Das Insolvenzverfahren der Brauerei Eichbaum in Mannheim ist am 1. Januar offiziell eröffnet worden. Bereits Ende Oktober hatte das Unternehmen bekanntgegeben, sich neu aufstellen zu wollen - mit einer sogenannten Sanierungsgeschäftsführung, bestehend aus dem Restrukturierungsspezialisten Frank Reifel und dem langjährigen Eichbaum-Vertriebschef Uwe Aichele. Im SWR-Interview erzählen Reifel und Aichele, wie die Gespräche mit potenziellen Investoren laufen und wie es in den kommenden Wochen weitergehen soll.
SWR Aktuell: Wie ist der aktuelle Stand im Verfahren bei Eichbaum, Herr Reifel?
Frank Reifel: Am 1. Januar ist das Hauptverfahren eröffnet worden. Wir führen - parallel zur Unternehmensfortführung - Investorengespräche. Wir sind international angesprochen worden. Es gibt eine gute Auswahl an potenziellen Investoren, mit denen wir gegenwärtig sprechen. Jetzt muss man einfach sehen, was da herauskommt und in welche Richtung das geht.
Die gute Nachricht ist, es gibt Interessenten.
SWR Aktuell: Was ist Ihnen wichtig bei der Investoren-Suche?
Reifel: Da müssen wir unterscheiden: Wenn man sich die Investorengruppen anguckt, dann gibt es zwei Hauptinvestorengruppen. Das eine sind die klassischen Finanzinvestoren, das andere sind die strategischen Investoren. Es ist so, dass es bei den Strategen europäische Strategen sind. Die können aus dem Brauereigeschäft kommen, das kann eine andere große Brauerei sein. Uns sind beide recht. Jeder, der Eichbaum hilft, ist herzlich willkommen.
SWR Aktuell: Herr Reifel, Sie sind ein Restrukturierungsspezialist. Was ist das Besondere für Sie am Fall Eichbaum?
Reifel: Eichbaum ist in der Tat ein recht besonderer Fall. Es ist kein Mandat wie jedes andere. Wir haben auch hier mit dem, was wir tun, eine große Verantwortung für die Region.
SWR Aktuell: Wie sieht es bei Ihnen aus, Herr Aichele? Sie arbeiten seit mehr als 30 Jahren bei Eichbaum.
Uwe Aichele: Ich bin einfach total begeistert gewesen über diese Solidarität am Anfang. Das ist nicht selbstverständlich, dass da 5.000 bis 6.000 Leute im Stadion [Anm. der Redaktion: Mannheimer Carl-Benz-Stadion] dann skandieren, 'Eichbaum kämpfen und siegen'. Und wenn man emotional als Person mit dem Unternehmen sehr stark verbunden ist, dann ist es auch eine Art Motivationsschub. Aber wir waren und sind auch nicht naiv. Wir wissen, wie schwer die Aufgabe ist.
Aber wir waren und sind auch nicht naiv. Wir wissen, wie schwer die Aufgabe ist.
SWR Aktuell: Die Bierbranche steckt ingesamt in der Krise. Sie hatten angekündigt, sich künftig breiter aufstellen zu wollen - "vom reinen Bierbrauer zum Getränkehersteller". Was ist da der aktuelle Stand?
Aichele: Wir haben ein paar Ideen und Ansätze. Wir produzieren auch unabhängig von Bieren Cider, der dann als alkoholfreier Cider im nächsten Jahr auf den Markt gebracht wird. Den füllen wir im Moment nur ab.
Wir haben aber auch eigene Markenideen, die alkoholfrei sind und vielleicht eher mit den Themen Protein zu tun haben, die funktional sind. Ich glaube, dass es den Menschen auch darum geht, nicht nur alkoholfrei zu trinken.
Große Brauerei in Mannheim insolvent So stemmen sich Brauereien in BW gegen die Krise
Die Traditionsbrauerei Eichbaum hat Insolvenz angemeldet. Bier mit Alkohol geht in Deutschland immer seltener über den Tresen. Was können Brauereien tun, um erfolgreich zu bleiben?
SWR Aktuell: Wie geht es jetzt konkret weiter?
Aichele: Wir haben letzte Woche drei Tage lang Gespräche mit Investoren geführt. Wir werden in den nächsten zehn Tagen noch mit zwei strategischen Investoren Gespräche führen. Das sind sehr wichtige Termine für uns. Aber zum Schluss werden wir nicht auswählen können, sondern einfach sagen müssen: Das ist das Passende für Eichbaum.