Bürgermeister "blutet das Herz"

Freiburgs Spagat zwischen Israel und Iran - Städtepartnerschaften in Kriegszeiten

Freiburgs Partnerstädte Isfahan und Tel Aviv sind im Krieg. Wie geht die Stadt damit um? Sie setzt auf Menschlichkeit statt Schwarz-Weiß-Denken und bietet beiden Seiten Hilfe an.

Teilen

Stand

Von Autor/in Kiara Roller, Christian Susanka

Vor dem Freiburger Rathaus sind die Wappen von Isfahan und Tel Aviv ganz nah beieinander in den Boden eingelassen. Doch der Konflikt zwischen Iran und Israel stellt die Freundschaft mit den beiden Städten auf eine harte Probe. "Uns blutet das Herz", sagt Freiburgs Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach (SPD) mit Blick auf die Kriegsverwicklung der beiden Partnerstädte. Er hofft auf erfolgreiche diplomatische Vermittlungen und betont zugleich, dass Freiburg weiterhin bemüht ist, "über alle Kanäle den Kontakt zu beiden Städten zu halten".

Freiburg bietet beiden Partnerstädten Hilfe an

Freiburg ist die einzige Stadt, die Partnerschaften und Freundschaften sowohl in den Iran als auch nach Israel pflegt. Mit Tel Aviv verbindet die Stadt eine aktive Partnerschaft, mit Isfahan gibt es Verbindungen über einen Freundeskreis. In beiden Städten leidet die Zivilbevölkerung unter den Angriffen der anderen. 

Gerade in solchen Zeiten sei es umso wichtiger, als Partnerstädte zusammenzuhalten und vom typischen Schwarz-Weiß-Denken wegzukommen, meint von Kirchbach. Entscheidend sei es, das eigentliche Ziel im Auge zu behalten: die Menschen. "Ein Menschenleben ist ein Menschenleben, da kann man nicht differenzieren und kann sagen, das eine ist mehr wert als das andere", verdeutlicht Freiburgs Erster Bürgermeister. Die Stadt Freiburg sei bereit, die Partnerstädte bei Hilfeleistungen zu unterstützen.  

Ausgeprägte Städtepartnerschaft zu Tel Aviv

Zu Tel Aviv besteht laut von Kirchbach ein ausgeprägter E-Mail- sowie Brief-Verkehr. Erst am Dienstag wurde ein Schreiben an den Bürgermeister von Tel Aviv verfasst, in dem Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) sein Mitgefühl und seine Solidarität angesichts der jüngsten Angriffe aussprach.

In der Vergangenheit haben Freiburg und Tel Aviv ihre seit 2015 bestehende Städtepartnerschaft nicht nur betont, sondern auch konkret gelebt: durch regelmäßigen Fachaustausch bei Stadtplanung, Verkehrskonzeption oder Umweltschutz. Außerdem wurde 2012 eine Absichtserklärung unterzeichnet, um eine intensive Zusammenarbeit in den Bereichen Klimaschutz, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit zu erreichen.

Das Wappen der israelischen Stadt Tel Aviv vor dem Freiburger Rathaus
Die israelische Stadt Tel Aviv ist seit 2015 Freiburger Partnerstadt.

Partnerschaft mit Isfahan liegt seit zwei Jahren auf Eis

Der Austausch mit Isfahan sei hingegen schwieriger. Die Partnerschaft besteht seit dem Jahr 2000, wurde allerdings 2023 aus politischen Gründen auf Eis gelegt. Der Kontakt laufe über zivilgesellschaftliche Organisationen, wie zum Beispiel den Freundeskreis Freiburg-Isfahan. Dessen Vorsitzende Fatima Chahin-Dörflinger spricht von großer Angst, die in Isfahan seit Tagen herrsche und die sie über ihre private Netzwerke mitbekomme.

Den Menschen geht es nicht gut, weil die Angriffe alltäglich sind, auch in der Nacht.

Sorgen, Ängste und Unsicherheiten gehörten zum Tagesprogramm. Im Gespräch mit dem SWR berichtet Chahin-Dörflinger von Hoffnungslosigkeit und Erschöpfung. Auch die Arbeit des Freundeskreises werde durch den Krieg zurückgeworfen. Eine eigentlich für September geplante Reise wurde abgesagt - genauso wie Projekte, die der Freundeskreis für den Sommer angedacht hatte.

"Uns sind die Hände mehr oder minder gebunden. Wir wissen nicht, in welcher Weise wir reagieren können. Außer, dass wir sagen können: Wir haben euch nicht vergessen", sagt Chahin-Dörflinger. Sie wünsche sich, dass "die kriegerischen Handlungen möglichst bald eingestellt werden."

Beispiel Lviv: So wertvoll kann eine Städtepartnerschaft sein

Was eine Städtepartnerschaft auch in Krisen- und Kriegszeiten leisten und wie wertvoll das sein kann, zeigt das Beispiel Lviv in der Ukraine - ebenfalls eine Freiburger Partnerstadt. Mit Geldern aus Freiburg wird in Lviv unter anderem ein Traumazentrum aufgebaut, in dem Kriegsversehrte und Traumatisierte aus der ganzen Ukraine behandelt werden sollen.

Naher Osten

Nahost-Experte Richard C. Schneider | 24.6.2025 Israel und Iran: droht ein Flächenbrand in Nahost?

Als langjähriger ARD-Korrespondent kennt Richard C. Schneider die Lage im Nahen Osten bestens. Wie wird sich der Krieg zwischen Israel und Iran entwickeln, droht ein Flächenbrand?

Leute SWR1 Baden-Württemberg

Tübingen

Erfahrungen bei Kriegsausbruch zwischen Israel und Iran Interview mit Tübinger Landrat Walter: "Plötzlich waren wir im Krieg"

Der Tübinger Landrat Walter war auf Dienstreise in Israel. Plötzlich griff das Land den Iran an - und er war im Kriegsgebiet. Was hat er erlebt? Und wie ist er nach Hause gekommen?

Stuttgart

Eskalation in Nahost Krieg mit Israel: Menschen in BW sorgen sich um Angehörige im Iran

Seit dem Angriff Israels auf den Iran sind die beiden Länder im Krieg. Welche Folgen hat das für Menschen mit iranischer Verwandtschaft in der Region Stuttgart, was sind ihre größten Ängste - und Hoffnungen?

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg