelle auf den Steinbruch fünf Kilometer oberhalb von Forbach gebracht.

Die heilige Barbara, die Schutzpatronin der Tunnelbauer, hängt am Eingang zur Baustelle.
Die heilige Barbara, die Schutzpatronin der Tunnelbauer, hängt am Eingang zur Baustelle.

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Johannes Stier
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