Familien weiterhin belastet

Streit zwischen ASB und Stuttgart: Viele Kinder wieder mit Schulbegleitung, lange Übergangsphase erwartet

Seit Februar konnten Kinder mit Förderbedarf in Stuttgart nicht in die Schule. Denn die Stadt hatte dem Träger ASB gekündigt. Mittlerweile gibt es für viele Familien neue Angebote.

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Von Autor/in Olga Henich, Maxim Flößer

Die Stadt hatte eine schnelle Lösung versprochen: Anfang Februar hatte die Stadt Stuttgart den Vertrag mit dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) für die Schulbegleitung von Kindern mit Behinderungen fristlos gekündigt. Zwischenzeitlich hingen die Kinder und ihre Familien in der Luft. Nun teilt die Stadt Stuttgart mit, dass ein Großteil der Kinder mittlerweile wieder in die Schule gehen kann. Die Eltern sehen Fortschritte, allerdings seien noch etliche Themen offen.

Großteil betroffener Kinder wieder an Schulen

Mittlerweile besuchen einer Mitteilung der Stadt Stuttgart zufolge 121 der 146 betroffenen Kinder wieder den Unterricht an den Förderschulen. Viele der Einrichtungen würden sich aber noch in einer Übergangsphase befinden. Denn zunächst müssen die neuen Schulbegleiterinnen und -begleiter sich mit den Kindern und ihren Bedürfnissen vertraut machen, so die Stadt. Bis nach den Osterferien soll der Schulbetrieb wieder normal funktionieren.

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Der Bürgermeisterin für Jugend und Bildung, Isabel Fezer (FDP), zufolge ist sich die Stadt der angespannten Lage für die Familien bewusst: "Die Leidtragenden dieser Situation sind in erster Linie die betroffenen Kinder und ihre Familien - und auch die Fachkräfte, die täglich engagiert mit ihnen arbeiten. Für viele war die Versorgungsnot ein dramatischer Einschnitt in das Alltagsleben."

Gesamtelternbeirat Stuttgart: Lange Übergangsphase

Auf SWR-Anfrage betont eine Vertreterin des Gesamtelternbeirat Stuttgarts, dass entgegen den Angaben der Stadt fünfzehn Kinder mehr als von der Stadt angegeben nach wie vor zuhause bleiben müssen. Selbst mit einer neuen Schulbegleitung werde es lange dauern, bis man mit den betroffenen Kindern wieder dort ansetzen kann, wo man vor der Kündigung des Vertrags mit dem ASB war. Für einzelne Kinder sei dies selbst bis Ende des Schuljahres nicht möglich.

Betroffene Noemi geht wieder in die Schule

Eines der betroffenen Kinder war Noemi, die Tochter von Lisa Lieb. Mitte Februar hatte die Mutter aus Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) mit dem SWR über die schwierige Situation ihrer neunjährigen Tochter gesprochen. Auf SWR-Nachfrage berichtet Lisa Lieb, dass Noemi bereits seit kurz nach den Faschingsferien wieder eine Eingliederungshilfe an ihrer Seite hat. Betreut werde sie von einer FSJlerin vom Körperbehinderten-Verein Stuttgart.

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Dadurch könne die mehrfach behinderte Noemi wieder den Unterricht an der Margarete-Steiff-Schule in Stuttgart besuchen. Aktuell gehe das aber nur an drei von fünf Tagen. Denn Noemi, die unter anderem stark autistisch ist, krampfe zurzeit verstärkt, erklärt Mutter Lisa Lieb.

Hintergrund: Streit zwischen ASB und der Stadt Stuttgart

Im Februar hat die Stadt den Vertrag mit dem ASB eigenen Angaben nach wegen "schwerwiegender Verfehlungen bei den Abrechnungen" fristlos gekündigt. "Wir mussten rechtlich sauber handeln und zugleich unserer sozialen Verantwortung gerecht werden - den Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen und den Fachkräften ihre Arbeit zu sichern", hatte Bürgermeisterin Fezer im Gespräch mit dem SWR erklärt.

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Laut eigener Aussage prüft die Stadtverwaltung aktuell, inwieweit Familien für den zeitweisen Ausfall der Schulbegleitung unterstützt werden können. Eine vollständige Kompensation werde zwar nicht möglich sein. Dennoch sollen gemeinsam mit der Abteilung Stuttgarter Bildungspartnerschaft und der städtischen Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderung mögliche Unterstützungsangebote entwickelt werden.

Darüber hinaus wies das Amt für Soziales und Teilhabe darauf hin, dass Familien unter bestimmten Voraussetzungen über das sogenannte persönliche Budget kurzfristig Unterstützung beantragen können, etwa wenn Kinder zeitweise zu Hause betreut werden müssen. Die Bewilligung erfolge in der Regel schnell und unkompliziert.

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Olga Henich
Olga Henich
Maxim Flößer
Maxim Flößer ist Redakteur im SWR Studio Stuttgart

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