Neuer Kostenrahmen bei 14,5 Milliarden Euro

Bahn-Chefin bestätigt 2031 als neuen Starttermin für Stuttgart 21 - "Fernwanderweg" für Reisende soll schneller entfallen

Bahnchefin Evelyn Palla hat nach der Sitzung des Lenkungskreises mitgeteilt, dass Stuttgart 21 im Dezember 2031 in Betrieb gehen wird. Damit bestätigt sie Recherchen des SWR.

Teilen

Stand

Von Autor/in Fabian Ziehe

Das Bahnprojekt Stuttgart 21 soll im Dezember 2031 offiziell starten. Das hat Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, am Freitagmittag am Flughafen Stuttgart bestätigt. Dort hatten sich die Bahn und Vertreter des Landes Baden-Württemberg sowie der Stadt und der Region Stuttgart im sogenannten Lenkungskreis getroffen. Palla bestätigte damit auch offiziell den neuen Termin, den zuvor schon Recherchen des SWR ergeben hatten. Auch eine erneute Kostensteigerung um drei Milliarden Euro ist nun offiziell.

Stuttgart

Aufarbeitung nach Pannen und Mehrkosten Meinung: Eine letzte Chance für Stuttgart 21

Der Stuttgarter Tiefbahnhof soll 2031 eröffnet werden. Das hat nun auch die Bahn bestätigt. Das grenzt an einen Offenbarungseid, meint Studioleiterin im SWR Studio Stuttgart, Sybille Müller.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Zeitplan für S21: Tiefbahnhof Stuttgart geht schrittweise in Betrieb

Palla stellte einen im Kern fünfstufigen Plan für die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 vor. Zunächst solle von Dezember 2027 an das sanierte historische Bahnhofsgebäude (Bonatzbau) schrittweise eröffnet werden. Dabei werde auch der bisherige umständliche Fußweg zu den Gleisen am Hauptbahnhof ("Fernwanderweg") verkürzt sowie das Bahnhofsumfeld freundlicher gestaltet. Im Dezember 2030 soll der Tiefbahnhof am Flughafen in Betrieb gehen.

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2031 dann soll der Tiefbahnhof für den Fern- und weite Teile des Regionalverkehrs in Betrieb gehen. Nur Regionalzüge aus Richtung Stuttgart-Bad Cannstatt fahren weiter oberirdisch ein. Die Gäubahn wird somit im März 2032 gekappt, der alte Hauptbahnhof geht dann im Sommer 2032 außer Betrieb. Dafür soll dann die neue S-Bahn-Stammstrecke genutzt werden. Im Dezember 2033 wird die Gäubahn dann wieder über den derzeit im Bau befindlichen Pfaffensteigtunnel und den Flughafen an S21 angebunden.

Stuttgart

Aktueller Stand des Bahnprojekts S21 Stuttgart 21: Das ist der aktuelle Stand beim Milliardenprojekt der Bahn

Immer neue Termine, Kosten und weitere Pannen: Es fällt schwer, beim Milliardenprojekt Stuttgart 21 immer den Überblick zu behalten. Wir bündeln das Wichtigste.

SWR Extra: Stuttgart 21 - Deutsche Bahn ohne Plan? SWR

Weitere Mehrkosten von drei Milliarden Euro für Stuttgart 21

Palla erneuerte zudem ihr Versprechen vom Dezember 2025: Sie will "maximale Transparenz und lückenlose Aufklärung" bieten. Allerdings: Eine Veröffentlichung des Revisionsberichts sei nicht geplant. Es handele sich dabei um "Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse", sagte sie auf SWR-Nachfrage. Die Revision habe "erhebliche Defizite festgestellt." Das werde bei der der für die Infrastruktur zuständige Bahn-Tochter DB Infrago wie auch für die Projektgesellschaft Stuttgart -Ulm (PSU) weitere strukturelle und personelle Konsequenzen haben. An der Spitze von S21 hatte es ja schon einen Führungswechsel gegeben.

Inhaltlich habe Palla zufolge die monatelange interne Revision vor allem vier Punkte offenbart, in denen massive Versäumnisse aufgedeckt wurden. So gab es klare Planungsfehler - etwa kilometerweise falsch verlegte Kabel, wie der SWR vorab schon recherchiert hat. Hinzu kommen Probleme bei der Notstromversorgung, bei der Digitalisierung und bei einem schon fertiggestellten Technikgebäude.

