Zugbegleiter Serkan Çalar aus Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) wurde Anfang Februar dieses Jahres nach einer Fahrscheinkontrolle in einem Regionalzug nahe Landstuhl in Rheinland-Pfalz (Kreis Kaiserslautern) niedergeschlagen. Zwei Tage nach der Tat erlag der 36-Jährige seinen Verletzungen. Der Dienstort von Serkan Çalar war Mannheim, deswegen soll dort am Freitag am Hauptbahnhof eine Gedenktafel für ihn enthüllt werden. Damit so etwas nicht noch einmal passieren kann, fordert der Betriebsratsvorsitzende der DB Regio AG Rhein-Neckar, Thorsten Weske, dass Zugbegleiter künftig nur noch zu zweit arbeiten.
Zahl der Übergriffe gegen Bahn-Mitarbeiter gestiegen
Der Tod des 36-Jährigen löste eine bundesweite Debatte über die Sicherheit von Bahnmitarbeitern aus. Nach Angaben der Deutschen Bahn gab es allein in der ersten Jahreshälfte 2026 rund 1.000 Übergriffe - ein Anstieg von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. 22 Bahnmitarbeiter wurden schwer verletzt.
Weske: Tandemlösung erhöht Sicherheitsgefühl bei Bahnmitarbeitern
Serkan Çalar war Angestellter der DB Regio Rhein-Neckar. Der Betriebsratsvorsitzende der DB Regio Rhein-Neckar und Mitglied der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Thorsten Weske fordert, dass Zugbegleiter aus Sicherheitsgründen immer zu zweit arbeiten - also eine Tandemlösung. Testweise werde diese bereits in Rheinland-Pfalz eingesetzt und hat nach Einschätzung von Thorsten Weske das Sicherheitsgefühl der Mitarbeiter deutlich verbessert.
Positive Zwischenbilanz zu Pilotprojekt Zugbegleiter kontrollieren im Tandem die Fahrscheine: Neues Treffen zur Sicherheit im Mai
Die Deutsche Bahn setzt seit einer Woche in vielen Nahverkehrszügen und S-Bahnen in Rheinland-Pfalz Zweier-Teams als Zugbegleiter ein und zieht eine positive Zwischenbilanz. Im Mai steht ein neues Treffen zur Sicherheit an.
Sollte die flächendeckende Einführung der Tandemlösung für die DB Regio Rhein-Neckar nicht kommen, will der Betriebsratsvorsitzende Weske die Dienstpläne, in denen Kundenbetreuer im Nahverkehr nur einzeln eingetragen sind, ab Januar ablehnen, sagte er dem SWR.
Ausrüstung mit Bodycams
Darüber hinaus werden in einigen Bundesländern auch andere Modelle für die Kundenbetreuer im Nahverkehr getestet. Alle Mitarbeiter, die Kundenkontakt bei der Deutschen Bahn haben, können eine Bodycam tragen. Über 90 Prozent der Mitarbeitenden bei der DB Regio haben inzwischen eine Bodycam-Schulung erhalten. Ab dem 5. Oktober wird laut DB auch die Tonaufzeichnung bei Bodycams getestet.
Schulung für den Ernstfall
Thorsten Weske von der EVG begrüßt Bodycams und Tonaufnahmen, gibt aber auch zu bedenken, dass diese nicht immer eine abschreckende oder deeskalierende Wirkung hätten. Damit die Kundenbetreuer lernen, sich in schwierigen Situationen zu behaupten, sind sie verpflichtet, an Deeskalationsschulungen teilzunehmen. Um die Sicherheit weiter zu verbessern, sind laut DB seit Juli dieses Jahres einige Mitarbeiter mit Schutzwesten unterwegs.
Bundesweites Alkoholverbot an Bahnhöfen
Bis zum 15. Oktober wird ein Alkoholverbot an allen Bahnhöfen umgesetzt. Nach Angaben der DB haben Modellprojekte gezeigt, dass solch ein Verbot dazu beiträgt, Konflikte und Auseinandersetzungen zu verringern. Ob es auch für Regionalzüge eingeführt wird, ist noch nicht geregelt.
Ob ein entsprechendes Verbot die Sicherheit der Bahn-Mitarbeiter automatisch erhöhen würde, stellt Thorsten Weske von der EVG zumindest in Frage. In Bahnhöfen gibt es Security-Mitarbeiter und Bundespolizei, in den Zügen seien die Zugbegleiter völlig auf sich allein gestellt.
Bund plant härtere Strafen
Sowohl die EVG als auch DB-Chefin Evelyn Palla begrüßen den aktuellen Vorstoß von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD). Diese hat härtere Strafen für Angriffe auf Beschäftigte von Bahn-Unternehmen angekündigt. Wer Bahnmitarbeiter, Feuerwehrleute, Gerichtsvollzieher und medizinisches Personal angreift, müsse zukünftig mit einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten rechnen, in besonders schweren Fällen sogar mit mindestens einem Jahr, sagte Hubig den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.