Zwischen Metzger, Bäckerei, Pfandautomat und Kassenzone: In Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis) gibt es jetzt die erste Arztpraxis in einem Supermarkt. Vor oder nach dem Einkauf können Patienten sich per Videosprechstunde von einem Allgemeinmediziner beraten lassen. Mit dem in Deutschland bislang einmaligen Konzept soll die medizinische Versorgung auch in ländlichen Regionen verbessert werden, so die Betreiber.
Kooperation von Schwarz-Gruppe und Krankenhausbetreiber
Der "Medical-Room" in der großen Mosbacher Kaufland-Filiale ist aus der Kooperation zwischen der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe mit dem privaten Krankenhausbetreiber Sana entstanden. Sana betreibt bundesweit fast 50 Kliniken und noch mehr Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und ist damit nach Branchenangaben der größte Klinikbetreiber Deutschlands. Auch am Standort der Schwarz-Gruppe in Neckarsulm gibt es ein Sana-MVZ.
Telemedizin als Weg für ländliche Regionen?
Die telemedizinische Praxis im Mosbacher Kaufland ist als Außenstelle des Neckarsulmer MVZ eingerichtet worden. Klinikkonzern Sana und die Schwarz-Gruppe wollen damit nach eigenen Angaben neue Wege bei der medizinischen Versorgung gehen: "Wir möchten die Gesundheitsversorgung in die Nähe der Menschen bringen, nicht umgekehrt", sagt Peter Silberhorn von der Sana GmbH. Die Video-Sprechstunde im Einkaufszentrum sieht er als "schöne Ergänzung zum bestehenden Versorgungssystem in der Region".
Der Medical Room ist jeden Werktag inklusive Samstag von morgens bis 19 Uhr für Patienten erreichbar und soll auch zusätzliche Kundschaft in das Einkaufszentrum am Stadtrand der Großen Kreisstadt Mosbach bringen, sagt René Wolf von Kaufland als Vermieter der Fläche. "Wir können unseren Standort damit noch attraktiver machen", so Wolf.
Sprechstunde im schalldichten Raum
Vor Ort werden die Patienten von Medizinischen Fachangestellten betreut, die den Video-Kontakt zum Arzt herstellen, aber selber auch "kleinere Check-ups" für Selbstzahler anbieten, wie es heißt. Die eigentliche ärztliche Beratung wendet sich gleichermaßen an gesetzlich wie privat Versicherte. Nach dem Einchecken per Gesundheitskarte können sich Patienten in einem kleinen schalldichten Raum per Video mit dem Arzt unterhalten und auch Rezepte bekommen.
"Wir beobachten das mit gemischten Gefühlen."
Dass Telemedizin als Ergänzung der ärztlichen Angebote vor Ort immer wichtiger wird, das sieht auch Achim Brötel (CDU) als Neckar-Odenwälder Landrat und Präsident des Deutschen Landkreistages. Man beobachte die Entwicklung "mit gemischten Gefühlen". "Telemedizin kann die persönlichen Betreuung der Patienten nie ersetzen", so Brötel. Er befürchtet, dass die Initiatoren des bislang bundesweit einmaligen Projekts der Praxis im Supermarkt weniger die medizinische Versorgung, sondern vielmehr das Geschäft im Vordergrund sehen.
Anmerkung: In einer früheren Version hatte es geheißen, es gebe ein MVZ in Neckarsulm "speziell für die Mitarbeitenden von Kaufland und Lidl". Dieses MVZ ist für alle Bürgerinnen und Bürger da. Wir haben die entsprechende Stelle im Text korrigiert.