In vielen Städten in Baden-Württemberg und bundesweit sind Schülerinnen und Schüler am Freitag gegen das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz und die schrittweise Wiedereinführung der Wehrpflicht auf die Straße gegangen. In der Karlsruher Innenstadt haben sich rund 200 Menschen an einer Kundgebung und einem Demozug beteiligt.
Das Motto der Demos: "Nie wieder Wehrpflicht! Nie wieder Krieg!". Die Kritik der Jugendlichen richtet sich gegen Aufrüstung und Militarisierung. Und vor allem gegen das neue Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. Viele Teilnehmer äußerten die Sorge, dass aus der aktuellen Regelung eine verpflichtende Wehrpflicht werden könnte.
Die Jugend sollte selbst entscheiden, was sie mit ihrer Zukunft macht.
Demos gegen Wehrpflicht auch in Stuttgart, Freiburg, Mannheim und Heidelberg
In Stuttgart waren 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei. In Heidelberg nahmen rund 250 junge Menschen am Demozug teil. Ungefähr 100 Menschen gingen in der Mannheimer Innenstadt auf die Straße. Auch in Freiburg zogen etwa 300 Schülerinnen und Schüler mit Plakaten und Bannern durch die Innenstadt. Nach der Demo machten Gewerkschaften, politische Gruppen und Friedensinitiativen noch mit Infoständen und Musik auf ihre Forderungen aufmerksam.
Auch in Ulm und Tübingen wurde für Frieden und gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht demonstriert. Alle Aktionen blieben laut Polizei friedlich.
Ein Schüler sagte, man solle weniger aufrüsten, da man so keinen Krieg vermeide, sondern eher befeure. Andere Jugendliche wollen selbst nicht gemustert werden und kritisierten die Bundesregierung dafür, mehr Geld für Militär auszugeben statt für Schulen und andere soziale Infrastruktur.
Die Schülerinnen und Schüler streiken bereits zum dritten Mal. Sie hatten schon im Dezember und März gegen das neue Wehrdienstgesetz protestiert.
Streik gegen Wehrpflicht am 8. Mai - Ende des Zweiten Weltkriegs
Der 8. Mai wurde bewusst als Protesttag gewählt. Am 8. Mai 1945 ist der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende gegangen, gleichzeitig symbolisiert dieser Tag die Befreiung vom Nationalsozialismus, so die Organisatoren von "Schulstreik gegen Wehrpflicht".
Ich finde, man sollte nicht für Krieg sein, weil Krieg verbreitet Schrecken und Angst. Damit will ich nicht meine Zukunft verbringen.
Das Gesetz über den neuen Wehrdienst ist zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten. Seitdem müssen junge Männer ab dem 18. Lebensjahr einen Fragebogen zu ihrer Eignung für den Militärdienst ausfüllen. So sollen Freiwillige für einen Ausbau der Truppe rekrutiert werden.
Die Pflicht zu einer Musterung gilt ab Juli 2027. Der Wehrdienst selbst bleibt zunächst aber freiwillig. Sollten allerdings nicht genügend Freiwillige gefunden werden, kann der Bundestag über eine Wehrpflicht entscheiden.
Zentren für Musterung geplant - auch in Offenburg und Ulm
Zeitgleich wurde bekannt, dass die Bundeswehr Musterungszentren plant. Dafür hat das Verteidigungsministerium 24 Orte in Deutschland benannt. Dort soll künftig die Musterung für die Bundeswehr stattfinden. In Baden-Württemberg sollen die Zentren nach Offenburg (Ortenaukreis) und Ulm kommen.
In den Zentren sollen junge Leute ab Mitte 2027 auf ihre körperliche, psychische und intellektuelle Eignung für die Bundeswehr untersucht werden. Der erste Standort soll laut Ministerium voraussichtlich noch 2026 seine Arbeit aufnehmen.