Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März dürfen erstmals auch 16- und 17-jährige Jugendliche ihr Kreuzchen setzen. An der Hans-Küng-Gemeinschaftsschule in Tübingen bereitet Lehrer Tim Reiser die Minderjährigen auf ihre erste Wahl vor. Dass sie jetzt auch wählen dürfen, sei gut. Darin sind sich der Lehrer und seine Schülerinnen und Schüler einig.
Vorbereitungen auf die Landtagswahl BW 2026
Einige Wochen vor der Wahl beginnt Tim Reiser die Erstwähler vorzubereiten. Er unterrichtet neben anderen Fächern auch Gemeinschaftskunde. Los geht es ganz grundsätzlich mit der Frage, welche Entscheidungen ein Landtag trifft. Dazu gehören Bereiche wie Bildung und Polizei - oder eben auch das Alter der Wahlberechtigten. Bei den meisten Themen wissen die Elftklässler schon Bescheid. Sie lassen es sich aber noch offen, wen und welche Partei sie wählen wollen.
Noch ist ein bisschen Zeit, um sich über die Kandidaten und Kandidatinnen zu informieren. Schülerin Lena Tonch hat bereits einige Wahlprogramme durchgelesen. Sie will schon seit längerem wählen, war aber bislang zu jung dafür. Entsprechend groß ist bei ihr die Vorfreude. Aber es sei schon auch schwierig, das erste Mal wählen zu gehen, so die 17-Jährige. Welche Partei genau was will und welche Kandidierenden wofür kämpfen, ist nicht immer einfach zu erkennen - auch für langjährige Wählerinnen und Wähler.
Anspannung und Vorfreude bei den jungen Erstwählern
Auch die anderen in der Klasse fühlen eine Mischung aus Freude und Nervosität. Sie sind sich der Verantwortung bewusst. Leon Baur bringt es im Gespräch mit dem SWR auf den Punkt: "Auf der einen Seite freue ich mich. Auf der anderen Seite ist es sehr schwierig, wenn man sich entscheiden muss und das eine ernste Entscheidung ist."
Hamzah Said meint, es sei gut, dass jetzt auch Minderjährige wie er wählen gehen dürfen. 16- und 17-Jährige seien reif genug, um zu verstehen, was und wen sie wählen. Und er ist überzeugt davon: "Man sollte wirklich alle Menschen in die Politik miteinbinden."
Wahl am 8. März Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Wahl
Am 8. März 2026 wird ein neuer Landtag gewählt. Wer sind die Spitzenkandidaten? Was sagt die aktuelle Umfrage? Wie funktioniert Briefwahl? Das und mehr im FAQ.
Lena Tonch findet es wichtig, dass - wie sie sagt - "auch die Jugend gehört wird". Ihr Mitschüler Ferdinand Wiberg-Wagner ist schon 18. Er hat das Gefühl, dass die Bedürfnisse der jungen Leute von den Politikerinnen und Politikern ignoriert würden. Deswegen findet er es besser, dass man jetzt schon früher wählen darf. Ab 16 Jahren könne man durchaus schon politisch Bescheid wissen, so der 18-Jährige.
Tübinger Schule unterstützt mit Juniorwahlen
Die politische Bildung ist das eine, das andere der Wahlprozess. Damit die jungen Menschen den erleben können, organisiert die Tübinger Hans-Küng-Gemeinschaftsschule sogenannte Juniorwahlen in der Schule. Da werden Wahlen für den Bundestag, Landtag und das Europäische Parlament simuliert. Dadurch kennen die Jugendlichen schon das Prinzip beim Wählen - so "ungefähr", sagt Hamzah Said.
Erstwählerinnen und Erstwähler auf Wahlen vorzubereiten, hält Lehrer Tim Reiser für eine wichtige Aufgabe einer Schule. Er kann sich auch vorstellen, dass Jugendliche ab 14 wählen dürfen. "Die Frage ist halt, wie werden sie vorbereitet?" Da gehörten auch die Eltern mit dazu.