Die Zahl der Straftaten an Bahnhöfen und in Zügen in Baden-Württemberg geht in mehreren Bereichen zurück - die Gewaltkriminalität verharrt jedoch auf hohem Niveau. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Hess hervor, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Mehr als 80 Mal am Tag wird demnach an einem Bahnhof oder in einem Zug in Baden-Württemberg eine Straftat registriert.
Die meisten Gewaltdelikte am Stuttgarter Hauptbahnhof
Die Bundespolizei zählte im vergangenen Jahr insgesamt 29.944 Straftaten an Bahnhöfen und Zügen im Land - knapp 18 Prozent weniger als im Vorjahr, da waren es 36.452 Straftaten. Zahlen zu Massendelikten wie Hausfriedensbruch oder Beleidigung fehlen allerdings in der Gesamtstatistik, wie das Bundesinnenministerium mitteilt. Wegen eines technischen Systemfehlers konnten demnach nicht für alle Bereiche statistische Daten generiert werden.
Die meisten Straftaten sind Sachbeschädigungen und andere Eigentumsdelikte. Aber auch Gewaltdelikte machen einen großen Anteil aus. Während Eigentums- und Sexualdelikte zuletzt zurückgingen, verharrten Gewaltdelikte mit 2.909 Fällen etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Am häufigsten kommt es am Stuttgarter Bahnhof zur Gewalt.
Die meisten Straftaten am Mannheimer Bahnhof
Zudem registrierten die Behörden 15 Fälle, in denen Menschen in den Gleisbereich gestoßen wurden - im Jahr 2024 waren es zehn Fälle. Auch die Zahl der aufgebrochenen Fahrkartenautomaten ist 2025 von 18 auf 29 deutlich gestiegen. 43 Bundespolizisten wurden im vergangenen Jahr bei gewaltsamen Auseinandersetzungen verletzt, im Vorjahr waren es 35. Hinzu kamen 319 Gewaltdelikte gegen Mitarbeiter der Deutsche Bahn - ein Plus von rund sieben Prozent.
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Gemessen an der Gesamtzahl der registrierten Straftaten gilt Mannheim als Bahnhof mit der höchsten Kriminalität im Land: 2.596 Fälle wurden dort erfasst, neun Prozent weniger als im Vorjahr. Es folgen die Bahnhöfe in Karlsruhe, Stuttgart, Heidelberg und Offenburg. Betrachtet man nur die Gewaltdelikte, steht Stuttgart an der Spitze - und verzeichnet ganze 19 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr. Nach Angaben der Deutschen Bahn nutzen jeden Tag 179.000 Reisende den Stuttgarter Bahnhof, in Mannheim sind es etwa 99.000.
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AfD-Abgeordneter: "Bahnhöfe und Züge dürfen keine Angsträume sein"
"Bahnhöfe und Züge, nicht nur in Baden-Württemberg, sind zu Kriminalitätsschwerpunkten verkommen", sagte der AfD-Abgeordnete und langjährige Polizist Martin Hess. "Gleichzeitig will man die Bürger per Mobilitätswende in öffentliche Verkehrsmittel zwingen - ohne für ihren Schutz zu sorgen."
Aus der Statistik geht hervor, dass bei den Gewaltdelikten 11.274 Tatverdächtige die deutsche Staatsbürgerschaft hatten und 9.091 eine nicht-deutsche. Bei 197 Tatverdächtigen war die Staatszugehörigkeit ungeklärt, 6.424 waren unbekannt. Was die Gesamtzahl der Straftaten angeht, waren im Jahr 2025 71.415 Tatverdächtige unbekannt. 37.725 hatten einen deutschen Pass, 69.834 einen nicht-deutschen. Bei 1.952 war die Staatsangehörigkeit ungeklärt.
Hess bemängelt das als einen "überproportional hohen Anteil ausländischer Tatverdächtiger" und kritisiert die Sicherheits- und Migrationspolitik. Bahnhöfe und Züge dürften keine Angsträume sein, so der AfD-Abgeordnete.