Freie Lehrstellen für Kurzentschlossene

Azubi im Handwerk: Warum sich ein 17-Jähriger kurz vor Ausbildungsbeginn für eine Maurer-Lehre entschieden hat

Eigentlich wollte der 17-jährige Vedat Polizist werden, doch das hat nicht geklappt. Auf den letzten Drücker hat er sich einen anderen Ausbildungsplatz im Handwerk gesichert.

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Stand

Von Autor/in Katharina Kurtz

Der Start für die neuen Auszubildenden im Bauunternehmen Fermo in Murr (Kreis Ludwigsburg) ist ein Wohlfühltermin - auch der 17-jährige Vedat Engin ist mit dabei. Die jungen Leute sitzen in einem Besprechungsraum mit zwei Firmen-Mitarbeitenden zusammen, auf dem Tisch liegen Süßigkeiten, Begrüßungsmappen, später gibt es einen Rundgang durch die Firma, Pizza und zum Schluss Big Balls Soccer.

Erst vor rund zwei Wochen hat Vedat Engin hier ein Schnupperpraktikum gemacht, kurz danach kam die Zusage. Jetzt ist Maurer-Azubi im ersten Lehrjahr. "Eigentlich wollte ich eine Ausbildung als Polizist machen, aber das hat nicht geklappt", erzählt er. Aber auch Handwerkliches habe ihm schon immer Spaß gemacht und so sei er auf Fermo aufmerksam geworden.

Vedat Engin hat vor etwa zwei Wochen die Zusage für seine Lehrstelle bekommen. Die gute Nachricht hat ihn in seinem Urlaub erreicht.
Vedat Engin hat vor etwa zwei Wochen die Zusage für seine Lehrstelle bekommen. Die gute Nachricht hat ihn in seinem Urlaub erreicht.

Ausbildung in BW: Noch viele Lehrstellen nicht besetzt

Wie für Vedat Engin gibt es auch noch für viele andere junge Leute die Möglichkeit, kurzfristig einen Ausbildungsplatz zu bekommen - auch wenn das neue Ausbildungsjahr jetzt schon begonnen hat. In ganz Baden-Württemberg waren Ende August nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit noch rund 17.500 Lehrstellen nicht besetzt.

"Es ist in der Regel ohne Probleme möglich, noch im Laufe des Septembers einen Ausbildungsvertrag abzuschließen", erklärt Benjamin Döbel von der Agentur für Arbeit im Landkreis Esslingen. Er ist dort für die Berufsberatung junger Menschen vor dem Berufsleben zuständig.

Warum spät dran mit der Zukunftsplanung?

Seit mehreren Jahren gibt es auf dem Markt mehr Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber. "Das führt schon dazu, dass die Jugendlichen nicht mehr so den Druck verspüren, frühzeitig mit den Bewerbungen zu beginnen", so Döbel. "Auf der anderen Seite führt das aber auch dazu, dass sich Arbeitgeber zunehmend etwas einfallen lassen müssen, um die möglichst besten Jugendlichen aus dem Markt fischen zu können."

Unternehmen müssen sich ins Zeug legen

Das merkt auch die Baufirmafirma Fermo in Murr. Besonders Maurer-Azubis sind für das Unternehmen, das Massivhäuser baut, schwer zu gewinnen. Immerhin zwei junge Männer hat das Unternehmen für das neue Lehrjahr gefunden. "Wir merken, wir müssen viel mehr auf die jungen Leute zugehen", sagt Daniel Luz, Personalmanager und Ausbildungsleiter bei Fermo. Das Unternehmen sei beispielsweise auf Messen präsent und zeige, wofür Fermo stehe.

Wir legen gar nicht so viel Wert darauf, welche Noten im Zeugnis stehen. Wir wollen die Kandidaten kennenlernen.

"Ich weiß, dass Maurer ein Knochenjob ist"

Junge Menschen, die sich für eine Ausbildung bei der Murrer Baufirma interessieren, müssen vorher ein einwöchiges Praktikum dort machen. Der neue Maurer-Auszubildende Vedat Engin hat hier schon einen ersten Eindruck von seiner neuen Arbeit als Maurer bekommen. "Ich weiß, dass es ein harter Job, ein Knochenjob ist. Aber ich weiß, dass es für mich richtig ist."

Ich finde es toll, wenn man handwerklich arbeitet und am Ende sieht, was man geschaffen hat. Das ist ein gutes Gefühl.

Die neuen Auszubildenden werden bei der Baufirma Fermo in Murr (Kreis Ludwigsburg) werden begrüßt.
Die neuen Auszubildenden werden bei der Baufirma Fermo in Murr (Kreis Ludwigsburg) begrüßt.

Ein Beruf mit Zukunft ist jungen Menschen wichtig

Handwerksberufe liegen wieder mehr im Trend. Nach Zahlen der Handwerkskammer Region Stuttgart sind dieses Jahr rund fünf Prozent mehr Ausbildungsverträge in diesem Bereich abgeschlossen worden.

Das Thema Zukunftssicherheit spielt bei der Berufswahl der jungen Menschen aktuell eine zentrale Rolle, so die Erfahrung von Benjamin Döbel von der Arbeitsagentur in Esslingen. "Ich glaube, es gibt nahezu keine Frage, die bei uns in den Beratungsgesprächen gerade öfters gestellt wird, als welche Berufe oder auch welche Studiengänge Zukunft haben."

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Aktuell mehr Lehrstellen als Bewerber - aber künftig?

Döbel will junge Menschen dazu ermutigen, die Suche nach einem Ausbildungsplatz nicht schleifen zu lassen. Noch sei die Situation zwar komfortabel. Aber wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage hätten die Unternehmen dieses Jahr beispielsweise in den Kreisen Esslingen und Göppingen rund elf Prozent weniger freie Lehrstellen gemeldet. Gleichzeitig sei die Zahl der jungen Menschen, die eine Ausbildung suchen, in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben.

Der 17-jährige Vedat Engin ist überzeugt, für sich das richtige gefunden zu haben. Für die Zukunft nach der Ausbildung wünscht er sich, fest in seiner neuen Firma zu arbeiten, sich dort fortbilden und weiterentwickeln zu können. "Ich freu mich auf den Job."

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