Mannheimer Iraner erlebte Folter in Gefängnis

Reza Shari: "Das Regime in Iran hat alle eingeschüchtert"

2023 wurde Reza Shari in Iran festgenommen. Der Vorwurf: Regimekritik. Gegen Kaution kam er frei und flüchtete. Jetzt weckt der Krieg Hoffnungen und Ängste in ihm.

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Von Autor/in Patrick Figaj

Der Mannheimer Unternehmer Reza Shari hat 2023 einen Monat im berüchtigten Gefängnis Evin verbracht. 32 Tage, die Spuren bei ihm hinterlassen haben. Ein Jahr danach wirkt er dennoch aufgeräumt. Er ist entschlossen, seine Geschichte zu erzählen: Über Willkür, Einschüchterung und Hoffnung, die er für sein Heimatland hat. Denn Shari sagt auch: Er ist zwar in Mannheim aufgewachsen, dennoch habe er in Deutschland und Iran eine Heimat.

SWR Redakteur Patrick Figaj hat mit Reza Shari gesprochen.

Zeit im Gefängnis: "Es war erdrückend"

Israelische Raketen hatten das berüchtigte Gefängnis Evin in Teheran zuletzt wieder in die Schlagzeilen gerückt. Den Ort, den Shari von innen kennt. Hier war er Folter ausgesetzt. Und einer unsicheren Zukunft. Er kam gegen Kaution frei und konnte schließlich fliehen. Doch das war zunächst unklar. Dort im Gefängnis sei es ein "erdrückendes Gefühl gewesen." Ein Einschnitt in seinem Leben, unter dem er heute noch leide, so der Mannheimer. Tagelang fand er hinter Gittern und unter Folter keinen Schlaf.

Angriffe auf Iran: "Ein ambivalentes Gefühl"

So wie viele andere Iraner verfolgt Shari die aktuelle Nachrichtenlage. Saugt auf, was er an Neuigkeiten bekommen kann. Die Angriffe seien "sehr schmerzhaft, wie ein Stich ins Herz." Allerdings, sagt Shari, seien diese Angriffe auch befreiend. Denn er hofft, dass sie das Regime ins Wanken bringen könnten. Dennoch sei es ein ambivalentes Gefühl, Bomben auf die Heimat fallen zu sehen.

Es überwiegt die Überzeugung: Das Regime muss weg. Das sind Barbaren.

Ohne Hilfe von außen würde es in Iran keine Veränderung geben. Israel habe damit begonnen, das Regime zu schwächen. Der nächste Schritt liege jetzt in den Händen der iranischen Bevölkerung.

Keine offenen Proteste auf den Straßen

Doch das sagt sich leichter, als es ist. Shari beschreibt ein nach seinen Worten "faschistisches Regime". Es sei in Iran gelungen, die Menschen einzuschüchtern und zu traumatisieren. Viele seien in den vergangenen Jahren verhaftet und hingerichtet worden. Deshalb würde sich heute kaum noch jemand trauen, auf die Straße zu gehen.

Das sei in Folge der Proteste nach dem Tod der Iranerin Jina Mahsa Amini in Teheran am 16. September 2022 stärker spürbar geworden. Amini wurde von der islamischen Sittenpolizei festgenommen und misshandelt. Sie soll gegen die Kleiderordnung verstoßen haben. Viele seien nach den großen Protesten zurückhaltender geworden. Shari hatte sich in Deutschland in Folge des Todes von Amini engagiert, gegen das Regime protestiert. Auch das wurde ihm 2024 in Iran vorgeworfen. Heute sagt er, wenn es gelingt Menschen wieder zu motivieren, sei ein Sturz des Regimes denkbar.

"Kraft für die Heimat Iran einsetzen"

Einschüchterung, sagt Shari, betreffe nicht nur die Menschen in iranischen Städten und Dörfern, sondern auch Iranerinnen und Iraner im Exil. Er wolle sich aber nicht mehr einschüchtern lassen. Er beschreibt ein in seinen Augen geschwächtes Regime. Auch deshalb ist er zuversichtlich, dass sich etwas ändern könnte: Im Fall eines Regime-Sturzes plant Shari, sich in Iran politisch zu engagieren. Er wolle dann eine Partei gründen. Das Land bräuchte Menschen wie ihn, die den Iran neu aufbauen könnten. Seine Kraft will er deshalb für seine zweite Heimat einsetzen.

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