Die anhaltende Trockenheit setzt den Landwirten in der Region zu: harte Böden, kleinere Ernten, mehr Unkraut. Bei jeder Bodenbearbeitung verliert die Erde Wasser. Da setzt ein Praxisversuch in St. Johann (Kreis Reutlingen) an: Durch die Aussaat mit Drohnen muss der Boden vor dem Anbau von sogenannten Zwischenfrüchten nicht mehr gepflügt werden.
Kann die Methode helfen Diesel, Arbeitszeit und Wasser einzusparen?
Agrardrohnen teilweise in Nutzung
Die Ausbringung von Saatgut mit Drohnen ist neu. Agrardrohnen sind zwar in Bereichen wie Schädlingsbekämpfung und Vermessung bereits gang und gäbe. Auch in Weinbergen kommen die Fluggeräte immer häufiger zum Einsatz. Die Aussaat mit Drohnen ist aber in der Praxis kaum etabliert. Der Versuch in St. Johann soll testen, ob die neuartige Technik effektiver ist, als die herkömmlichen Methoden, erklärt Patrick Schmelcher vom Kreislandwirtschaftsamt Reutlingen.
Es sind viele Chancen, die sich aus der Drohnentechnik ergeben. Sie ist energetisch, technisch und arbeitstechnisch sehr effizient.
Zwischenfrüchte schützen vor Trockenheit
Getestet wird das Säen von sogenannten Zwischenfrüchten. Die werden normalerweise zwischen Hauptkulturen wie Winterweizen und Sommergerste angebaut, um die Biodiversität zu fördern. Die Zwischenfrucht soll den Boden übergangsweise schützen und seine Struktur verbessern, Unkraut verhindern und Nährstoffe binden.
Denn gerade leere Felder sind von Trockenheit betroffen. In bestimmten Bereichen ist der Anbau von Zwischenfrüchten sogar verpflichtend, beispielsweise in Wasserschutzgebieten mit Nitratbelastung.
Aussaat der Zwischenfrucht noch vor der Ernte
Traditionell wird das nach der Ernte der Hauptfrucht gemacht. Auf dem Versuchsfeld in St. Johann ist es die Sommergerste. Das Aufbrechen des Bodens mit Maschinen kann aber dazu führen, dass der Boden weiter austrocknet.
Mit der Drohne kann die Zwischenfrucht direkt, also noch vor der Ernte, in die stehende Sommergerste gesät werden. Der Vorteil: Die Restfeuchte der Erde wird genutzt. Die Zwischenfrüchte können mit der letzten Feuchte keimen, bevor die Sonne direkt auf den nackten Boden trifft. Bei der Ernte der Hauptfrucht sind die Zwischenfrüchte noch so niedrig, dass sie nicht in die Maschinen geraten.
Drohne spart Zeit und Aufwand
Marcel und Oliver Krug von der Firma K-Drones betreuen den Versuch in St. Johann. Sie sagen: In einer Stunde kann ihr Fluggerät bis zu 10 Hektar bearbeiten (etwa 14 Fußballfelder). Die Dienstleistung inklusive Saatgut koste rund 140 bis 150 Euro je Hektar. Davon können etwa 100 Euro als Förderung durch das Land übernommen werden.
Demgegenüber steht die klassische Landwirtschaft mit mehreren Überfahrten, vielen Litern Diesel und hoher Arbeitszeit. Ein Ziel der Förderung ist es, die Effizienz der Drohnen stärker zu nutzen, um Zwischenfrüchte auch unter schwierigen Rahmenbedingungen etablieren zu können. Ob die Ausbringung mit der Drohne langfristig günstiger ist, wird noch getestet, so Schmelcher.
Drohnen: Zukunft für Landwirte?
Viele der anwesenden Landwirte zeigen Interesse an der Drohnentechnik. "Ich sehe hier ziemlich Potenzial für die Zukunft und habe vor, das zu testen", erklärt Bernfried Häfner. Er hat mehrere kleine Grundstücke - da sei es ein Vorteil, dass man sie durch Drohnen schnell und rationell bearbeiten könne, so Häfner. Andere aus der Runde halten das erst bei größeren Betrieben für lohnenswert.
Erste Erfahrungen sprechen dafür, dass die Aussaat aus der Luft hilft, die knappe Restfeuchte im Boden besser zu nutzen und dabei Überfahrten und Arbeitszeit einzusparen. Das zeigen zum Beispiel Versuche der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
Gleichzeitig ist die Technik noch wenig erprobt und kaum verbreitet. Ob sie sich in unterschiedlichen Jahren, Kulturen und Betriebsgrößen durchsetzt und wirtschaftlich trägt, müssen Praxisversuche wie in St. Johann erst noch zeigen.