Ähnlicher Zustand wie Carolabrücke in Dresden

Die marode Hirschauer Brücke und der Unmut im Dorf

Der Zustand der Brücke sei vergleichbar mit der Carolabrücke in Dresden, so das Regierungspräsidium. Der geplante Brücken-Neubau wühlt die Menschen in Tübingen-Hirschau auf.

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Von Autor/in Florian Dürr

Bei einer Infoveranstaltung am Dienstagabend im vollbesetzten Hirschauer Feuerwehrhaus geht es um die marode Brücke über den Neckar auf der Landesstraße zwischen Tübingen und dem Stadtteil Hirschau. "Die Brücke ist in einem sehr schlechten Zustand, richtig schlecht", betont Harald Böttiger vom Regierungspräsidium Tübingen. Ursache ist die sogenannte Spannungsrisskorrosion, feine Risse im Stahl, die die Tragfähigkeit der Brücke beeinträchtigen. Der aktuelle Zustand sei gar vergleichbar mit dem der Carolabrücke in Dresden, warnt Böttiger. Jene ist im Jahr 2024 plötzlich eingestürzt.

Bis zum Baustart alte Brücke mit Stahlkonstruktion verstärken

Ein solches Szenario will das Regierungspräsidium Tübingen unbedingt verhindern. Laut Statiker halte das Bauwerk im jetzigen Zustand nur noch bis August durch. Deshalb soll bis zum Neubau eine zusätzliche Stahlkonstruktion die Brücke stützen - für mehr als eine Million Euro. Der Baustart ist dann für Juni 2027 geplant, Kostenprognose: rund acht Millionen Euro. Für Hirschau bedeutet das ab diesem Zeitpunkt: Mindestens ein Jahr Vollsperrung der schnellsten Verbindung nach Tübingen.

Wegen geplanter Vollsperrung befürchten Geschäfte Umsatzeinbußen

Seit Monaten sorgt das für Unmut in dem Ort. Den bekommt auch Ortsvorsteher Norbert Schnitzler zu spüren. "In letzter Zeit sind die Diskussionen in Hirschau bisschen hochgekocht. Es wurden viele falsche Behauptungen und Vorwürfe an den Ortschaftsrat herangetragen", berichtet er. Die Vorwürfe: Schnitzler und seine Kollegen seien untätig, wehren sich zu wenig gegen das Vorgehen des Regierungspräsidiums und würden sich generell zu wenig für den Ort und seine Interessen einsetzen.

Ein Mann vom Regierungspräsidium erklärt mit einer Präsentation den aktuellen Stand beim geplanten Neubau der maroden Hirschauer Brücke.
Harald Böttiger vom Regierungspräsidium Tübingen informiert Hirschauer Bürger im voll besetzten Feuerwehr-Haus über den aktuellen Stand beim geplanten Neubau der maroden Brücke über den Neckar.

Auch deshalb hat er das Regierungspräsidium erneut eingeladen, seit dem letzten Infotermin im Oktober des vergangenen Jahres hat sich die Stimmung nochmal verschlechtert. Ein Geraune geht durch den Raum, als Schnitzler die neuen Buszeiten verkündet: Während der einjährigen Vollsperrung brauchen die Hirschauer dann mehr als eine halbe Stunde in die Innenstadt - statt vorher weniger als zehn Minuten. Hintergrund ist die Umleitung der Busse über Rottenburg.

Hirschauer fordern immer wieder eine Ersatz-Brücke

"Hirschau wird komplett abgeschnitten", klagt eine Frau. Große Sorgen machen sich die Hirschauer auch um die Geschäfte im Ort. Buchladen, Metzger, Apotheke - "die haben sowieso zu kämpfen und werden es sehr schwer haben. Wenn die eingehen, leidet der ganze Ort", sagt ein Mann.

Viele Hirschauer wünschen sich eine Ersatzbrücke während der Bauzeit. Der erteilt das Regierungspräsidium aber eine Absage: Zu teuer, zu aufwendig, zu große Eingriffe in die Natur, argumentiert der RP-Projektleiter Böttiger. Wirklich befriedigend sind die Antworten für die anwesenden Hirschauer nicht. "Die vorgetragenen Argumente überzeugen die Bürger nicht", sagt im Anschluss ein Mann enttäuscht.

Unterschriftenliste übergeben

Und ein Hirschauer macht den Anwesenden vom Regierungspräsidium deutlich: "Wir wollen einfach schnell eine neue Brücke." Zum Schluss übergibt die Blumenhändlerin aus dem Ort den Verantwortlichen des Regierungspräsidiums eine Unterschriftenliste, auf der mehr als 1.000 Hirschauer gegen einen "unnötig langen Neubau" unterschrieben haben. Mit Blick auf die Folgen der Vollsperrung sagt sie: "Mir hend alle Bauchweh mit dieser Gschichte."

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Autor/in
Florian Dürr
Der Mitarbeiter des SWR Studio Tübingen Florian Dürr

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