Prozess um Amokfahrt

Nach Mannheimer Todesfahrt am Rosenmontag: Taxifahrer sagt aus

Im Prozess um die Amokfahrt am Rosenmontag in Mannheim hat der Taxifahrer Muhammad A. ausgesagt, der den Täter verfolgte und stellte. Die Ereignisse beschäftigen ihn bis heute.

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Stand

Von Autor/in Leon Kaessmann

Am fünften Prozesstag nach der tödlichen Amokfahrt am Rosenmontag 2025 durch die Mannheimer Innenstadt hat einer der wichtigsten Zeugen vor dem Landgericht ausgesagt. Taxiunternehmer Muhammad A. verfolgte den mutmaßlichen Täter und brachte ihn schließlich in einer Sackgasse zum Stehen - womöglich konnte er Schlimmeres verhindern.

Taxifahrer wurde in Mannheim als Held gefeiert

Von der Presse und von Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) wurde er wie ein Held gefeiert. Doch vor Gericht merkte man ihm an, wie sehr ihn die Tat noch immer beschäftigt.

"Ich musste einfach einschreiten", erklärte der gebürtige Pakistaner, der neben seiner Dolmetscherin und seinem Anwalt im Zeugenstand saß. Als er gemerkt habe, dass da jemand mit seinem Auto über Menschen fahre, habe er gar nicht lange nachdenken müssen. Er sei dem mutmaßlichen Amokfahrer einfach hinterher gefahren und habe laut gehupt, um Passanten zu warnen.

Angeklagter schoss mit Schreckschusspistole auf Taxifahrer

Nach einer regelrechten Verfolgungsjagd landeten die beiden Fahrzeuge in einer Sackgasse. Beim Quadrat E7, auf Höhe des Arbeitsgerichts, standen sich die beiden Fahrzeuge schließlich direkt gegenüber. Er sei ausgestiegen, erinnert sich Muhammad A. vor Gericht. Alexander S. habe seine Schusswaffe herausgeholt. Durch seine kaputte Windschutzscheibe auf den Taxifahrer gezielt - und geschossen.

Ich hatte Todesangst.

"Ich dachte, es wäre mein letzter Tag", sagte der Taxifahrer. Er sei sich sicher, dass der Angeklagte ihn habe töten wollen. Dass er nur eine Schreckschusspistole bei sich hatte, habe er nicht erkennen können. A. sei zurück in sein Auto geflohen, der Täter geflüchtet.

Medienrummel setzte Taxiunternehmer Muhammad A. zu

Nach der Tat habe der Taxifahrer erst einmal nicht richtig atmen können. Es sei Ramadan gewesen, er habe gefastet und Kreislaufprobleme gehabt. Zwei Monate lang habe er nicht arbeiten können, immer wieder habe er Angstzustände - bis heute. Der ganze Medientrubel um ihn habe zusätzlichen Stress bedeutet: "Die ganze Zeit haben Leute bei mir angerufen. Das war Stress für meine Familie, für meine Kinder, für mich." Dem SWR sagte er nach seiner Aussage vor Gericht, dass er einfach erleichtert sei, dass das Ganze für ihn vorbei sei.

Keine Entschuldigung von Alexander S. vor Gericht

Während seiner Aussage sprach Muhammad A. laut. Er gestikulierte viel und wollte unbedingt seine Sicht der Dinge darstellen. Der Angeklagte S. hingegen zeigte keinerlei Regung: Grimmig starrte er während der Vernehmung in Richtung Zeugenstand. Eine Entschuldigung gab es - wie auch bei den anderen geladenen Zeugen - nicht. Alexander S. ist angeklagt wegen zweifachen Mordes und mehrfach versuchten Mordes. Zentral im Prozess ist die Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten, der wohl seit Jahren an einer psychischen Erkrankung leidet. Am Mannheimer Landgericht sind weitere 13 Verhandlungstage geplant.

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Leon Kaessmann
Leon Kaessmann, Autor im SWR-Studio Mannheim-Ludwigshafen

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