Auf der Landesliste war er nicht zu finden. Um in den Landtag zu kommen, musste er das Mandat direkt holen. Das hat funktioniert. Bernhard Pepperl, Zahnarzt im Ruhestand, vertritt unter anderem künftig im Landtag die Interessen der Menschen der einstigen Arbeiter-Stadtteile wie Waldhof oder Käfertal.
Jenen Teil von Mannheim, der über die regionalen Grenzen hinaus bekannt ist: Menschen, die ihr Herz auf der Zunge tragen, leben, arbeiten hier. Und es gibt sie noch: Kioske als ehrliche Treffpunkte zum Austausch. Man könnte es sich einfach machen, und über tief sitzenden Frust sprechen, der dort diskutiert wird. Pepperl "is vun do" wie man in Mannheim sagt, kommt aus Sandhofen, weiß als Bezirksbeirat, wo der Schuh drückt. Da können viele Menschen andocken. Auch dann, wenn es um verpassten Strukturwandel geht. Noch immer prägen im Norden auch große Industriebetriebe das Stadtbild. Deshalb waren auch die Sozialdemokraten hier so stark.
Landtagswahl BW 2026: Arbeiter wählen die AfD
Doch das ist vorbei und lange her. Nicht erst seit Sonntag gingen Arbeitsplätze in diesem Bereich verloren. Und die Sozialdemokraten als Ganzes haben ihre Wählerinnen und Wähler an die AfD verloren.
37 Prozent der Arbeiter haben 2026 in Baden-Württemberg die AfD gewählt. Höchstwert. Das hat sich 2016 schon angedeutet: Damals gewann die AfD hier eines von zwei Direktmandaten in Baden-Württemberg. Viele Menschen suchten als Flüchtlinge Schutz in Deutschland – und kamen nach Mannheim. Dieses Thema ist diesmal nicht zentral. Es geht ums eigene Geld, um steigende Energiepreise. "Eigenheim muss drin sein" – heißt es bei der AfD. Genau darum geht es im Norden. Kleines Haus, kleiner Garten. Seine Ruhe haben. Während im Hintergrund auf US-amerikanischem Gelände Panzer für die Ukraine repariert werden. Noch so ein Unsicherheitsfaktor für viele. Und auch diejenigen, die bislang gar nicht erst gewählt haben: Im Landes-Vergleich ist die Wahlbeteiligung im Mannheimer Norden mit 54,3 Prozent unterdurchschnittlich.
Mannheim: Zwei unterschiedliche Stadt-Gesichter
Der Wahlkreis Mannheim I ist wie ein Brennglas: Was in der Republik nur schleppend läuft, wird hier sichtbar. Der Blick in den Mannheimer Süden zeigt das noch viel deutlicher: Denn den sicherten sich erneut die Grünen. Und zwar sehr klar: Mehr als 32 Prozent für Elke Zimmer, gerade einmal 13 Prozent für den AfD Kandidaten. Wie kann eine Großstadt so unterschiedlich ticken? Ganz einfach: Urbanität, modernes Miteinander, Kultur – vieles was den einen Wahlkreis auszeichnet, ist im anderen geradezu gegensätzlich. Mannheim tickt offenbar mit zwei Geschwindigkeiten.
Die AfD setzt dort an, wo die Menschen im Norden auf sie warten: Dieser Veränderung etwas entgegenzusetzen. Der Mannheimer Norden war blau: Wahlplakat an Wahlplakat. Dass er es jetzt auch auf dem Wahlzettel ist, ist nur folgerichtig und erwartbar. Dem Angebot eines Kandidaten zuzurechnen, der seine Stadtteile kennt. Und der wahrscheinlich die Blaupause für das ist, worin sich viele Wählerinnen und Wähler der AfD laut Umfragen einig sind: "Es gibt zwar einzelne rechtsextreme Politiker, aber insgesamt trifft der Vorwurf auf die Partei nicht zu." Damit ist das Direktmandat gleichzeitig mehr als ein Denkzettel. Es ist die parteigewordene Alternative zu einer Entwicklung, bei der Menschen Angst haben, nicht mehr mithalten zu können.
Es geht jetzt auch um Verantwortung
Es geht um vermeintlich einfache Antworten. Heizen, wohnen, arbeiten. Mindestens dieser Verantwortung wird sich in der größten Oppositionspartei Baden-Württembergs in den kommenden Jahren auch Bernhard Pepperl stellen müssen. Denn Menschen verbinden ihr Kreuz auf dem Wahlzettel auch mit Erwartungen.
Die kommenden fünf Jahre werden zeigen müssen, ob sich tatsächlich im Norden etwas verändern kann. Denn das ist der Knackpunkt.