Die christlichen Kirchen in Baden-Württemberg verlieren weiter massiv Mitglieder - und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Das geht aus den Kirchenstatistiken der katholischen und der evangelischen Kirchen für das Jahr 2025 hervor. Insgesamt sind in Baden-Württemberg rund 98.500 Menschen aus der Kirche ausgetreten. Damit blieb das Niveau der Austritte in etwa gleich wie im Vorjahr; 2024 hatten den beiden großen Kirchen insgesamt etwa 98.000 Menschen den Rücken gekehrt. Die Zahlen gelten als vorläufige Schätzung, die endgültigen Zahlen werden erst im Sommer veröffentlicht.
Erneut meiste Austritte aus Evangelischer Landeskirche Württemberg
Wie bereits im vergangenen Jahr hat die Evangelische Landeskirche Württemberg die meisten Mitglieder verloren. In Württemberg traten 2025 mehr als 31.700 Menschen aus, das sind rund 1.000 Menschen mehr als noch 2024 (30.714). Die Evangelische Landeskirche in Baden verzeichnete mit rund 17.800 Austritten weniger als im vergangenen Jahr (19.191).
Das katholische Erzbistum Freiburg verlor 2025 laut der Deutschen Bischofskonferenz gut 24.900 Mitglieder - und damit etwas weniger als 2024. Die Zahl der Kirchenmitglieder ging demnach - Taufen und Eintritte, Bestattungen und Wiederaufnahmen mitgezählt - um 2,9 Prozent zurück. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart lag mit gut 24.100 Austritten (2024: etwa 24.200) nur knapp dahinter. Der Rückgang bleibt insgesamt also auf einem ähnlichen Niveau wie im Jahr davor.
Kirchen verlieren in 25 Jahren insgesamt mehr als zwei Millionen Mitglieder
Aktuell leben in Baden-Württemberg laut Kirchenstatistik rund 3,04 Millionen katholische und 2,62 Millionen evangelische Christen. Die württembergische Landeskirche hat aktuell 1,67 Millionen und die badische Landeskirche 945.000 Mitglieder. Zum Bistum Rottenburg-Stuttgart gehören 1,53 Millionen Katholiken und zum Erzbistum Freiburg 1,51 Millionen.
Zum Vergleich: Im Jahr 2024 hatten die beiden großen Kirchen jeweils rund 50.000 Mitglieder mehr, im Jahr 2000 noch jeweils rund eine Million zusätzliche Mitglieder. Die Austritte an sich wurden über die Zeit tendenziell weniger, der Trend aber bleibt gleich. Auch deutschlandweit sinkt die Zahl der Christen und Christinnen laut den Statistiken der Kirchen weiter. Rund 657.000 Menschen traten in Deutschland 2025 aus der Kirche aus.
Rottenburger Bischof: Kirche will weiter nah an den Menschen sein
Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger erklärte, jeder Kirchenaustritt schmerze, weil dahinter eine persönliche Entscheidung und oft eine Geschichte von Enttäuschung oder Distanzierung stehe. "Wir nehmen diese Signale sehr ernst", sagte der Erzbischof. Kirche sei auf dem Weg, sich weiterzuentwickeln.
Wir nehmen diese Signale sehr ernst.
Der Rottenburger Bischof Klaus Krämer betonte, Kirche wolle auch künftig nahe bei den Menschen sein. Auch wenn die Zahl der Kirchenmitglieder zurückgehe, wollten Christen und Christinnen weiter dafür einstehen, in einer zunehmend unübersichtlichen Welt aus ihrem Glauben heraus Halt und Orientierung zu geben, betonten die Kirchenverantwortlichen. Sie verwiesen auch auf das kirchliche Engagement in Kitas, Schulen, Pflegeheimen und Pflegediensten sowie in Beratungsstellen.