Was wusste familiäres Umfeld des Mannheimer Marktplatz-Attentäters?

Schwager von Sulaiman A. im Prozess: "Er soll seine Strafe kriegen!"

Wie haben Bekannte von Sulaiman A. ihn vor der Tat wahrgenommen? Diese Frage stand am Dienstag im Prozess am Oberlandesgericht in Stuttgart-Stammheim im Mittelpunkt.

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Von Autor/in Patrick Figaj

In Saal 1 des Prozessgebäudes des Oberlandesgerichts in Stuttgart-Stammheim hat am Dienstag der Schwager des Attentäters Sulaiman A. als Zeuge ausgesagt. Er ist der Mann der Schwester des Angeklagten. Ein kräftiger Mann, gepflegt, sehr sportlich. Von der flirrenden Hitze vor dem Gebäude ist im Gerichtssaal nichts zu spüren. Im Gegenteil: Der Raum ist klimatisiert und kühl. Nur das Verhältnis zwischen Angeklagtem und Zeuge ist offensichtlich noch kälter. Der Schwager würdigt Sulaiman A. keines Blickes.

Und auch Sulaiman A. verfolgt die Aussagen seines Schwagers fast regungslos. Die Hände oft in den Schoss gelegt.

Regelmäßige Treffen der Familien

In der Befragung des Vorsitzenden Richters geht es um das Verhältnis der beiden Männer zueinander und um das der Familien. Deutlich wird: Sie treffen sich immer wieder im familiären Umfeld. Zuhause oder bei Ausflügen in der Rhein-Neckar-Region. Männer und Frauen gehen dann durchaus getrennte Wege. Sulaiman A. wird von seinem Schwager als höflich und freundlich beschrieben. Er sei einer gewesen, der immer ein Lächeln im Gesicht hatte. Das habe sich allerdings alles geändert, als sein zweites Kind mit einem Herzfehler auf die Welt gekommen sei.

Erscheinungsbild von Sulaiman A. änderte sich

Nach der Geburt des Kindes habe er immer weniger gesprochen. Der Schwager beschreibt einen Mann, der weniger Wert auf sein Äußeres gelegt habe. Längerer Bart, ungepflegte Haare und Zähne. "Wie ein Penner" habe er ausgesehen. Religiös, so der Schwager, sei Sulaiman A. aber bereits vorher gewesen. Koran-Verse seien auch immer mal wieder Themen gewesen. Allerdings sei das normal in diesem Kulturkreis, nichts Unübliches.

Zwischen beiden kommt es dann offenbar einige Wochen vor der Tat auf dem Mannheimer Marktplatz nach einer Meinungsverschiedenheit zum Bruch: Zuvor sollen sie über einen Messenger-Dienst gechattet haben. Der Schwager erreicht Sulaiman A. danach nicht mehr. Offenbar war es um eine Status-Meldung in diesem Dienst gegangen, die Sulaiman A. anders bewertete als sein Schwager, der sie gepostet hatte. Der positionierte sich nach eigener Aussage klar gegen Tätigkeiten der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Der Schwager ist auch an diesem Dienstag sehr klar in seinen Aussagen und betont, welches Unrecht Terrorgruppen dieser Art begehen würden. Und dass man das auch deutlich aussprechen müsse. Sulaiman A. habe seinem Schwager nach diesem Disput abgesprochen, ein Muslim zu sein.

Tat jeden Tag Thema in der Familie

Gut ein Jahr nach der tödlichen Messerattacke auf den Mannheimer Polizisten Rouven Laur sei die Tat noch immer jeden Tag Thema in der Familie. Auch das unterstrich der Schwager des Angeklagten.

Der Bruder meiner Frau ist ein Mörder. Es ist eine Katastrophe.

Sulaiman A. solle seine Strafe kriegen. Er sei ihm egal, betont der Mann im Zeugenstand am Dienstag. Zu spüren ist auch: Dieser Teil der Familie distanziert sich deutlich von Sulaiman A.

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"Es hat eine Art Gehirnwäsche stattgefunden"

Noch deutlicher wird der Bruder dieses Schwagers, der ebenfalls als Zeuge an diesem Dienstag gehört wird. Er habe Sulaiman A. nur wenige Male gesehen, gibt er zu Protokoll, und auch dieser Zeuge beschreibt die Wandlung: Die Verwahrlosung nach der Geburt des herzkranken Kindes. Doch dieser Zeuge beschreibt noch ein weiteres Detail, das in der Hauptverhandlung immer wieder durchschimmert: Sulaiman A. habe sich in eine "extreme Richtung" entwickelt. Er denke, es habe eine "Art Gehirnwäsche stattgefunden". Dennoch sei für ihn nicht ansatzweise vorstellbar gewesen, zu was der Angeklagte fähig war. Und diese Tat sei für alle eine Schande.

Wie und mit wessen Einfluss diese Veränderung bei Sulaiman A. stattgefunden haben könnte, das konnte der Mann allerdings nicht beantworten.

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Patrick Figaj
SWR Journalist Patrick Figaj