So lief die Pressekonferenz zur Zukunft von Stuttgart 21:

Bahnchefin: Erleichterungen für Fahrgäste und höhere Kosten

"Die Menschen haben es verdient, dass wir reinen Tisch machen", erklärte die Bahn-Chefin darüber hinaus. In der Vergangenheit habe man den Fahrgästen und den Menschen in und um Stuttgart zu viel zugemutet - man wolle künftig die Beeinträchtigungen für sie auf das notwendige Minimum reduzieren. Passagiere sollten entlastet, Baustellen gebündelt werden. Bei unvermeidlichen Sperrungen verspricht Palla ein ganzes Bündel an Verbesserungen für den Schienenersatzverkehr (SEV): mehr Busse, einen Probebetrieb vorab, bessere Infos für die Fahrgäste, mehr Busse, gut ausgestattetet Ersatzhaltestellen und eine bessere Wegeleitung.

Palla bestätigte zudem, dass die Kosten für Stuttgart 21 erneut um 3 Milliarden Euro auf nun 14,5 Milliarden Euro als neuer Finanzierungsrahmen steigen - das hatten zuvor auch SWR-Recherchen ergeben. Diese Mehrkosten muss die Bahn alleine tragen. Alle Kosten für Neben-Projekte eingerechnet kommen der neue Bahnknoten Stuttgart und die Neubaustrecke Wendlingen - Ulm somit auf mindestens 25,4 Milliarden Euro.

Özdemir fordert Realisierung aller Bestandteile von Stuttgart 21

Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) formulierte gegenüber Bahnchefin Palla drei Forderungen: eine vollständige Realisierung aller Bestandteile von Stuttgart 21 inklusive Pfaffensteigtunnel und vollständiger Digitalisierung. Eine neue Kommunikationskultur - "frühzeitig, umfassend und ehrlich". Und eine Reduzierung der Belastung für Fahrgäste und Bevölkerung. "Wir setzen alles darauf, das Projekt zum Gelingen zu bringen", betonte er - und verwies trotzdem darauf, dass er in der Entstehungszeit des Projekts Stuttgart 21 immer abgelehnt habe. "Jetzt man eben das Beste daraus machen."

Der Stuttgarter OB Frank Nopper (CDU) erklärte, dass die Stadt der neue Bahnchefin und ihrer Neuausrichtung vertraue - allerdings wolle man eng und kritisch die Fortschritte von S21 beobachten. Eine "bittere Pille" seien die erneuten Verzögerungen für das neuen Rosenstein-Quartier. Rainer Wieland (CDU) als Chef der Region Stuttgart forderte mehr Fokus auf den S-Bahn-Betrieb und die Gäubahn ein. Unterbrechungen sollten so kurz wie möglich gehalten werden, man müsse um jede Woche und um jeden Monat ringen. Die Bahn solle zudem in eine "präventive Instandhaltung" übergehen - Infrastruktur wie Weichen sollten ersetzt werden, bevor sie ausfallen.

Stuttgart

S21-Eröffnung erst 2031 Recherche des SWR: Bahn hat bei Stuttgart 21 kilometerweise falsche Kabel verlegt

Um den Eröffnungstermin von S21 zu halten, hat die Bahn in der Hektik falsche Kabel verlegt - und kann nun erst 2031 den Bahnhof in Betrieb nehmen. Hinzu kommen weitere Gründe.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Stuttgart

Aktueller Stand des Bahnprojekts S21 Stuttgart 21: Das ist der aktuelle Stand beim Milliardenprojekt der Bahn

Immer neue Termine, Kosten und weitere Pannen: Es fällt schwer, beim Milliardenprojekt Stuttgart 21 immer den Überblick zu behalten. Wir bündeln das Wichtigste.

SWR Extra: Stuttgart 21 - Deutsche Bahn ohne Plan? SWR

Stuttgart

Kopfbahnhof bis Mitte 2032 in Betrieb Stuttgart 21: Bahn plant mit einer Eröffnung des Bahnprojekts für Dezember 2031

Die Bahn peilt als neuen Termin zur Eröffnung von S21 den Dezember 2031 an. Das wurde im Umfeld des Verkehrsausschusses bekannt. SWR-Recherchen hatten erneut Baupannen aufgedeckt.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Fabian Ziehe
Fabian Ziehe

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!