Ohne die Arbeit des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Dossenheim (Rhein-Neckar-Kreis) hätten Landwirte und Gartenbaubetriebe außer chemischen Mitteln weniger Chancen gegen Pflanzenkrankheiten. Sie werden von Bakterien, Pilzen, Viren und Insekten ausgelöst - oft in einträchtiger Zusammenarbeit. Nur unter dem Mikroskop ist zum Beispiel die winzige Schilf-Glasflügelzikade in ihren diversen Entwicklungsstadien gut zu erkennen.
Nicht nur Kartoffeln und Zuckerrüben betroffen
Taucht die Zikade zusammen mit primitiven Bakterien des Typs Phytoplasmen gleichzeitig auf, wird es für den Anbau von Kartoffeln, Rüben oder Zwiebeln gefährlich: Das Bakterium nutzt die Zikade als Zwischenwirt, um sich zu verbreiten. In der Region ist das zurzeit für Kartoffeln und Zuckerrüben ein großes Problem. Phytoplasmen, zum Beispiel Candidatus Phytoplasma solani, verursachen bei Kartoffeln die Krankheit Stolbur.
Sie hat Ertrags- und Qualitätsverluste zur Folge: Die Pflanzen welken, Wurzeln und Knollen werden gummiartig und der Zuckergehalt sinkt. Weitere Gemüsesorten sind mittlerweile betroffen, wie Karotten, Rhabarber, Spargel, Rote Beete und viele andere. Im vergangenen Jahr hat das Bakterium zusammen mit der Zikade auf rund 100.000 Hektar massive Verluste bei der Ernte verursacht. Momentan gibt es kein wirksames biologisches Mittel gegen die Zikade, Landwirte bekämpfen sie mit Notfall-Zulassungen auf chemischer Basis. Die Wissenschaftler suchen ein Gegenmittel und setzen dabei auf Duftstoffe.
Auch Viren richten Schäden an Pflanzen an. Die Gummiholzkrankheit ist ein Beispiel, der Name erklärt die Wirkung der Viren. Wieder sind Insekten die Überträger, im Fachbegriff heißen sie "Vektoren".
Resistenter Apfelwickler
Ein weiterer bedeutsamer Schädling ist der Apfelwickler. Am JKI sind Viren entwickelt worden, die gegen ihn wirken. Diese Entwicklung hat zwei Jahrzehnte gedauert. Weil der Apfelwickler langsam dagegen resistent wird, suchen die Forscherinnen und Forscher jetzt neue Lösungen.
Ein schmucker Neubau
Das Bundes-Institut mit Hauptsitz in Quedlinburg in Sachsen-Anhalt hat in Dossenheim zwei Fachinstitute für Pflanzenschutz im Obst- und Weinbau und für biologischen Pflanzenschutz. Das JKI sitzt heute in einem schmucken Neubau, der 2023 offiziell eingeweiht wurde und das alte Gebäude abgelöst hat. Dafür gab es sogar eine Silber-Plakette für nachhaltiges Bauen. Zum "Tag der offenen Tür" schauten rund 900 Neugierige vorbei.
Auch mit dem Weinbau beschäftigt sich das Institut, denn der Weinbau braucht neue pilzwiderstandsfähige und stresstolerante Rebsorten, um dem Klimawandel zu trotzen.
Trockenstress für Gurken und Tomaten
Beim Tag der Offenen Tür stießen die Info-Stände bei Hobby-Gärtnern auf großes Interesse. Sie erfuhren zum Beispiel etwas darüber, welchen Effekt Trockenstress auf Gurken- und Tomatenpflanzen hat. Und sie lernten, was von Knöllchenbakterien an Sojapflanzen gebunden wird. Ja, es ist der Stickstoff, ein wesentlicher Bestandteil von Dünger.
Insektenfallen mit Grips
Am Institut beschäftigen sich junge Wissenschaftler auch mit Methoden der Insektenzählung. Was bislang mit feinmaschigen Netzen und einem Staubsauger klassifiziert und durchgezählt wird, könnte demnächst eine vollautomatische solarbetriebene Kamerafalle übernehmen, die von Künstlicher Intelligenz unterstützt wird. Das Gerät fotografiert und erkennt auf bunten Punkten zwischenlandende Insekten. Ein kleines Problem: Wie erkennt man, ob das Insekt sich vielleicht zwei oder dreimal niedergelassen hat - viel Arbeit für die Forschung wartet also noch.