Der Telekommunikationsanbieter Deutsche Glasfaser zieht sich aus laufenden Projekten im Landkreis Karlsruhe zurück. Das hat der Kreis am Donnerstag mitgeteilt. Das Unternehmen begründet den Schritt mit steigenden Kosten.
Neue Rechtsprechung des BGH Urteil zu Glasfaseranschlüssen: Das müssen Verbraucher jetzt wissen
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden: Die Laufzeit für Glasfaserverträge beginnt mit dem Abschluss, nicht erst mit Bereitstellung der Glasfaser. Kunden sollten aktiv werden.
Deutsche Glasfaser: Kostensteigerung verantwortlich, Geschäftsführer ausgetauscht
Gegenüber dem SWR teilte die Deutsche Glasfaser mit, die Rahmenbedingungen für den Glasfaserausbau hätten sich in den vergangenen Monaten spürbar verändert. So stellten unter anderem gestiegene Kapitalkosten die gesamte Branche vor neue Herausforderungen. Deshalb habe man die Ausbauplanung angepasst, so das Unternehmen. Dies bedeute auch, dass man neue Projekte ab sofort nur noch sehr selektiv und unter strengen Kriterien beauftragen werde. Aus den genannten Gründen habe man sich vor Kurzem aus dem Stadtgebiet Karlsruhe zurückgezogen.
Der Fokus von Deutsche Glasfaser liegt aktuell darauf, bereits erreichte Adressen zu aktivieren und beauftragte Projekte fertigzustellen.
Das Unternehmen steht wegen der schwierigen Rahmenbedingungen laut unterschiedlicher Medienberichte bundesweit unter Druck. Demnach werden nicht nur im Raum Karlsruhe Projekte besonders streng auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft. In einer Mitteilung vom 17. März teilte das Unternehmen mit, dass zwei Geschäftsführer ausgetauscht wurden. Als Grund wird eine Neuausrichtung genannt.
Wir entwickeln uns in den kommenden Jahren von einem eher ausbauzentrierten Unternehmen hin zu einem kundenorientierten, leistungsfähigen und effizienten Breitbandanbieter.
Landrat Schnaudigel spricht von "Vertrauensbruch"
Landrat Christoph Schnaudigel (CDU) spricht angesichts des Rückzugs von einem Vertrauensbruch. Die Entscheidung des Bundes, hier auf private Anbieter zu setzen, sei ein Fehler gewesen. Die Deutsche Glasfaser hatte tausende Anschlüsse im Landkreis geplant. Nur ein Teil davon wurde bislang fertiggestellt. "Entgegen vieler Beteuerungen auch aus der Politik müssen zahlreiche Menschen im Landkreis noch länger auf einen leistungsfähigen Glasfaserausbau warten", so der Landrat.
Vier Jahre Abstimmungen und Zuarbeit sind trotz der unterschriebenen Kooperationsvereinbarungen und aller Beteuerungen nun hinfällig. Der Glaube an den eigenwirtschaftlichen Ausbau wurde massiv erschüttert.
Es handele sich zwar nicht um einen endgültigen Rückzug, so der Kreis. Dennoch sei es ein schwerer Rückschlag. Vor vier Jahren hatte der Landkreis Absprachen mit der Deutschen Glasfaser über den einheitlichen Ausbau von Glasfaseranschlüssen getroffen.
Kein Einzelfall in BW Ärger beim Glasfaser-Ausbau: Familie wartet seit drei Jahren auf schnelles Internet
In Kenzingen wartet eine Familie seit drei Jahren auf schnelleres Internet. Gelegt ist ihr Glasfaseranschluss zwar, aber nicht bis ins Haus. Das ist leider kein Einzelfall im Land.
Glasfaser-Ausbau bis 2030 kaum möglich
In den Gemeinden Graben-Neudorf, Dettenheim, Hambrücken, Philippsburg und Ubstadt-Weiher hat der Ausbau bereits vor drei Jahren begonnen. Die Arbeiten dort seien fast abgeschlossen. Weitere 12.000 Hausanschlüsse seien noch in Forst, Kronau, Rheinstetten und Linkenheim-Hochstetten geplant. Laut Landratsamt werden die offenen Anschlüsse nach jetzigem Stand noch fertiggestellt.
Nach dem Rückzug sei der bis 2030 geplante Ausbau nun kaum noch möglich, heißt es weiter. Jetzt gehe es darum, mögliche Alternativen zu finden.