In Forbach im Kreis Rastatt wird seit rund einenhalb Jahren an einem neuen Pumpspeicherkraftwerk gebaut. Das Besondere: Das Pumpspeicherkraftwerk wird komplett unter Tage liegen. Aktuell kann man in der Umgebung vermehrt Erschütterungen spüren und Explosionen hören. Im Murgtal, oberhalb des Flusses gegenüber dem rund 100 Jahre alten Pumpspeicherkraftwerk, haben sich die Experten schon über drei Kilometer in den Schwarzwalduntergrund hineingearbeitet beziehungsweise gesprengt.
Weitverzweigtes System aus Tunneln und Straßen im Berg
In das zukünftige unterirdische Pumpspeicherkraftwerk kommt man über den Haupttunnel. Die Einfahrt ist vier Meter hoch und etwa zehn Meter breit. Bagger, Lastwagen und die Fahrzeuge der rund 230 Tunnelbauarbeiter tauchen hier auf verschiedenen Ebenen in ein weitverzweigtes System ein. Später wird das Pumpspeicherkraftwerk komplett im Untergrund des Schwarzwaldbodens versteckt Platz haben.
"Pumpspeicherkraftwerk ist die Königsdisziplin im Tunnelbau"
Innen im Tunnelsystem herrscht eine Temperatur von 8 Grad, von der Tunneldecke tropft Wasser, der Untergrund ist an den meisten Stellen schlammbedeckt. Rechts und links an den Tunnelwänden hängen Lampen, Strom- und Wasserleitungen. Über allem hängen riesige gelbe Schläuche der Belüftungsanlage. Schichtbauleiter Tobias Kettler erklärt, was hier passiert: "Wir bauen 5.866 Meter Stollen inklusive zwei Schächte, führen das Wasser aus der Schwarzenbachtalsperre sowie aus dem Kirschbaumwasen-Sammelbecken in die Turbinen, um Strom zu produzieren."
Pumpspeicherkraftwerk ist die Königsdisziplin im Tunnelbau. Viele verschiedene Querschnitte in allen Richtungen, das ist kein normaler Straßentunnel, der nur drei Kilometer geradeaus geht, das ist wirklich herausfordernd.
Was wird alles zum Vorschein kommen? Stausee der Schwarzenbachtalsperre Forbach wird leergefischt und abgelassen
Die EnBW baut in Forbach das Pumpspeicherkraftwerk aus. In diesem Zusammenhang muss auch die Mauer der Schwarzenbachtalsperre saniert werden. Dazu muss aber der See leer sein.
Im Berg entsteht eine Art Kathedrale unter der Erde
Kavernen werden sie genannt - es sind riesige Hohlräume, die ins Gestein gesprengt worden sind. Das Herzstück nennt Bauleiter Tobias Kettler die Kaverne, in der später das Kraftwerk Platz finden wird. Eine Art Kathedrale unter der Erde, so empfindet der leitende Geologe Rolf Schindler beim Anblick der 123 Meter langen, bis zu 20 Meter breiten und bis zu 40 Meter tiefen Halle im Granit. In einer weiteren Kaverne, noch etwas tiefer im Gestein, sollen später riesige Wassermengen gespeichert werden.
Harte Brocken Schwarzwaldgranit herausgesprengt
Der Baubetrieb in Forbach findet ohne Tunnelbohrmaschine statt. Die Mineure, also die Arbeiter im Tunnelbau, sprengen Stück für Stück den Granit heraus, das vorherrschende Gestein im Schwarzwaldboden. So entstehen nach und nach Tunnel, Schächte und Kavernen. Nach den Sprengungen werden die Granitbrocken von schweren Baggern auf Lastwagen geladen und abgefahren. Bis alle Stollen in den Granit des Schwarzwaldes gesprengt worden sind, werden rund eine Million Tonnen Abraum aus der Baustelle auf den Steinbruch fünf Kilometer oberhalb von Forbach gebracht.
Neues Pumpspeicherkraftwerk in Forbach soll 2027 ans Netz gehen
Mit der Segnung und Übergabe einer Statue der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Tunnelbauer, startete am 27. Juni 2024 in Forbach offiziell der Bau des Zufahrtstollens zur Kraftwerkskaverne für das neue Pumpspeicherkraftwerk der EnBW. Rund 18 Monate sollen die Spreng- und Abbrucharbeiten unter Tage insgesamt dauern. Dann folgt die Einrichtung der Technik. Die Inbetriebnahme des Kraftwerks ist für Herbst 2027 geplant. Rund 30.000 Haushalte sollen dann mit Strom versorgt werden.