Die meisten Kinder kennen Baustellen nur aus sicherer Entfernung. In Ulm ist das anders. Hier dürfen sie mitten rein - mit Helm und Warnweste auf eine Führung. Die Mischung aus Abenteuer und Wissen macht die Führungen auf der riesigen B10-Baustelle zu einem echten Renner.
Führung: Mit Helm und Warnweste auf Entdeckungstour
"Hier sieht man am meisten von der Baustelle: Von innen, nicht von außen", sagt die zwölfjährige Marina. Auf der Baustelle am Blaubeurer Ring in Ulm ist jede Menge los. Marina und einige weitere Kinder haben sich versammelt, alle ausgestattet mit leuchtend gelben Warnwesten und Schutzhelmen. Die Stimmung ist voller Vorfreude. Heute dürfen die kleinen Teilnehmer die Baustelle hautnah und sicher erleben.
"Ich glaube, da gibt’s einen Kran, einen Bagger und vielleicht sogar einen kleinen Gabelstapler", mutmaßt die siebenjährige Dayanna vor der Baustellenführung. Für viele ist es das erste Mal, dass sie nicht nur an einer Baustelle vorbeifahren, sondern gleich mittendrin stehen.
Die Tour beginnt auf einer Aussichtsplattform. Von hier aus haben die Kinder einen perfekten Blick auf das riesige Baugelände. Bagger, LKW und Radlader ziehen sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Kurz darauf steht die kleine Dayanna tatsächlich neben einem großen Radlader, bestaunt die Maschine aus nächster Nähe und darf sogar mal einsteigen.
Der Radladerführer neben ihr bedient einen Hebel. Mit einem großen "Wow" kommentiert Dayanna das Auf und Ab der Schaufel. "Das fand ich am besten!", sagt sie mit einem Lächeln, nachdem sie die Stufen des Radladers wieder heruntergestiegen ist. Dabei geht die Führung jetzt erst richtig los.
16-Jährige gibt Führungen auf der B10-Baustelle in Ulm
Besonders an diesen Kinderführungen ist, dass sie von Floriane Fraidel, einer 16-jährigen Schülerin aus Ulm geleitet werden. Sie ist die Tochter des Projektleiters der Baustelle, Gerhard Fraidel. "Die Kinder finden es spannend, dass ich selbst noch jung bin", erzählt Floriane mit einem Lächeln. "Die Kinder sind sehr interessiert. Als Kind, würde ich behaupten, versteht man das besser von einem Kind erklärt."
Unterstützt wird sie von Sybille Bagci, einer erfahrenen Stadtführerin, die wegen der hohen Nachfrage jüngst zur Baustellenführerin umgeschult hat. "Ich finde, sie geht ganz locker ran an die Sache. Ich finde das auch klasse mit dem Input vom Papa", lobt Bagci 16-Jährige.
Mit der Kindergruppe geht Floriane weiter zur nächsten Attraktion: einer anderthalb Meter langen hydraulischen Beißzange für Bagger. In etwa 50 Meter Entfernung können die Kinder beobachten, wie sich ein Bagger mit genau dieser Beißzange Stück für Stück durch die alte Brücke nagt. "Jetzt nimmt er das auf und macht die Brücke klein", kommentiert Dayanna, während sie aus sicherer Entfernung zusieht.
Große Nachfrage nach Führungen
Seit März 2025 bietet die Stadt Ulm Führungen auf der B10-Baustelle an. Schon damals war der Andrang auf die Baustellenführungen groß. Anfang 2026 wurde das Angebot deshalb in Zusammenarbeit mit der Tourist-Information Ulm/Neu-Ulm erweitert. Neben öffentlichen Touren gibt es jetzt auch private Führungen für Schulklassen, Vereine oder Familienfeiern.
Die Kinderführungen sind dabei besonders gefragt - oft sind sie innerhalb weniger Minuten ausgebucht. "Die Resonanz ist durchweg positiv", berichtet Sybille Bagci. "Es ist doch toll, wenn die Ulmer so interessiert sind an ihrer Baustelle."