Am 9. November in Schriesheim und Dossenheim

Vor Windkraft-Bürgerentscheid: Viele Infos in unaufgeregter Atmosphäre

In Schriesheim und Dossenheim an der Bergstraße steht ein Bürgerentscheid über den Bau von Windrädern an. Im Vorfeld gab es am Dienstagabend eine Infoveranstaltung in Schriesheim.

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Von Autor/in Christian Scharff

Die Infoveranstaltung in Schriesheim (Rhein-Neckar-Kreis) zeigte die meisten Argumente pro und contra Windkraft an der Bergstraße im Vorfeld des Bürgerentscheids noch einmal auf. Gemessen am Applaus unter den rund 300 Interessierten gab es leichte Vorteile für die Befürworter von vier Windrädern auf Schriesheimer und Dossenheimer Gemarkung. Der Bürgerentscheid ist am Sonntag, 9. November. In Dossenheim gibt es am Donnerstag, 23. Oktober, eine ähnliche Veranstaltung ab 18 Uhr in der Jahnhalle.

Fast 267 Meter Gesamthöhe

Die Windräder Typ Enercon 175 sollen bis zur Flügelspitze 266,5 Meter hoch sein. Ihre Nabenhöhe beträgt 175 Meter. Sie sind getriebelos, das heißt leiser und brauchen kein Getriebeöl, was im Wald ein Vorteil ist. Die Windräder würden nach den bisherigen Plänen etwas zurückgesetzt hinter der Bergkuppe stehen, also etwas weiter östlich. Das macht sie optisch - von der Rheinebene aus gesehen - kleiner.

Windkraft schriesheim
Die rot eingefassten Flächen sind das Vorranggebiet, auf dem die Windräder laut Regionalplan stehen dürfen

Zwei Windräder für Schriesheim, zwei für Dossenheim

Je zwei Windräder würden auf Schriesheimer und Dossenheimer Gemarkung stehen. Das ist auch der Grund, dass ein Bürgerentscheid überhaupt möglich ist. Denn auf privatem Grund oder auf Flächen des Landes könnten die Windräder bei Einhaltung aller sonstigen Regeln, wie zum Beispiel Abstandsregeln, ohne einen solchen Bürgerentscheid gebaut werden.

Kommunen hoffen auf Pachteinnahmen

Windräder auf der eigenen Gemarkung haben allerdings einen großen Vorteil. Sie bringen Pachteinnahmen und einen kleinen Anteil am Stromerlös. Das summiert sich bei diesen großen Anlagen auf bestenfalls einige hundertausend Euro pro Jahr. Geld, das die Kommunen gut gebrauchen können, sagt auch Schriesheims Bürgermeister Christoph Oeldorf (parteilos).

Ich halte es für völlig legitim, dass Schriesheim davon profitiert. Denn das, was wir einnehmen, geben wir auch wieder für Schriesheim aus.

Zusätzlich könnte bis zu ein Viertel der Anteile theoretisch in die Hände von Bürgern oder Genossenschaften übergehen, sagte Projektmanager Dennis Hohlfinger vom Unternehmen Pionext, das die Windräder plant. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Pfalzwerke, der Mainzer Stadtwerke und der EWR AG aus der Pfalz. Voraussetzung wäre aber, dass genug Geld dafür zusammenkommt.

Die vier Windräder mit einer Gesamtleistung von rund 28 Megawatt Stromerzeugung kosten etwa 30 Millionen Euro, schätzte Dennis Hohlfinger. Er bekräftigte auch, dass auf den Höhenzügen genug Wind weht.

Die Argumente der Windkaftgegner

Die Windkraftgegner, maßgeblich von der Bürgerinitiative Gegenwind beflügelt, setzen in erste Linie auf das Argument Waldrettung. Der Forst sei wichtiger als erneuerbare Energie an diesem Platz. Dass der Wald, der forstwirtschaftlich genutzt wird, nur zu einem sehr kleinen Teil beeinträchtigt würde, spielt in ihrer Argumentation keine Rolle. Die Initiative fordert Windenergie in der Ebene. Das allerdings wird schwierig, wie eine Vertreterin des Regierungspräsidiums schilderte. Denn dort können die Abstandsregeln zur Wohnbebauung nur schwer eingehalten werden.

Wir haben nichts gegen Windräder per se, aber man muss genau schauen, welche Flächen man dafür opfert.

Ein weiteres Argument der Windkraftgegner ist die Annahme, oben auf den Höhenzügen würde gar nicht genug Wind für den Betrieb wehen. Das Windkraftplanungsunternehmen Pionext und alle anderen, die in die Anlagen investieren wollen, sind anderer Meinung.

Die Argumente der Windkraft-Befürworter

Nicht nur Vertreter der Energiewende Bergstraße appellierten leidenschaftlich, für die Windräder zu stimmen. Ihre Argumente sind gut bekannt: CO2-freie Stromerzeugung für den Klimaschutz, die finanziellen Einnahmen aus der Windkraft und der Hinweis, dass Windkraftanlagen im Wald der Funktion des Waldes nicht schaden. Auch Tiere und Pflanzen leiden aus ihrer Sicht kaum unter den Windrädern. Nicht zuletzt die Unabhängigkeit von fossilen Energien und den Ländern, die sie an Deutschland verkaufen.

Artenschutz-Gutachten nach Bürgerentscheid

Sollte der Bürgerentscheid für die Windräder ausfallen, wird es als nächstes eine nicht gesetzlich vorgeschriebene spezielle artenschutzrechtliche Prüfung geben. Diese würde im Winter beginnen. Bis die Windräder sich drehen, würden aber noch viele Jahre mit Bauarbeiten und Prüfungen vergehen. Sollte der Bürgerentscheid gegen die Windräder ausfallen, wäre der Prozess zumindest in der Gemeinde gestoppt, die dagegen stimmen würde. Dann könnten theoretisch die Windräder auf dem jeweils anderen Teil der Gemarkung entstehen.

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Christian Scharff
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