Es ist wieder so weit: Die Uhren werden in der Nacht zum Sonntag auf Sommerzeit umgestellt - eine Stunde vor, von zwei auf drei Uhr. Damit bleibt es abends wieder länger hell. Durch die Zeitumstellung kann unsere innere Uhr kurzfristig durcheinander kommen.
Generell ist die Zeit schon ein merkwürdiges Phänomen. Mal vergeht sie gefühlt schneller, mal langsamer. Schneller vor allem dann, wenn wir älter werden. "Ich mache nach wie vor Dinge, die ich vorher auch gemacht habe und stelle fest, dass hinterher die Zeit schneller um war", sagt Rentner Klaus Rapp. Und tatsächlich ist genau das sogar wissenschaftlich belegt.
Gründe, wieso die Zeit zu rasen scheint
Marc Wittmann forscht seit 30 Jahren zur Zeit. Er arbeitet als Psychologe und Neurowissenschaftler am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg. Wittmann weiß: Es ist nicht nur bloße Einbildung, dass die Zeit schneller zu vergehen scheint, je älter wir werden. Dieses Zeit-Phänomen liege an zwei Faktoren: Routine und Abfall der kognitiven Fähigkeiten.
Das Gedächtnis ist der entscheidende Faktor für die Zeitwahrnehmung.
Die Routine im Leben
Die Zeit rast gefühlt im Alter, weil wir immer routinierter werden in unserem Leben, erklärt Marc Wittmann. "Unser Gefühl für den Zeitverlauf über längere Zeiträume, wie zum Beispiel zehn Jahre, hängt von unseren Gedächtnisinhalten ab." In der Jugend sei alles neu gewesen, doch irgendwann passiere nicht mehr so viel Neues, sagt Wittmann. "Dann muss auch nicht viel besonders abgespeichert werden im Gedächtnis - und das beschleunigt die Zeit."
Das Gedächtnis lässt im Alter nach
Der andere Faktor sei ein bisschen trauriger, denn er habe etwas mit dem Abfall der kognitiven Fähigkeiten im Alter zu tun, sagt der Neurowissenschaftler. Bedeutet: die Gedächtnisleistung. Mit etwa 30 Jahren sei der Höhepunkt erreicht, an dem das Gedächtnis am besten funktioniere. "Aber dann fällt es langsam ab. Das heißt, wir können gar nicht mehr so viel aufnehmen wie in der Jugend", erklärt Marc Wittmann.
Wie man das Zeitgefühl beeinflussen kann
Doch wir sind der rasenden Zeit nicht einfach so ausgeliefert. Psychologe und Neurowissenschaftler Marc Wittmann hat konkrete Tipps, was man dagegen tun kann. "Je mehr Neues, Kreatives und Interessantes wir erleben, desto länger kommt uns ein Zeitraum vor", sagt er. Beispiel: Ein verlängertes Wochenende mit Freunden in Rom. Obwohl es nur ein paar Tage waren, kommt es einem oft viel länger vor.
[Wir sollten] nicht immer dieselben Dinge tun.
Auch wenn man zum Beispiel am Bahnhof auf einen Zug wartet, dehnt sich die Zeit. Warum? "Weil ich mich selbst ganz besonders bemerke. Das zeigt sich auch in neurowissenschaftlichen Studien, dass das Organ im Gehirn, das für die Körperwahrnehmung zuständig ist, auch für die Zeitwahrnehmung zuständig ist", sagt Marc Wittmann. Möchte man in solchen Momenten erreichen, dass die Zeit schneller vergeht, dann am besten von sich selbst ablenken, empfiehlt er.
Zeitumstellung 2026: Warum gibt es Sommerzeit und Winterzeit?
Am 29. März beginnt 2026 die Sommerzeit. Wozu gibt es die Zeitumstellung, warum ist die Sommerzeit nicht die "richtige" Zeit und was macht das mit uns, wenn die Uhr umgestellt wird?
Und wie sieht es mit der Zeitumstellung aus?
Werden die Uhren umgestellt, so wie jetzt am Wochenende, komme unsere innere Uhr durcheinander, sagt Wittmann. Die gute Nachricht: "Es dauert nur einen Tag, bis wir uns wieder sozusagen angepasst haben." Marc Wittmann vergleicht das mit einem Jetlag. Da gelte die Faustregel: Für jede Stunde Jetlag bräuchten wir einen Tag, um uns wieder zu adaptieren. "Also ganz so schlimm ist es nicht", sagt er.
Diese Belastung hätten wir wahrscheinlich nach jedem Wochenende, weil da würden wir auch aus unserem Rhythmus kommen, so Wittmann. Wir bleiben länger wach, schlafen länger. Fängt dann die neue Arbeitswoche an, sei unser innerer Rhythmus auch erstmal ein bisschen durcheinander. "Deswegen sind wir das eigentlich jede Woche gewohnt", sagt der Psychologe und Neurowissenschaftler.