Hausecke, Unterführung, Brücke

Hier bleiben Lastwagen zuhauf hängen: Das sind die drei Unfall-Hot-Spots der Region

Die Polizei spricht von "Kleinstunfällen" - doch zeigen sie verkehrlich und medial Wirkung: Regelmäßig bleiben Lastwagen irgendwo hängen. Das sind drei Hotspots der Region Stuttgart.

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Von Autor/in Kerstin Rudat

"Tu's bloß nicht!", ist schon seit Kindheitstagen ein Ausruf, den wir erstaunlich konsequent ignorieren. Und gerade im Straßenverkehr hält sich diese Verhaltensweise bis ins gesetzte Alter. Gut, wenn's dann bei einem Blechschaden bleibt. Und ja, auch wenn es dann ein "teuer Spaß" wird, ist es dann doch irgendwie, nun ja, eben eine "Spaß". Wir haben uns drei Unfall-Hot-Spots in der Region Stuttgart ausgesucht, bei denen jedes "Tu's bloß nicht!" regelmäßig missachtet wird.

Spot Nummer 1: Weinstadt-Beutelsbach

Deutschlandweit bekannt dank YouTube und Co. ist Lkw-Unfallstelle Nummer 1: die "Transporterfalle". Gemeint ist eine Bahnunterführung im Ortsteil Beutelsbach in Weinstadt (Rems-Murr-Kreis). Seit Jahrzehnten schätzen hier Brummi-Fahrer und -Fahrerinnen, aber auch Kleintransporter-Lenkende die Höhe der Unterführung falsch ein. Obwohl es ja dransteht: zwei Meter Durchfahrtshöhe! Höhepunkte in all den Jahren waren die Tage, an denen innerhalb von 24 Stunden mehrfach Laster steckenbleiben. Heikel an den Unfällen in der Unterführung ist, dass über sie S- und Regionalbahnen fahren - und dann Sachverständige nach der Statik schauen müssen.

Entsprechend ist die berühmte "Transporterfalle" Dauerthema bei der Stadt. Diese hat schon vieles ausprobiert: Neben den üblichen Höhendurchfahrtsbegrenzungsschildern (Wort unbedingt für Scrabble merken!) wurden weitere Warnschilder weit vor der Unterführung angebracht. Und sogar Blinklichter! 2017 wurde ein externer Dienstleister beauftragt, um Lösungen zu finden. Kostenpunkt nach damaligen Angaben der Stadt rund 10.000 Euro. Aber die daraufhin ersonnene und extra gefertigte Warnbarke wurde mehrfach einfach abgefahren. Nichts half für mehr Aufmerksamkeit im Verkehr.

Dafür stieg die mediale Aufmerksamkeit. Im Internet sammelten sich Häme und Spott: Als "Lachnummer des Jahres" wurde der Unfall-Hot Spot schon bezeichnet oder als "Weinstadts 10.000-Euro-Denkmal". Seit ein paar Jahren hat die "Transporterfalle" sogar eine eigene Facebook-Gruppe mit 1.500 Mitgliedern. Titel: "DIE Unterführung". Mehr braucht es ja auch nicht. Und wenn eine dauerhafte Lösung gegen die Unfälle immer noch nicht in Sicht ist, so schafft die "Transporterfalle" doch immerhin etwas, was vielen Orten natürlicherweise abgeht: ein Gemeinschaftsgefühl.

Spot Nummer 2: Stuttgart-Ost

Diese eine Kurve an einer Hausecke in die Neckarstraße rein im Stuttgarter Osten, direkt gegenüber vom SWR-Funkhaus, war schon mehrere Male in den vergangenen Jahren ein "Killer" für Lkw-Fahrer und -Fahrerinnen. Für viele ist diese Abbiegung einfach zu eng - und dann schrammen die tonnenschweren Gefährte an der Hausecke entlang. Oder aber die Fahrer und Fahrerinnen bleiben mit ihrem Gefährt stecken, weil es bei jedem weiteren Vor oder Zurück krachen würde. In manchen Fällen sind dann auch die Gleise der angrenzend verlaufenden Stadtbahn blockiert. Rien ne va plus, nichts geht mehr.

Region Stuttgart

Hausecken, Unterführungen, Brücken Hier bleiben Lkws hängen: Das sind die Unfall-Hot-Spots der Region

Die Polizei spricht von "Kleinstunfällen" - doch zeigen sie verkehrlich und medial Wirkung: Regelmäßig bleiben Lastwagen irgendwo hängen. Das sind drei Hotspots der Region Stuttgart.

Immerhin: Wer dann in Bus, Bahn und Auto zum Warten verdammt ist, bekommt einiges zu sehen. Manch vermeintlich Gewiefter mit kleinerem Gefährt versucht etwa, sich aus dem Stau über Gehweg und den Patio-artigen Eingangsbereich des betroffenen Gebäudes in die Neckarstraße zu schleichen. Bis ihn die Polizei stoppt - die Beamten kennen das. Und planen ohnehin schon extra Zeit ein, um mit Eselsgeduld beim Herausrangieren des Laster zu helfen. Ein Spektakel!

Spot Nummer 3: Magstadt

Eine dritte, stets beliebte Stelle für Lkws zum Hängenbleiben in der Region Stuttgart ist in Magstadt (Kreis Böblingen). Es handelt sich ebenfalls um eine Bahnunterführung, in der Schafhauser Straße. Hier ist die Durchfahrtshöhe zwar größer als bei der "Transporterfalle" in Beutelsbach. Aber 3,30 Meter sind für viele Fahrer und Fahrerinnen trotzdem zu niedrig. Sie schätzen die Höhe ihrer Ladung falsch ein - oder denken erst gar nicht dran. Und das Verkehrszeichen 253 - das runde Schild mit rotem Rand und Laster drin, findet dann auch keine Beachtung.

Laut Polizei gab es dort regelmäßig Erfassungen seit 2011 mindestens 16 Unfälle, davon allein acht in den letzten zwei Jahren. Schadenssumme insgesamt: rund 100.000 Euro, schätzt die Polizei. Meistens gibt es an der Unterführung keinen großen Schaden, weil die Lkws schon vorher an Warnbarken und anderen Begrenzungen hängen bleiben. Aber die Bergungsarbeiten sind teuer: Transportgut umladen, Luft aus den Reifen lassen, Lkw rausziehen...

Fazit: Beule, blaues Auge - aber selten ein Bußgeld

Die gute Nachricht für alle Fahrer und Fahrinnen, die mal steckenbleiben: Es droht ihnen in der Regel nichts. Denn diese Unfälle passieren ja nicht vorsätzlich und werden daher laut Polizei auch als "Kleinstunfälle" gewertet. Es bleibt also wie in Kindheitstagen: Wer stur das "Tu's bloß nicht!" ignoriert, kommt am Ende doch meist mit einem blauen Auge davon - oder einer Beule.

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Kerstin Rudat
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