Tourismus neu denken und damit attraktiver machen - indem ganze Dörfer zum Gastgeber werden. Das dezentrale Konzept hat in Italien längst Erfolge erzielt. Jetzt soll es auch im Schwarzwald ein Modellprojekt dazu geben. Fünf Gemeinden machen den Start.
Tourismus im Schwarzwald geht neue Wege: Welche Dörfer sind dabei?
Das Interesse an dem neuen Marketing-Konzept war groß, sagt die Schwarzwald Tourismus GmbH. Fünf Dörfer haben es in geschafft: Klosterreichenbach (Kreis Freudenstadt), Nöggenschwiel (Kreis Waldshut), Oberharmersbach (Ortenaukreis), Prinzbach (Ortenaukreis) und Schiltach (Kreis Rottweil). Sie sind die fünf Modell-Dörfer, in denen das Modellprojekt umgesetzt werden soll.
Ein Dorf als Hotel: Wie funktioniert das?
Das Projekt mit dem Titel "Schwarzwald.Dorf.Hotel" funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Gäste übernachten in verschiedenen Zimmern oder Ferienwohnungen, die sich über den gesamten Ort verteilen. Für alles andere gibt es das Dorf. Beim Bäcker gibt es das Frühstück, das Abendessen wird im Dorfgasthaus serviert. Der Dorfplatz könnte die Hotellobby sein, wo man als Gast Fragen stellen kann.
Das ist die Idee. Ziel sei es, Touristen mit den Einheimischen in Kontakt zu bringen und das Dorfleben erlebbar zu machen, so die Schwarzwald-Tourismus GmbH. Im Idealfall wird dadurch auch das öffentliche Leben in den Dörfern selbst verstärkt.
Italienisches Vorbild für Dörfer im Schwarzwald: Woher kommt die Idee?
Das Konzept des "verstreuten Hotels", des "Albergo Diffuso", stammt aus Italien. Dort wurde es in zahlreichen verlassenen Bergdörfern erfolgreich umgesetzt.
Mehr Leben für kleine Orte Neues Tourismus-Konzept im Schwarzwald: Welches Dorf will Hotel werden?
Kleine Unterkünfte und Frühstück beim Bäcker statt Hotelzimmer mit Buffet: Ein Konzept aus Italien soll jetzt im Schwarzwald eingeführt werden. Und mehrere Probleme lösen.
Im Schwarzwald wird die Idee an die hiesigen Gegebenheiten angepasst. "Wir haben keine verlassenen Orte, aber viele Gemeinden stehen vor strukturellen Herausforderungen", sagt Heide Glasstetter, Projektleiterin der Schwarzwald Tourismus GmbH. Durch das Projekt sollen leerstehende Gebäude wieder belebt werden. Zudem hofft man auf Investitionen und darauf, dass in den Orten neue Netzwerke entstehen.
Neue Perspektive für den Tourismus: Wie sieht die Umsetzung aus?
Die fünf Modellorte werden von der Schwarzwald Tourismus GmbH beraten und von einer privaten Agentur fachlich begleitet. Jede Gemeinde soll einen eigenen Plan für die Umsetzung erarbeiten. Er soll Kostenschätzungen, Maßnahmen und Zuständigkeiten enthalten. Das Projekt wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördert. Ende des Jahres sollen erste konkrete Konzepte vorliegen.