Mercedes-Benz hat sich offen für einen Einstieg in die Rüstungsproduktion gezeigt. Ein solcher Schritt müsse jedoch wirtschaftlich sinnvoll sein, sagte Konzernchef Ola Källenius der Zeitung "Wall Street Journal", wie das Blatt am Freitagabend (Ortszeit) berichtete.
"Die Welt ist unberechenbarer geworden, und ich denke, es ist völlig klar, dass Europa seine Verteidigungsfähigkeit ausbauen muss", erklärte der Manager. "Sollten wir dabei eine positive Rolle spielen können, wären wir dazu bereit." Rüstungsgeschäfte würden im Vergleich zur Autoproduktion zwar nur einen kleinen Anteil ausmachen, könnten aber eine wachsende Nische sein, die zum Geschäftsergebnis beitrage, sagte Källenius weiter.
Vor Hauptversammlung des Autobauers Kritik an Mercedes: Milliarden-Ausschüttung trotz Gewinneinbruch und Sparprogramm
Mercedes schüttet trotz Gewinneinbruch, Sparprogramm und Absatzrückgang 3,3 Milliarden Euro in Dividenden aus. Zwei Verbände fordern einen dringenden Kurswechsel.
Auf SWR-Anfrage erklärt Mercedes: "Unsere Aktivitäten im Sicherheits- und Verteidigungsbereich sind ein strategisches Entwicklungsfeld, dass (gemeint ist "das", Anmerkung der Redaktion) wir aktiv und in Kooperation mit Partnern weiter gestalten werden." Seit jeher würde Mercedes mit "modifizierbaren Fahrzeugen für Sicherheits- und Verteidigungseinsätze" die Verteidigungs- und Sicherheitspolitik Europas und der NATO stärken. Außerdem würden spezialisierte Unternehmen unter eigener Verantwortung Fahrgestelle für militärische Anwendungen ausbauen und vermarkten.
Gewinneinbruch bei Mercedes
2025 ist das Konzernergebnis des Stuttgarter Autobauers um knapp die Hälfte eingebrochen. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Nettogewinn im Geschäftsjahr 2025 von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro. Und auch Daimler Truck geht es nicht gut: Der Konzern verzeichnet im ersten Quartal 2026 einen Gewinneinbruch von 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Rüstungsindustrie mögliches Wachstumsfeld für deutsche Autobauer
Eine offizielle Stellungnahme von Mercedes-Benz lag zunächst nicht vor. Angesichts steigender Militärausgaben in Europa rückt die Rüstungsindustrie zunehmend als mögliches Wachstumsfeld in den Fokus deutscher Autobauer. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte Ende April berichtet, dass Europas größter Autobauer Volkswagen Insidern zufolge derzeit mit dem israelischen Rüstungskonzern und Iron-Dome-Hersteller Rafael Advanced Systems über die Umrüstung seines Werks in Osnabrück für die Produktion von Raketenabwehrsystemen verhandelt. VW wies Pläne zum Bau von Waffen jedoch zurück.
Anfang der Woche hatte zudem der Rüstungskonzern Rheinmetall eine Partnerschaft mit der Deutschen Telekom zur Entwicklung eines Drohnen-Abwehrschilds bekanntgegeben.