Unfall-Gefahr auf Friedhöfen

Unterwegs mit dem Grabsteinprüfer in Staufen

Es sieht ein bisschen gefährlich aus, wenn Grabsteinprüfer Klaus Stolzenberger mit seinem piepsenden Messgerät auf Friedhöfen auftaucht. Doch wo er prüft, herrscht Sicherheit.

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Stand

Von Autor/in Sandra Helmeke

Mit einem Messgerät um den Bauch geschnallt ist Klaus Stolzenberger auf Friedhöfen unterwegs. Er kontrolliert Grabsteine auf ihre Standfestigkeit, innere Risse, Frostschäden. Die Mission des Grabsteinprüfers: Wackelkandidaten rechtzeitig finden, bevor sie umkippen und womöglich Menschen verletzen. Ein besonderer Beruf an einem besonderen Ort.

Ich bin kein Geisterjäger.

Am liebsten ist Klaus Stolzenberger alleine auf dem Friedhof. In der Dämmerung früh morgens. "Dann fragt niemand, was ich da mache", erklärt er. Ob das eine Kamera sei, wollen die Leute wissen oder ob er von der GSG9 komme. "Ein Mädchen hat mich mal gefragt, ob ich ein Ghostbuster bin." Er habe lachen müssen und geantwortet: Nein, er sei kein Geisterjäger.

Grabsteinprüfer bei der Arbeit auf dem Friedhof
Grabsteinprüfer Klaus Stolzenberger bei der Arbeit

Gefahr auf dem Friedhof durch wackelige Grabsteine

Und doch bergen Grabsteine Gefahren. Vor allem nach kalten Wintern. Durch Frostschäden entstehen leicht Risse. Umfallende Grabsteine haben schon Kinder begraben oder Angehörige bei der Grabpflege verletzt. Rund 100 Unfälle passieren jährlich auf deutschen Friedhöfen. Doch einfach mit der Hand am Grabstein rütteln, um seine Standfestigkeit zu prüfen, wäre kontraproduktiv: Damit bringe man den Stein erst recht in Schwingung und mache ihn lose, erklärt Stolzenberger.

Grabsteinprüfung: Ausfallschritt, Andocken, Piep

Engagiert wird der gelernte Steinmetz von den Friedhofsträgern, Kommunen oder Kirchengemeinden. In Südbaden ist er alljährlich in Staufen, Bad Krozingen und Breisach unterwegs. Abgerechnet wird pro Grabmal, 1.000-1.500 Stück schafft Stolzenberger am Tag. Dazu geht er jedes Mal leicht in die Knie, dockt mit seinem Messgerät am Stein an. Dann drückt er das Gerät gegen den Stein, so lange bis es ein Pieps-Geräusch abgibt. Stolzenberger kann dann auf einem Display ablesen, ob der Stein stabil steht.

Grabsteine prüfen ist mein Traumberuf.

Klaus Stolzenberger liebt seine Arbeit, immerhin rettet er vielleicht sogar Leben. Pausen macht er an seinem Dienstwagen: einem Camper. Darin übernachtet er beim jeweils nächst gelegenen Campingplatz. So kann er effizient arbeiten - zwischen März und September ist er so in ganz Deutschland unterwegs. "Ich bin Saisonarbeiter wie ein Eisverkäufer" schmunzelt Stolzenberger. Als Steinmetz hat er lange mit Staub und lauten Werkzeugen gearbeitet - als Grabsteinprüfer ist er an der frischen Luft und hat Ruhe. Dazu ist das Ganze recht sportlich: "Im Schnitt laufe ich rund zwölf Kilometer am Tag. Für mich ist es ein Traumberuf!"

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Sandra Helmeke
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