Erleichterung in Alpirsbach (Kreis Freudenstadt): Der 6.200-Einwohner Ort hat ein neues Stadtoberhaupt. Die 34 Jahre alte Wirtschaftsingenieurin Vanessa Schmidt hat am Sonntag die Stichwahl mit 87 Prozent gewonnen. Die Wahlbeteiligung lag bei 37 Prozent. Schmidt stand als einzige offizielle Kandidatin auf dem Stimmzettel - zusätzlich gab es eine leere Zeile für handschriftliche Vorschläge. Die Wirtschaftsingenieurin hatte bereits bei der ersten Wahl die meisten Stimmen erhalten, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Nun reichte die einfache Mehrheit.
Vanessa Schmidt, die in Heilbronn lebt, aber aus der Region stammt, hat bereits zwei Mal für den Gemeinderat und Kreistag in Freudenstadt kandidiert - sie wurde aber nicht gewählt. Sie war im SPD-Ortsverein und -Kreisverband Freudenstadt in diversen Vorstandspositionen aktiv. Bei ihrem früheren Arbeitgeber war Schmidt Betriebsratsvorsitzende. Vor der Wahl hat sie angekündigt, sich für den Bereich Bildung und Betreuung einzusetzen. Außerdem will sie die Verwaltung optimieren und die Digitalisierung vorantreiben.
Ungewöhnlicher Wahlverlauf in Alpirsbach
Der Weg zur Entscheidung sorgte im Vorfeld für viele Schlagzeilen. Bei der Wahl Mitte Juni holte Vanessa Schmidt 49 Prozent der Stimmen - zu wenig für einen Sieg im ersten Wahlgang. Überraschend viele Stimmen, 42 Prozent, entfielen auf Amtsverwalter Norbert Beck. Der hatte aber gar nicht kandidiert, sondern wurde handschriftlich von den Wählerinnen und Wählern in die leere Zeile eingetragen. Beck verzichtete jedoch auf eine Kandidatur bei der Stichwahl, aus persönlichen Gründen. Er sei nicht mehr der Jüngste und wolle mehr Zeit für die Familie, sagte er dem SWR.
Zweiter Wahlgang mit Vanessa Schmidt als einzige Kandidatin
Nach dem Verzicht von Beck blieb Vanessa Schmidt als einzige Bewerberin für den zweiten Wahlgang übrig. Damit konnten die Wählerinnen und Wähler am Sonntag nur zwischen ihrem Namen und erneut einem handschriftlichen Vorschlag in der leeren Zeile entscheiden. 12 Prozent der Wählerinnen und Wähler hatten erneut die freie Zeile ausgefüllt.
Erste Wahl für ungültig erklärt
Die Wahl hatte bereits im Vorfeld für viel Gesprächsstoff gesorgt. Das Landratsamt Freudenstadt hatte die Wahl Sven Christmanns 2024 wegen Wählertäuschung annulliert. Der Polizist hatte im Wahlkampf verschwiegen, dass gegen ihn wegen Bestechlichkeit ermittelt wurde und er deshalb freigestellt war.