Zurück in einer Heimat in Trümmern

Rückkehr nach Syrien: Wie Familie Shakir nach zehn Jahren in Stuttgart den Neuanfang wagt

Zehn Jahre hat Familie Shakir in Stuttgart gelebt, nun ist sie zurück nach Syrien gezogen. Nach dem Sturz des Assad-Regimes hofft sie auf einen Neuanfang in einem Land, das in Trümmern liegt. Nach einigen Monaten zieht die Familie ein Fazit.

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Von Autor/in Kristin Becker

April 2025: Es sind die letzten Stunden für Mohammed Shakir und seine Familie in Deutschland. Nach zehn Jahren in Stuttgart-Weilimdorf packen sie ihre Koffer, um nach Syrien zurückzukehren. Auf dem Balkon raucht der Vater eine Wasserpfeife zum Abschied: "Ich danke Deutschland, es hat viel für uns getan. Aber ich vermisse meine Heimat."

Wegen des Kriegs war er aus Syrien geflüchtet. Es sei ein schönes Gefühl, nun zurück zu können, sagt der 38-Jährige. Er hofft auf einen Neunanfang - auch beruflich, denn in Stuttgart hat es mit einer Arbeit für ihn nicht geklappt.

Aus Stuttgart-Weilimdorf zurück nach Syrien - Familie kehrt nach Bürgerkrieg in Heimatland zurück

Für seine fünf Kinder ist der Abschied zwiespältig. "Ich freue mich, dass ich in mein Land zurückgehe," sagt die zwölfjährige Rimaz, "aber ich bin auch traurig, weil ich meine Tante, meine Oma und meine Freunde vermissen werde". Schwester Heba ergänzt: "Ich will Deutsch nicht vergessen."

Viele der Verwandten, die ebenfalls aus Syrien nach Deutschland geflüchtet waren, wollen erst mal bleiben. Sie sind skeptisch, ob die schnelle Rückkehr eine gute Idee ist. Der Abschied fällt allen schwer - auch weil klar ist: Wenn die Shakirs jetzt gehen, können sie erstmal nicht mehr zurück. Der deutsche Staat zahlt ihnen die Flugtickets und Starthilfe für Syrien - dafür verlieren sie ihren Aufenthaltsstatus in Deutschland.

Zerstörte Heimat: Das alte Viertel in Syrien besteht heute aus Ruinen

In Damaskus angekommen, sieht sich Mohammed Shakir einer harten Realität gegenüber. "Ich habe nicht gedacht, dass es so kaputt ist", sagt er, als er durch sein altes Viertel fährt. Das Haus, in dem er aufgewachsen ist, liegt in Trümmern.

Die Kinder, die in Deutschland geboren oder aufgewachsen sind, sehen das zum ersten Mal und sind sichtlich geschockt - auch als sie an der ausgebrannten Schule des Vaters halt machen. Gerne hätte Mohammed Shakir seine Kinder hier eingeschult. Dass das nicht geht, sagt er, "tut weh".

Mohammed Shakir fährt mit seinen Kindern auf der Rückbank durch sein altes Wohnviertel in Damaskus, Syrien.
Mohammed Shakir fährt mit seinen Kindern auf der Rückbank durch das zerstörte Viertel in Damaskus, wo er vor seiner Flucht gelebt hat.

Syrien wiederaufbauen - Hoffnung auf den Neuanfang

Die ersten Monate sind holprig. Die Kinder und seine Frau tun sich schwer, noch ist die kleine Wohnung, die der Vater ausbaut, nicht fertig. Aber er hat ein Geschäft für Metallbauteile eröffnet. Große Sprünge sind nicht drin, die Familie könne einigermaßen davon leben.

Shakirs größte Sorge bleibt die Zukunft der Kinder - und die Sicherheit im Land. Immer wieder erschüttern israelische Luftangriffe die Gegend. Und Suweida, wo es im Sommer schwere Kämpfe zwischen Drusen, Beduinen, Sicherheitskräften und islamistischen Milizen gibt, ist nicht weit weg.

Rimaz und Heba gehen inzwischen zur Schule. Noch können sie nicht gut Arabisch schreiben, aber es wird schon besser, erzählt Rimaz. Sie und ihre Geschwister vermissen die Freunde und Angehörigen, die noch in Stuttgart sind, und auch ihre alte Umgebung. Aber so langsam leben sie sich ein. "In Deutschland ist es viel schöner", erklärt Heba, "aber hier auch". Mohammed Shakir hofft, dass seine Kinder eines Tages sagen können, dass Syrien eine gute Entscheidung war. "Ich will nicht, dass sie mir vorwerfen: 'Baba, in Deutschland war es besser.' Ich versuche, dass es in Syrien genauso gut wird."

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Autor/in
Kristin Becker
Onlinefassung
Marc-Julien Heinsch
SWR-Redakteur Marc-Julien Heinsch

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