In Ulm und im Alb-Donau-Kreis

Viel Müll, hohe Kosten: Baut das Rote Kreuz seine Altkleidercontainer ab?

Schmutzige Socken, zerrissene Arbeitshosen, ölige Lumpen - all das landet in Altkleidercontainern. Die Entsorgung kostet so viel, dass das Rote Kreuz jetzt seine Container abbauen will.

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Von Autor/in Markus Bayha

Das Deutsche Rote Kreuz in Ulm überlegt, seine Altkleidercontainer im Alb-Donau-Kreis und in Ulm abzubauen. Denn das DRK muss viel Geld für die Entsorgung zahlen, oft ist die Kleidung in den Containern eigentlich ein Fall für die Tonne. Wenn es überhaupt Kleidung ist - und nicht gleich Müll.

Gartenabfälle oder Essensreste - was das Rote Kreuz so alles in Containern findet

In Langenau steht einer der rund 50 Altkleidercontainer, die der Ulmer Kreisverband betreut. Schon von Weitem sieht man, dass die Klamotten hier nicht nur im Container landen, sondern auch davor und daneben.

Bevor Tobias Schwetlik, Geschäftsführer des Ulmer DRK-Kreisverbands, aufschließt, zieht er erst einmal blaue Gummihandschuhe an. "Das Grundproblem ist, dass wir inzwischen zu viel Ware erhalten, die eigentlich Müll ist", beschwert sich Schwetlik. Manchmal befindet sich sogar tatsächlich Müll in den Containern, zum Beispiel Gartenabfälle oder Essensreste. Diesen Müll muss das DRK dann entsorgen und die Kosten dafür tragen.

Das Grundproblem ist, dass wir inzwischen zu viel Ware erhalten, die eigentlich Müll ist.

Rotes Kreuz macht derzeit Verluste mit Altkleidercontainern

Eigentlich finanziert das Deutsche Rote Kreuz mit dem Erlös aus den Kleidersammlungen soziale Projekte, wie Senioren- und Jugendarbeit. Mittlerweile sei das aufgrund der hohen Entsorgungskosten aber nicht mehr möglich. "Ich wäre schon mit einer Lösung zufrieden, mit der wir auf null rauskommen", meint Schwetlik.

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Müll im Altkleidercontainer: Wer zahlt für die Entsorgung?

Aus diesem Grund hat sich das Deutsche Rote Kreuz an die Entsorgungsbetriebe der Stadt Ulm (EBU) und die Abfallwirtschaft des Alb-Donau-Kreises mit der Frage gewandt, wer in Zukunft für die Kosten der Entsorgung aufkommt. "Ideal für uns wäre, wenn wir den Restmüll kostenfrei an die Entsorgungsbetriebe abgeben können", meint Schwetlik.

Denn auf der einen Seite würden die alten Klamotten in Zukunft sowieso alle entweder bei der EBU oder der Abfallwirtschaft des Alb-Donau-Kreises landen, wenn das Deutsche Rote Kreuz seine Container abbaut. Auf der anderen Seite könne dann durch die Altkleidercontainer wieder Geld für das Deutsche Rote Kreuz generiert werden.

Die Entsorgungsbetriebe der Stadt Ulm winken auf Nachfrage allerdings ab. Als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger sehe man sich hier nicht in der Pflicht, teilen die EBU schriftlich mit. In Zeiten guter Erlöse habe das DRK Gewinne am Altkleidermarkt abgeschöpft. Jetzt, wo das nicht mehr so ist, kann es nicht sein, dass die Abfallgebührenzahler dafür aufkommen müssen.

Ein Plastiksack in dem sich neben Altkleidern auch Müll befindet. Weil die Entsorgungskosten zu hoch sind, überlegt das DRK alle Container im Alb-Donau Kreis abzubauen.
Mehr Müll als Altkleider: In diesem Sack sind fast nur Gartenabfälle und Plastik. Die Entsorgungskosten dafür muss das Deutsche Rote Kreuz übernehmen.

Auch die Abfallwirtschaft des Alb-Donau-Kreises hat dem Vorschlag des Deutschen Roten Kreuzes eine Abfuhr erteilt. Sowohl gebühren- als auch vergaberechtlich sei eine solche Unterstützung durch die Abfallgebühren unzulässig. Man wolle aber weiterhin im Austausch mit dem DRK bleiben.

Müll in Altkleidercontainern: ein landesweites Problem

Müll oder nicht mehr brauchbare Klamotten in Altkleidercontainern sind in ganz Baden-Württemberg ein Problem, teilt der DRK-Landesverband in Stuttgart auf Nachfrage mit. Immer mehr Kreisverbände würden sich deshalb dazu entscheiden, das Geschäft mit den Containern aufzugeben. Genaue Zahlen, wie viele Altkleidercontainer in den letzten Jahren deswegen verschwunden sind, gebe es aber keine.

Zwei der insgesamt 49 Kreisverbände hätten sich aber schon ganz aus der Kleidersammlung zurückgezogen, viele andere würden mit dem Gedanken spielen, es auch zu tun.

Ein Secondhand-Laden des DRK in Ulm. Sollten alle Altkleidercontainer im Alb-Donau-Kreis abgebaut werden, kann man in Zukunft nur noch hier seine gut erhaltenen Klamotten abgeben.
Das Deutsche Rote Kreuz betreibt auch einige Seconhand-Läden im Alb-Donau- Kreis. Sollten die Altkleidercontainer abgegeben werden, kann man in Zukunft dort seine gut erhaltenen Kleidungsstücke abgeben.

DRK-Altkleidercontainer könnten bis Ende des Jahres abgebaut werden

So wie der Kreisverband Ulm. Sollte sich keine Lösung finden, dann will er Ende des Jahres seine Altkleidercontainer im Alb-Donau-Kreis und in Ulm abbauen.

Gut erhaltene Klamotten können dann nur noch direkt in den DRK-Secondhand-Läden abgegeben werden, oder man entsorgt sie einem der Altkleidercontainer, die nicht vom Deutschen Roten Kreuz betrieben werden.

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Markus Bayha
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