Vor ein paar Tagen hat Katja Weiger-Schick (SPD) in ihr verkohltes Gesicht geblickt. Unbekannte haben zwei ihrer Wahlplakate in Albstadt (Zollernalbkreis) angezündet. Die Überreste liegen jetzt in ihrer Garage. "Das hat mir wirklich zugesetzt", sagt die Balinger Landtagskandidatin. Nicht nur Weiger-Schicks Konterfei hat gebrannt, auch das von Landtagskandidaten anderer Parteien.
Zerstörte Plakate gehören zum Alltag vor einer Wahl
"Das Phänomen des Vandalismus beziehungsweise der Sachbeschädigungen an Wahlplakaten verzeichnen wir regelmäßig vor Wahlen und es betrifft nahezu alle Parteien", heißt es von der Polizei Reutlingen.
Kommunalpolitikerin zeigt immer wieder Vorfälle an
Zerstörte Plakate - vor Wahlen mittlerweile quasi Alltag. Das ist auch Katja Weiger-Schick bewusst, auch wenn es ihr nicht gefällt. Sie hat schon häufiger Anzeige erstattet - und nicht nur wegen der Plakate. Seit gut zwei Jahren ist die Kommunalpolitikerin der SPD immer wieder mit der Polizei im Gespräch. Sie fühlt sich und ihre Familie bedroht.
Fremde im Garten, Gülle am Wohnhaus
Nach einer politischen Entscheidung in der Kommunalpolitik sei mehrfach ein auffälliges Auto vor ihrem Wohnhaus und an anderen Orten, an denen sie und Familienmitglieder sich aufhielten, aufgetaucht. Ein Fremder habe plötzlich im Garten der Familie gestanden. "Und er sah nicht aus, als sei er zum Kaffee da", erzählt Weiger-Schick. Die Familie habe Gülle an der Hauswand gehabt, es gab anonyme Telefonanrufe und anonyme Briefe. "Und noch andere Vorkommnisse", sagt die SPD-Politikerin, die als Journalistin arbeitet. Sie wolle nicht alles öffentlich machen. Vor allem weil es nicht ausschließlich um sie in ihrer Funktion als Landtagskandidatin und Kommunalpolitikerin gehe, sondern um die Familie.
Oft an der Grenze zum Strafbaren
Bei der Polizei Reutlingen läuft unter anderem ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Sachbeschädigung gegen Unbekannt. Bei vielen der Situationen, die Weiger-Schick beschreibt, handelt es sich um ein Verhalten, das nicht unbedingt strafbar ist. Oftmals bewegt es sich an der Grenze zu dem, was vor dem Gesetz noch erlaubt ist. Dennoch oder gerade deshalb mache es Angst, so Weiger-Schick.
Staatsschutz ermittelt gegen Unbekannt
"Aufgrund ihres politischen Amtes wird ein möglicher Zusammenhang der angezeigten Sachverhalte durch die Staatsschutzabteilung der Kriminalpolizei geprüft", bestätigt die Polizei Reutlingen auf SWR-Anfrage. Gemeinsam mit der Polizei und der Abteilung Staatsschutz hat die Familie auch ein Sicherheitskonzept für ihr Wohnhaus entwickelt, erzählt Katja Weiger-Schick. "Alleine das Gefühl, dass man das tun muss, macht einem schon Angst", sagt sie.
Wenn die Familie ins Spiel kommt, verändert das die Sichtweise.
Von der Polizei fühlt sie sich gut unterstützt. Wie man ähnliche Situationen, Hass, Hetze und Bedrohung von Kommunalpolitikern insgesamt verhindern kann, darauf hat Weiger-Schick keine Antwort. Studien und Umfragen zeigen: Es trifft immer mehr. Sie lasse sich nicht leicht einschüchtern, sagt die Balinger SPD-Landtagskandidatin. Sie wolle sich auch weiter politisch engagieren. "Wenn allerdings die Familie ins Spiel kommt, verändert das die Sichtweise", betont sie.
SWR-Reporterin Julia Klebitz hat die Balinger-SPD-Lanstagskandiatatin interviewt