Medizinische Versorgung im Kampfeinsatz oder im Katastrophenfall - Lazarette sind für die Bundeswehr ein Ort, an dem alles perfekt laufen muss. Waren die Militärkrankenhäuser früher klar mit einem roten Kreuz gekennzeichnet und weithin sichtbar, hat mittlerweile ein Wechsel in der Strategie eingesetzt. Denn Lazarette gelten mittlerweile als Ziel für Angriffe.
Daher sollen sie künftig versteckt werden, zum Beispiel in großen Hallen. Diese sehr beengte Errichtung eines ganzen Krankenhauses haben jetzt 100 Soldatinnen und Soldaten des Sanitätsregiments 3 der Bundeswehr in Dornstadt im Alb-Donau-Kreis geübt. "Das ist eine Art Kreiskrankenhaus, das wir hier in der letzten Woche aufgebaut haben", erklärt der Kommandeur des Regiments, Hendrik Ploß, den bisherigen Verlauf der Übung.
100 Soldatinnen und Soldaten bauen Krankenhaus in einer Halle
In Dornstadt wurden unter anderem drei OPs, sechs Intensivbetten, ein eigenes Labor und 72 Pflegebetten aufgebaut. Ein solches Lazarett würde die Bundeswehr im Ernstfall mehrere hundert Kilometer entfernt von einer Front errichten. Es wäre die letzte Station für verletzte Soldatinnen und Soldaten, vor dem Transport aus dem Einsatzland.
Kriegstüchtigkeit spielt bei Übung in Dornstadt eine große Rolle
"Wir üben hier den Aufbau und den Betrieb eines Einsatzlazaretts", beschreibt Kompaniechef Lukas, dessen Nachname unbekannt bleiben soll, die Übung. Ein solches Training für den Ernstfall hat die Bundeswehr zwar schon öfter durchgeführt, die aktuelle Weltlage ist aber trotzdem in den Köpfen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. "Kriegstüchtigkeit spielt hier eine große Rolle", so der Kompaniechef. "Dafür finden Übungen statt."
Anders als in den Jahren zuvor, findet die Übung nicht im Freien statt. Eine Lehre, die die Bundeswehr laut Lukas aus dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine gezogen hat. "Wir bemerken, dass man, auch gerade durch den Drohnenkrieg, viel schneller aufklärbar ist." Daher müsse man sich geschützter unterbringen. Das rote Kreuz auf einem Lazarett im Freien sei vermehrt von einem Schutzsymbol zu einem Ziel von Angriffen geworden.
Zivile Hilfsorganisationen im Austausch mit der Bundeswehr
Teil der Übung ist auch der Austausch mit zivilen Blaulicht-Organisationen wie dem Technischen Hilfswerk (THW). Für den Ortsbeauftragten des THW in Blaubeuren, Kai-Florian Brändl, war der Gang durch das aufgebaute Lazarett ein wichtiges Erlebnis: "Für mich auf jeden Fall beeindruckend, was die Bundeswehr in diesem Fall leisten kann."
Und auch für die Bundeswehr ist der Austausch mit anderen Organisationen wichtig. "Sollte es wirklich zu einem Verteidigungsfall kommen, sind wir auf die Blaulicht-Organisationen angewiesen", sagt Kompaniechef Lukas. "Weil wir, mit unserer grünen Uniform, die wir tragen, dann im Krieg sein werden und die Versorgung hier im Inland weiterhin sicher gestellt werden muss."
Im nächsten Jahr findet eine vergleichbare Übung in noch größerem Ausmaß in Estland, einem Staat an der NATO-Ostflanke, statt - mit Beteiligung des Sanitätsregiment 3 aus Dornstadt.