Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will auch in Zukunft keine Urnen auf Kamin-Simsen und keine Asche von Toten im Neckar. Ganz im Gegenteil: Er hält nichts von einer Liberalisierung der Friedhofsordnung. "Dazu stehe ich negativ", sagte er am Dienstag in Stuttgart. Er werde das in seiner Amtszeit nicht anpacken, so Kretschmann.
Das ist mal so sicher wie das Amen in der Kirche.
Bei der nächsten Landtagswahl am 8. März 2026 wird sich Kretschmann nicht mehr zur Wahl aufstellen. Sein Grünen-Nachfolger ist Cem Özdemir.
Kretschmann sei an dieser Stelle "sehr, sehr konservativ", bekannte der Grünen-Politiker. Die Liberalisierung sei aus seiner Sicht keine gute Entwicklung - auch wenn es Ausdruck einer Individualisierung sei, die nicht aufzuhalten sei. Er sei aber kein Freund davon. Kretschmann hält es für eine große zivilisatorische Errungenschaft, "dass wir unsere Toten gemeinschaftlich begraben".
Kretschmann: Friedhofsordnung bereits liberalisiert
Kretschmann hält deshalb an der traditionellen Beisetzung auf dem Friedhof fest. Die Friedhofsordnung sei in seiner Amtszeit bereits liberalisiert worden, so dass Muslime nach ihrem Ritus beerdigt werden könnten, sagte Kretschmann. Dabei wird der Verstorbene gewaschen, in ein weißes Tuch gehüllt und ohne Sarg beerdigt. Baden-Württemberg hatte 2014 die Sargpflicht gelockert.
Das baden-württembergische Sozialministerium hatte am Freitag in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage des fraktionslosen Abgeordneten Daniel Born mitgeteilt, dass in Baden-Württemberg über eine mögliche Lockerung des Bestattungsrechts beraten wird. Eine Entscheidung über Zeitpunkt und Inhalt möglicher Änderungen stehe aber noch aus.
Bestattungen in Baden-Württemberg: was erlaubt ist
Das Land habe die Reform in Rheinland-Pfalz aufmerksam verfolgt, heißt es in der Stellungnahme. Rheinland-Pfalz erlaubt nun unter anderem die Aufbewahrung von Urnen zu Hause und neue Bestattungsformen. In Baden-Württemberg seien bereits Erd-, Feuer-, See-, Tuch- und Naturbestattungen zulässig.