Seit Anfang Januar läuft das Insolvenzverfahren bei der Mannheimer Traditionsbrauerei Eichbaum. Seit wenigen Wochen steht fest, dass bei einem Fortbestand in jedem Fall Stellen abgebaut werden müssen. Wie das Unternehmen konkret umstrukturiert wird, hängt vor allem vom Gläubigerausschuss und dem Einstieg möglicher Investoren ab. Der Ausschuss hat am Freitag auf dem Firmengelände getagt. Im Zuge dessen hat die zuständige Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zu einer Betriebsversammlung vor dem Werkstor aufgerufen. Zahlreiche Mitarbeiter sind der Aufforderung gefolgt und haben am Freitag für den Erhalt des Standorts und ihrer Arbeitsplätze demonstriert.
Appell des Betriebsrat an Gläubiger für soziale Verantwortung
Umut As ist Vorsitzender des Betriebsrats bei Eichbaum. Laut As diente die Betriebsversammlung dem Appell an die Gläubiger: "Sie sollen sich ans Herz fassen und nicht nur Zahlen und Namen sehen - sondern Gesichter, die davon abhängig sind, dass die Firma weiterbesteht." Die Geschäftsführung sei mit der Belegschaft in dieser Frage auf einer Linie.
Nicht nur aus Sicht der Mitarbeiter kämpft As für die Brauerei, sondern auch als Mannheimer: "Ohne Eichbaum würde die Stadt an Charme und Gesicht verlieren. Es ist das älteste Unternehmen. Die Gläubiger haben da eine gewisse Verantwortung." Unter ihnen seien laut Umut As große Namen, von denen man sich erhoffe, dass ihre Entscheidungen nicht nur auf Profitdenken beruhen, sondern auch auf Menschlichkeit.
Ausmaß des Stellenabbaus bei Eichbaum unklar
Der Austausch zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat läuft laut As gut. Trotzdem sind derzeit noch sehr viele Fragen offen - etwa, welcher Investor am Ende tatsächlich bei Eichbaum einsteigt. Deswegen sei auch die zunächst anvisierte Zahl von etwa 100 zu streichenden Stellen nicht mehr sicher. Wie viele Arbeitsplätze am Ende bleiben, ist laut Betriebsrat aktuell wieder völlig offen. Dass Eichbaum am Ende ganz schließt, glaube man laut As nicht: "Es geht gerade vor allem um die Frage, wie sehr wir bluten werden."
Eichbaum-Mitarbeiter kritisiert "Missmanagement der letzten Jahre"
Einer, der schon fast sein ganzes Leben bei Eichbaum arbeitet, ist Hans Klinkenberg. Seit 41 Jahren ist die Brauerei sein Arbeitgeber, er ist im sogenannten Flaschenkeller tätig, also in der Abfüllung des Flaschenbiers. Eine Krise solchen Ausmaßes habe er während seiner Karriere noch nicht erlebt: "Das Missmanagement der letzten Jahre macht einen sprachlos. Die Familien leiden unter der aktuellen Situation, man selbst leidet." Laut Klinkenberg wurden Gewinne der vergangenen Jahre nicht nachhaltig investiert. Für ihn gehe es jetzt darum, dass so wenig Arbeitsplätze wie möglich wegfallen und ein Sozialplan für die kommt, die tatsächlich gehen müssen. Klinkenberg könne sich nicht vorstellen, als über 60-Jähriger noch einen neuen Job zu finden, bei dem er ausreichend verdiene.
Entscheidung noch im März
Möglicherweise bringt die Sitzung des Gläubigerausschusses eine vorzeitige Entscheidung über die Zukunft von Eichbaum. Spätestens müsse eine Lösung dann in zwei Wochen bei der offiziellen Gläubigerversammlung gefunden werden. Dort muss feststehen, wer künftig in das Traditionsunternehmen investiert und wie genau die Brauerei umgebaut wird.