Während Grüne und CDU ihre Sondierungen gestartet haben, melden sich zwei Unternehmer zu Wort. Eine Winzerin aus dem Taubertal und ein Spediteur aus der Region Esslingen schilderten bei "Zur Sache! Baden-Württemberg!" ihre Situation und was sie sich von der neuen Landesregierung erhoffen.
Vorbereitungen für den Frühling. Conny Lehr fährt mit einem kleinen Traktor ihren Weinberg in Markelsheim in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) hoch. Hinten auf dem Anhänger: zwei riesige Weinfässer. Die beiden Fässer stellen sie und ihr Mann Thomas oberhalb vom Weinhang am Waldrand auf - mit Blick auf das Taubertal. Denn in den Weinfässern können bald wieder Touristen übernachten. In einem ist ein Bett, in dem anderen Tisch, Sitzbank und eine Toilette. Eine originelle Unterkunft für zwei.
Die ganze Sendung "Zur Sache! Baden-Württemberg!" von Donnerstagabend:
Buchungen für Ferienwohnungen waren "eine Katastrophe"
Für Familie Lehr sind die Wohnfässer neben den sechs Ferienwohnungen, die sie auf ihrem Jakobshof im Ort haben, eine zusätzliche Einnahmequelle, sagt die 60-Jährige: "Unsere Saison in den Weinfässern und auch mit den Weinbergrundfahrten geht immer von April bis Oktober. Also müssen wir eigentlich in der Zwischenzeit auf die Ferienwohnungen hoffen." Aber die Buchungen in diesem Winter seien "eine Katastrophe" gewesen. Normalerweise buchen sich dort Touristen und Arbeiter ein. Aber die seien ausgeblieben. "Die Leute haben nicht mehr so viel Geld, das Geld sitzt nicht mehr so in der Tasche und da guckt man vielleicht doch, wo man einsparen kann", mutmaßt Lehr. Und die Kosten für die Ferienwohnungen liefen ja weiter: Abzahlungen für das Gebäude, Strom und Heizung.
Der Tourismus ist für Familie Lehr nur ein Standbein: Zusätzlich haben sie noch das Weingut und Landwirtschaft. "Auf einem Bein stehen ist immer noch was für Flamingos. In Corona-Zeiten waren wir dankbar, dass wir die Landwirtschaft hatten", sagt Lehr. Sie haben vier Kindern und sieben Enkel, die zumindest teilweise vom Betrieb abhängen. Sohn Elias Lehr soll im Sommer die Landwirtschaft übernehmen. Im Moment transportiert er mit dem Traktor Düngemittel zu den Feldern von seiner Familie und Landwirten, mit denen er zusammenarbeitet.
Da fragt man sich schon, wie man da im Sommer irgendwie mal schwarze Zahlen schreiben soll.
Das Schwierige für ihn in der Landwirtschaft gerade: Die Weizenpreise fallen derzeit eher, umgekehrt steigen die Preise für einige Düngemittel und Diesel ist teuer. Elias Lehr ist im Moment von früh bis spät mit dem Traktor unterwegs. "Wir haben letztens einen Tag gefahren, da waren 2.000 Euro weg", sagt der junge Landwirt. Die aktuelle Lage bereite ihm schlaflose Nächte, "da fragt man sich schon, wie man da im Sommer irgendwie mal schwarze Zahlen schreiben soll." Elias Lehr hat vor kurzem geheiratet und ist frisch Papa geworden. Eigentlich ist er stolz darauf, den Hof der Eltern und Großeltern weiterzuführen. Aber die aktuellen Entwicklungen machen ihm Sorgen, er wünscht sich mehr Sicherheit.
Hohe Diesel-Preise bringen 80.000 Euro Mehrkosten
Diese Unsicherheit plagt auch Andreas Diez in Dettingen unter Teck (Kreis Esslingen). Gemeinsam mit seinem Bruder Matthias leitet er eine Spedition mit rund 70 Lastwagen. Mit ihren 40-Tonnern transportieren sie unter anderem Maschinen und Anlagen europaweit. Alle vier Tage liefert ein Tankzug den nötigen Diesel für die Lkw. "Im Monat sind es jetzt aktuell Mehrkosten von 80.000 Euro für unser Unternehmen", sagt der 45-Jährige zu den Diesel-Preisen. Die Stimmung bei ihm und auch Kollegen aus der Branche sei sehr angespannt. "Die ein oder andere Insolvenz bei kleineren Transportunternehmen ist in den letzten zwei Wochen schon passiert", erzählt er. "Wir haben sowieso kleine Margen in unserem Geschäft, daher ist das für die Branche aktuell ein Riesenproblem."
"Wir hören jetzt seit über 20 Jahren die gleichen Floskeln"
Auf lange Sicht versuchen sie unabhängiger von den Diesel-Preisen zu werden und steuern gegen: Zwei Lastwagen aus der Flotte laufen bereits mit Strom aus der hauseigenen Photovoltaikanlage, drei weitere Elektro-Lkw kommen bald dazu. "Wir produzieren auf dem Dach selber unseren Strom, wir verfahren ihn. Eigentlich die beste Kombination", meint Diez. Diesel- oder Elektroantrieb? Solche Entscheidungen regele gerade der Markt. Es brauche nicht immer weitere Vorgaben aus der Politik. Im Gegenteil, die zukünftige Landesregierung müsse den Unternehmern wieder mehr vertrauen und ihnen mehr freie Hand geben.
Forderungen nach Bürokratieabbau und mehr Vertrauen in die Unternehmer
Als Unternehmer sei er bereit zu liefern, wenn die Politik ihm mehr Freiheiten gibt und die Bürokratie reduziert. "Tatsächlich hören wir jetzt seit über 20 Jahren die gleichen Floskeln", sagt er ernüchtert, "bei jeder Regierungserklärung heißt es 'Bürokratieabbau' und wir stellen leider fest, da ist bis jetzt aus unserer Sicht gar nichts passiert." Die Politiker müssten seiner Meinung endlich mal umsetzen, was immer versprochen wird.
Auch aus Sicht von Winzerin Conny Lehr braucht es weniger Bürokratie und mehr Vertrauen in die Praktiker. "Uns wird vorgeschrieben, was wir zu machen haben von Leuten, die von der Praxis keine oder wenig Ahnung haben, sondern das Ganze in der Theorie sehen", sagt sie, während sie im Weinberg die Weinreben zurückschneidet und an das Drahtgerüst bindet.
Man hat das Gefühl, je mehr man arbeitet, umso mehr muss man bezahlen. Umso mehr kommen sie um die Ecke mit wieder irgendwelchen anderen Steuern.
Außerdem müsse für die Menschen, die arbeiten, mehr im Geldbeutel übrig bleiben. "Man hat das Gefühl, je mehr man arbeitet, umso mehr muss man bezahlen", ärgert sie sich. "Umso mehr kommen sie um die Ecke mit wieder irgendwelchen anderen Steuern." Man werde "geschröpft". Sie hofft, dass sich jetzt schnell eine Landesregierung zusammenfindet und diese Probleme angeht.