Nach der Ankündigung der Schließung von CureVac durch die Mutterfirma BioNTech, droht der Forschungsstandort Tübingen geschwächt zu werden. Damit dies nicht passiert stellt Klaus Eichenberg, der Geschäftsführer des Forschungsverbunds BioRegio STERN, klare Forderungen an das Land Baden-Württemberg. Curevac ist Teil dieses Verbunds. Die Landesregierung hat eine Task Force eingerichtet.
CureVac geht, die Sorge um Tübinger Forschung kommt
CureVac war eins der erfolgreichsten bio-pharmazeutischen Unternehmen in Baden-Württemberg. Und das nicht erst seit ihrer mRNA-Impfstofftechnologie. Mit dem Aus stehen jetzt nicht nur die 700 Beschäftigten vor der Frage, wie es weitergehen soll. Auch für Tübingen als Forschungsstandort und das Know-How der Firma ist die Schließung ein Rückschlag.
Es ist schlimm, dass Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Es ist aber auch schlimm, dass eine Technologie möglicherweise untergeht, die in Tübingen Fuß gefasst hat.
Land soll Geld für Erhalt der mRNA-Technologie bereit stellen
Klaus Eichenberg, Geschäftsführer der Forschungsverbunds BioRegio STERN, stellt Forderungen an das Land, um Tübingen als Wirtschafts- und Forschungsstandort zu halten. "Wenn dem Land was daran liegt, die RNA-Technologien in Baden-Württemberg zu halten, dann wäre es sehr dienlich, Förderungen auszuschreiben für Gründungen in diesem Feld. Oder wie interessant wäre es denn, wenn ein Exzellenz-Center für mRNA-Technologie an der Universität Tübingen gegründet würde?", so Eichenberg.
Landespolitik soll helfen, Wissen und Top-Talente zu halten
Auch für das Naturwissenschaftliche und Medizinische Institut (NMI) an der Universität Tübingen ist klar, dass für die Zukunft von Tübingen als Forschungsstandort die Landespolitik mit ins Boot geholt werden müsse, so Katja Rösslein, Geschäftsführerin des NMI. Es sei wichtig zu handeln und das Aus nicht einfach hinzunehmen. Gespräche mit dem Land Baden-Württemberg würden bereits laufen, so Rösslein auf Nachfrage des SWR.
Staatsministerium: Task Force mit allen Beteiligten eingerichtet
Das bestätigt auch Christoph Neethen vom Staatsministerium in Stuttgart: "Wir haben umgehend eine Task Force eingerichtet, in der viele Beteiligte gemeinsam mit BioNTech Konzepte entwickeln wollen, um die wertvolle Infrastruktur und das Know-how zu sichern. Auch wollen wir den von der Entscheidung betroffenen Mitarbeitenden eine Perspektive geben und möglichst viele Top-Talente am Standort halten." Das Aus für CureVac erfülle die Landesregierung mit großer Sorge, so Neethen, schließlich bedeute die Schließung für den Wissenschaftsstandort Baden-Württemberg den Verlust kritischer mRNA-Infrastruktur.
Jede Schließung von Unternehmen, die sich auf diese Technologie spezialisieren, schwächt die Unabhängigkeit Europas von außereuropäischen Pharmariesen.
Wo werden CureVac-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterkommen?
Bis Ende 2026 werden am Standort Tübingen 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Job verlieren. Ihre Zukunft sehen sie nicht rosig. Die Landesregierung ist offenbar bemüht, die "Top-Talente" in Tübingen zu halten. Auch Thorsten Fink von der Stadt Tübingen sieht die Möglichkeit, dass einige Beschäftigte im breit aufgestellten Forschungsstandort Tübingen, genauer gesagt im bestehenden Forschungscluster, unterkommen können. Allerdings seien die Anforderungen mitunter "sehr speziell". Außerdem sei die Zahl an Arbeitskräften von CureVac sehr groß. "Das lässt sich trotz der Größe des Clusters nicht kurzfristig vom Arbeitsmarkt kompensieren. Die schwierige konjunkturelle Wirtschaftslage beeinflusst dies auch", so Fink.
CureVac-Aus ohne direkte Auswirkung auf Uniklinik und Uni Tübingen
Für die Universität Tübingen und die Uniklinik hat die Schließung keine unmittelbare Auswirkung, teilen beide Institutionen mit. Grundsätzlich könnten sich Beschäftigte von CureVac selbstverständlich auf offene Stellen am Universitätsklinikum und der Universität bewerben. Einstellungen erfolgen wie üblich nach Qualifikation und Bedarf, so die Sprecher von Universität und Uniklinik.