50 Cent für Becher und Boxen, 20 Cent für Besteck: Wer einen Kaffee und eine Sahnetorte im Café "to go" bestellt, muss dafür wohl etwas tiefer in die Tasche greifen. Seit dem 1. Januar gilt in Freiburg die Verpackungssteuer. Auf Einwegverpackungen wird eine Extra-Gebühr fällig. So weit die Regel. Doch einige Gastronomen und Cafébetreiber würzen die neue Vorschrift auf ihre Weise nach und haben Schlupflöcher entdeckt. Ein Marktbeschicker in Freiburg säbelt sogar seine Gabeln zurecht, damit sie nicht mehr unter die Steuer fallen. Über Skurriles im vermeintlichen Verpackungsdschungel.
Gestutzte Gabeln: Marktbeschicker trickst System aus
Ein Besteck-Beispiel: Der Törtchen- und Kuchenhersteller Matthäus Wenzlik verkauft seine veganen Teilchen unter anderem auf dem Münstermarkt. Wer Besteck dazu möchte, wundert sich vielleicht: Die Holzgabeln sind plötzlich geschrumpft. Wenzlik hat - wie ein Video auf seinem Instagram-Kanal zeigt - kurzerhand zur Schere gegriffen und die Gabeln um ein paar Zentimeter gekappt. Der Grund: Für Besteck mit einer Länge von zehn Zentimetern oder weniger fällt keine Verpackungssteuer an. Die Stadt wollte hier kulant sein, damit kleine Pommes-Piekser oder Eislöffel nicht unter die Abgabe fallen. Wenzlik nutzt den Spielraum - und kommentiert die neue Regelung auf Instagram mit den Worten: "Verrückt, was gerade in Freiburg passiert".
Freiburgs Umweltschutzamtschef zweifelt nicht an Verpackungssteuer
Wie kommen solche skurrilen Sonderfälle bei demjenigen an, der die Verpackungssteuer auf Grundlage eines Gemeinderatsbeschlusses umgesetzt hat? Klaus von Zahn, Leiter des Freiburger Umweltschutzamtes, bleibt gelassen: "Auch wenn ich absurde Einzelfälle finde, stellt das eine Regelung nicht grundsätzlich infrage", sagt er. Aus gutem Grund sei die Verpackungssteuer eingeführt worden, betont von Zahn.
Ausgangspunkt ist, dass allein in Freiburg jeden Tag rund 20.000 Coffee-to-go-Becher verwendet - und anschließend weggeworfen - werden.
Wegen Verpackungssteuer: Cafébetreiber hat Produkte aus Sortiment genommen
Tim Cordell, der im Freiburger Osten ein Café betreibt, empfindet die neuen Vorschriften als kompliziert. Er ruft seine Kundinnen und Kunden dazu auf, eigenes Geschirr mitzubringen, wenn sie Speisen oder Getränke zum Mitnehmen bestellen.
Dabei müssen beispielsweise Ciabatta-Baguettes in kleine Tupperdosen gezwängt werden. So umgeht Cordell die Verpackungssteuer - und setzt zugleich auf Mehrweg statt Einweg.
Ich bin absolut für Mehrweg, wo es Sinn macht, wo es Alternativen gibt [...]. Wo es keine Alternativen gibt, eine Steuer einzuführen, nur, damit es eine Steuer gibt, ist leider der falsche Weg.
Würde Cordell die Verpackungssteuer auf sein gesamtes Sortiment umlegen, müsste er nach eigenen Angaben seine Kasse neu programmieren. Schon bei einem einfachen Cappuccino variiert regulär die Mehrwertsteuer: Mit Hafermilch fallen 19 Prozent an, mit Kuhmilch nur sieben Prozent - denn Kuhmilch gilt in Deutschland als Grundnahrungsmittel. Kommt dann noch die Verpackungssteuer für den Einwegbecher hinzu, wird es schnell unübersichtlich. Für Tim Cordell ist das ein zu hoher bürokratischer Aufwand. "Wir nutzen die Verpackungssteuer gar nicht, beziehungsweise wenden sie nicht an. Wir haben unsere Produkte angepasst oder verkaufen manche Produkte nicht mehr", erklärt er. Warme Speisen, die sich nicht in Mehrwegbehältern ausgeben lassen, sind deshalb ganz aus dem Sortiment geflogen.
Keine Verpackungssteuer auf Essen in "doggy bags"
Kurioserweise fallen nicht alle Einwegverpackungen unter die Steuer. Wer sein Essen im Restaurant beispielsweise nicht ganz schafft, darf die Reste unbesteuert in einem Einwegbehältnis, einer sogenannten "doggy bag", mit nach Hause nehmen. Die Regelungen eröffnen damit sowohl Kundinnen und Kunden als auch Gastronomen einige Schlupflöcher. Cafébetreiber Cordell beschreibt ein Beispiel: "Was Sie natürlich immer machen können: Sie bestellen sich etwas für hier, beißen ein paar Mal ab und sagen dann: So, jetzt bin ich satt - kann ich den Rest zum Mitnehmen haben? Dann ist das Essen immer noch warm, kostet aber keine Steuer."
Verpackungssteuer schon in Tübingen und Konstanz
Freiburg folgt mit der Verpackungssteuer dem Vorreiter Tübingen - die Kommune hatte die Abgabe Anfang 2022 eingeführt. Eine Bilanz zeigt: Allein im Jahr 2022 nahm die Stadt rund 950.000 Euro ein.
Vollere Stadtkassen und weniger Müll - auch in Konstanz gilt seit 2025 eine Verpackungssteuer auf Einweggeschirr und -besteck. Die Stadt zieht eine positive Bilanz: Der Abfall, der in öffentlichen Mülleimern oder daneben landet, ist im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent gesunken. Mittelfristig rechnet Konstanz mit Einnahmen von rund 600.000 Euro pro Jahr.
Für Freiburg sind für das kommende Jahr Einnahmen von 2,2 Millionen Euro veranschlagt.