- Eigentümer sprechen von "Albtraum": Manchen droht Existenznot
- Häuser am Abgrund: Treppe endet im Nichts
- Hangrutsch: Gutachten bestätigt zunehmende Gefahr
- Auch Abwasser-Hebeanlage macht Bewohnern Sorgen
- Eigentümer stimmen über Ausschreibung der Baumaßnahmen ab
Den Eigentümerinnen und Eigentümern von drei durch Hangrutsch bedrohten Häuser in Schwäbisch Gmünd läuft die Zeit davon, aus mehreren Gründen: Bei zunehmend wärmeren Temperaturen könnte der nächste Starkregen den Rutsch im Hangbereich beschleunigen. Außerdem rückt der 20. Februar näher - und damit ein Ultimatum der Stadtverwaltung. Bis dahin müssen die Eigentümer der 21 Wohnungen nachweisen, dass die Häuser standsicher sind. Andernfalls könnte die Stadt die Räumung anordnen.
Im allerschlimmsten Fall, wenn die Standsicherheit akut bedroht ist, müssen die Bewohner ihre Häuser schnell verlassen.
Häuser am Abgrund: Treppe endet im Nichts
Eigentlich ist es schönste Wohnlage. Doch eine Besichtigung zeigt: Die Lage in der Oberbettringer Straße ist dramatisch, vor allem im mittleren der drei vom Hangrutsch betroffenen Häuser. Eine Terrassentreppe endet im Nichts. Der Garten bricht praktisch ab, nur ein schmaler Streifen trennt das Gebäude noch von der Kante. Darunter geht es meterweit in die Tiefe.
Jetzt ist es ein Albtraum geworden. Die ganzen umgestürzten Bäume! Der Hangrutsch, der immer näher auch zu unserem Haus kommt.
Eleanor von Winter wohnt zwar in einem der weniger betroffenen Nachbarhäuser. Trotzdem hat sie Angst: "Jetzt ist es ein Albtraum geworden: Die ganzen umgestürzten Bäume. Der Hangrutsch, der immer näher auch zu unserem Haus kommt."
Ausgelöst hat die aktuelle Gefährdung ein Starkregen im Juni 2024. Der hat im Westen und im Osten von Schwäbisch Gmünd Erdrutsche ausgelöst. Der im Westen warf einen ICE aus den Gleisen - glücklicherweise ohne Verletzte. Der im Osten brachte einen Hang in Bewegung - den, auf dem die drei jetzt von Abrutsch bedrohten Häuser stehen.
Wobei die Rutschung durch das viele Wasser nur wieder aktiv wurde. Im Grunde ist sie schon seit den 1990er Jahren bekannt. Der Bau der Häuser wurde seinerzeit nur genehmigt, weil sie selbst auf massivem Fels errichtet wurden. Die Frage ist allerdings: Wie massiv bleibt der Fels, wenn Regen die Erde drumherum wegspült?
Eigentümer sprechen von "Albtraum": Manche befürchten Existenznot
Für manche Eigentümerin oder Eigentümer bedeutet das Existenznot. Zum einen müssten sie sich im Falle einer Räumung zügig eine neue Bleibe suchen. Zum anderen, wenn sie die notwendigen Sicherungsmaßnahmen nicht bezahlen können. Die dürften nämlich teuer werden: Eine erste Schätzung geht von Kosten in Höhe um die zwei Millionen Euro aus.
Ich komme auf 93.000 Euro. Und das bei einer Wohnung, die normalerweise einen Verkehrswert von 120.000 Euro hätte.
Eleanor von Winter belastet die Vorstellung, die Hangsicherung aus eigener Tasche bezahlen zu müssen, sehr. Die Wohnung ist ihre Sicherheit fürs Alter. Sie hat sich ihren möglichen Anteil an den Kosten ausrechnen lassen. "Dann komme ich auf 93.000 Euro. Und das bei einer Wohnung, die normalerweise einen Verkehrswert von 120.000 Euro hätte."
Ob das die Versicherungen der Eigentümer übernehmen oder ob sie das selbst schultern müssen - das ist nur einer der bisher ungeklärten Punkte. Die Versicherungen hätten bisher wenig Gesprächsbereitschaft gezeigt, berichten Eigentümer, Hausverwalter und Vertreter der Stadt dem SWR.
Hangrutsch: Gutachten bestätigt zunehmende Gefahr
Die drei Häuser sind zwar Privateigentum, insofern sind die Eigentümer für ihre Standsicherheit verantwortlich. Doch die Schwäbisch Gmünder Stadtverwaltung beobachtet und begleitet die prekäre Situation. Ein geotechnisches Gutachten vom Novenber 2025 im Auftrag der Stadt hat die akute Gefährdung bestätigt. Die Rutschung liegt derzeit unter dem mittleren Haus, so die Experten. Sie könne sich aber durch Regen jederzeit auf die beiden Nachbargebäude ausweiten.
"Im allerschlimmsten Fall, wenn die Standsicherheit akut bedroht ist, müssen die Bewohner ihre Häuser schnell verlassen", kündigt Gmünds Erster Bürgermeister Christian Baron (CDU) an. Aber er versichert auch: "Wir lassen die Leute nicht allein." Im Fall des Falles müsse man die Betroffenen anderswo unterbringen.
Was notwendig ist, um die drei Häuser zu sichern, weiß der Bürgermeister im wesentlichen: Erst müsse man das eingedrungene Wasser über Drainagen ableiten, so Christian Baron im SWR-Interview. Das werde den Hangrutsch vermutlich stoppen. Anschließend müsse man den Hang sichern und wieder auffüllen. Als letzten Schritt müsse er mit tief wurzelnden Pflanzen dauerhaft sichern.
Auch Abwasser-Hebeanlage macht Bewohnern Sorgen
Außer der Standsicherheit macht den Bewohnern noch etwas Sorge: die gemeinsame Abwasser-Hebeanlage. Sie liegt inzwischen direkt an der Abbruchkante. Sollte sie beschädigt werden oder ausfallen, könnte die Stadt die Häuser für unbewohnbar erklären. Auch in diesem Fall müssten sie geräumt werden.
Eigentümer haben über Ausschreibung der Baumaßnahmen abgestimmt
Bei der geplanten Versammlung am Mittwochabend haben die Eigentümer erste Schritte zur Sicherung der gefährdeten Häuser beschlossen. Das Aalener Unternehmen, das bereits das Gutachten vom November erstellt hatte, wird mit Planung und Auftragsvergabe der notwendigen Arbeiten beauftragt. Das haben die Bewohnerin Eleanor von Winter und der Geschäftsführer der Vereinigten Gmünder Wohnungsbaugesellschaft, Celestino Piazza, dem SWR bestätigt. Die Wohnungsbau betreut zwei der drei betroffenen Häuser.
Die Kosten des Planungsauftrags in Höhe von rund 62.000 Euro übernehmen die Eigentümer aus gemeinsamen Rücklagen. Wenn das beauftragte Unternehmen die Kosten für die Stabilisierung ermittelt hat, werden sie damit auf ihre Versicherungen zugehen. Ob die Zeit bis zur von der Stadtverwaltung gesetzten Frist, dem 20. Februar, ausreicht, um die Maßnahmen und die Marschroute festzulegen, ist fraglich. Der Chef der Wohnungsbau will deshalb auf die Stadt zugehen und eine Fristverlängerung beantragen, sagte er dem SWR.