Der Trucker und sein Elektro-Lastwagen - ein Bild, an das man sich erst noch gewöhnen muss. In einer Spedition in Bietigheim (Kreis Rastatt) ist das längst Alltag. Mehr als 50 Elektro-Lkw hat der mittelständische Betrieb im Einsatz, was etwa der Hälfte der Fahrzeugflotte entspricht.
Weniger Stress für Lkw-Fahrer
Die Fahrer waren anfangs noch etwas skeptisch, hatten teils Sorgen, nicht am Ziel anzukommen. "Die Fahrer wollten schon, wenn die Nadel bei 50 Prozent gestanden hat, wieder zum Stromtanken fahren", erzählt der Firmenchef Rainer Schmitt. Das habe sich geändert. Auch, weil das Fahrverhalten der elektrischen Laster angenehmer sei.
Man merkt keine Schläge mehr für den Rücken. Man kommt entspannter nach Hause.
Die Lkw fahren geräuschärmer - kein Ruckeln mehr beim Anfahren oder Beschleunigen. Stefan Schupp ist als Fahrer im Einsatz, kümmert sich aber auch um Bewerbungen und das Einlernen von neuen Kollegen. Zwar bemerke auch die Bietigheimer Logistikfirma den allgemeinen Fahrermangel, aber es würden sich inzwischen Bewerber extra wegen der E-Lkw melden.
Pionier der Elektro-Lkw kommt aus Bietigheim
2019 war das Familienunternehmen mit einem elektrischen Lkw-Prototypen gestartet - seitdem wurden es immer mehr E-Laster. Die Logistikfirma liefert zum Beispiel Automobilteile für Daimler oder Porsche - und leistet Pionierarbeit. Denn bundesweit gab es zuletzt laut Kraftfahrtbundesamt fast 3,9 Millionen Lkw. Davon waren rund 108.000 rein elektrisch unterwegs - gerade mal 2,8 Prozent.
Der größte Vorteil für den Unternehmer: Er spart sich die Lkw-Maut, denn die gilt nicht für elektrische Lastwagen. Spitzenmodelle fahren mehr als 500 Kilometer ohne Nachladen. Das Unternehmen hat zudem eine eigene Ladeinfrastruktur aufgebaut. Um Kosten zu reduzieren, nutzen die Lkw in der Regel einen der 18 betriebseigenen Ladepunkte, die sich an neun Standorten zwischen Bietigheim und Mannheim befinden.
Wir sind selbst überrascht, wie schnell die Entwicklung voranschreitet!
Laden von E-Lkw lassen sich bei Firma gut planen
Hätte die Firma immer wieder täglich wechselnde, neue Strecken, würde das Konzept nicht so gut funktionieren. Weil die Spedition aber immer wieder zwischen denselben Kunden pendelt, lässt sich der Einsatz der E-Lkw effizient planen. "Wir machen eine Routenbeschreibung, sodass der Fahrer genau weiß, wann er laden muss", erklärt Geschäftsführer Schmitt.
An öffentlichen Ladesäulen müssen die Laster nur bei längeren Strecken, etwa nach Ungarn, halten. Es bilde sich gerade aber auch ein Netzwerk von Logistikfirmen, die sich gegenseitig Lademöglichkeiten anbieten, so Schmitt.
Nachteil: Elektromobilität ist immer noch teuer
Die Logistikfirma aus Bietigheim hat rund 340 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für deutlich kleinere Unternehmen tun sich beim Thema "Elektromobilität" oft noch zu große Hürden auf - etwa eine komplexe Planung, ein enormer bürokratischer Aufwand und hohe Investitionskosten. Während der Preis für einen Diesel-Lkw bei etwa 110.000 Euro liege, würden E-Lkw mit der größten Reichweite rund 260.000 Euro kosten, sagt Schmitt.
Der Unternehmer least seine Fahrzeuge, auch um flexibel auf technische Neuerungen reagieren zu können. Um profitabel zu sein, müsse man sich auch am Strommarkt auskennen. Die Firma sucht deshalb extra einen "Energiemanager", der sich um den Stromeinkauf und die Ladeinfrastruktur kümmern soll.
Neue Logistikhalle in Bietigheim soll 2026 öffnen
Künftig will Geschäftsführer Schmitt die Zahl der Dieselfahrzeuge in seinem Betrieb immer weiter reduzieren. Er setzt voll auf E-Mobilität: Mitte des Jahres soll am Firmensitz in Bietigheim eine neue Logistikhalle mit einer PV-Anlage auf dem Dach und einem großen Batteriespeicher in Betrieb gehen.
Noch sieht man dort nur einen Bagger und mehrere Haufen Erde. "Die Idee ist, unseren eigenen Strom zu erzeugen und zwischenzuspeichern - und die Fahrzeuge mit dieser Energie zu betanken", sagt Schmitt. Dann werde man den Diesel kostenmäßig um Längen schlagen.