Kultureinrichtungen in Ulm, Neu-Ulm und Alb-Donau-Kreis machen mit

Kostenlose Tickets für Theater oder Konzerte: "Dank Kulturloge wieder glückliche Momente"

Theaterbesuche oder Konzerte - wer wenig Geld hat, verzichtet darauf. Doch das geht auch anders: Die Kulturloge in Ulm vermittelt kostenlose Tickets. Für Andreas und Uwe ein Glücksfall. 

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Von Autor/in Katja Stolle-Kranz

Konzerte, Theater, Comedy - überall liegen schon die neuen Programme aus. Allerdings kann sich nicht jeder einfach eine Karte kaufen. So geht es auch Andreas und Uwe - bis sie von der Kulturloge Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau-Kreis hören.  

Andreas, 47, macht keinen Hehl daraus, dass er nach Krankheit und familiären Einschlägen aktuell Bürgergeld empfängt. Als er von der Kulturloge erfährt, meldet er sich sofort dort an. Seitdem bekommt er regelmäßig kostenfreie Tickets angeboten: "Querbeet - sei es ein Konzert, eine Lesung oder eine Comedy-Show. Ich war schon zwei Mal im Ulmer Theater - mega spannend, mega cool. Das ist dann ein bisschen so wie Weihnachten."

Kulturloge: "Wir wollen Kultur für alle"

Andreas ist einer von derzeit über 400 "Gästen" der Kulturloge. Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement und mit inzwischen mehr als 90 Kulturpartnern habe der gemeinnützige Verein ein ehrgeiziges Ziel, erzählt Larissa Heusohn vom Vorstand der Kulturloge dem SWR: "Uns geht's ganz klar darum, die Kultur für alle zu ermöglichen. Es macht auch sehr, sehr glücklich zu sehen, wie viele Karten wir von den Partnern bekommen." 

Auch kleinere Kultureinrichtungen, wie die Theaterei Herrlingen, unterstützen die Kulturloge Ulm Neu-ulm Alb-Donau-Kreis regelmäßig mit kostenlosen Tickets (Archivbild)
Auch kleinere Kultureinrichtungen, wie die Theaterei Herrlingen, unterstützen die Kulturloge Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau-Kreis regelmäßig mit kostenlosen Tickets(Archivbild).

Konzerte, Lesungen, Comedy - 90 Kulturpartner machen mit 

Die Junge Ulmer Bühne, Kammerchöre, Museen oder Kleinkunst Cafés in Ulm, Neu-Ulm und dem Alb-Donau-Kreis machen mit, zählt Heusohn stolz auf. Von größeren Häusern, wie dem Theater Ulm, kämen bis zu 80 Freikarten monatlich. Aber auch kleinere Theater und das Ulmer Zelt oder ein Zirkus-Verein seien dabei.

Einzige Hürde - als Kulturlogen-Gast anmelden

Einzige Hürde für Kulturinteressierte: Wer Gast der Kulturloge Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau-Kreis werden will, muss sich registrieren und über eine soziale Einrichtung den Nachweis erbringen, dass er nur über ein geringes Einkommen verfügt. 

Das war aber für Kulturlogen-Gast Uwe kein Problem: "Da habe ich mir gesagt, da melde ich mich an, das ging ganz unkompliziert. Ich habe schon so viele glückliche Momente erleben dürfen. Tolle Konzerte - auch eine skandinavische Band, freakig, ein bisschen anders wie der Mainstream, hat mir sehr gut gefallen." Vor allem in der Kulturoase Pfleghof Langenau (Alb-Donau-Kreis) habe er schon einige Kulturbesuche genossen, erzählt der Rentner.

Vorstellungen des Theaters Ulm  sind bei Kulturlogen-Gästen besonders beliebt. Vor allem, wenn viel Musik dabei ist, etwa bei Open-Airs (Archivbild).
Vorstellungen des Theaters Ulm sind bei Kulturlogen-Gästen besonders beliebt. Vor allem, wenn viel Musik dabei ist, etwa bei Open-Airs (Archivbild).

Ehrenamtliche der Kulturloge rufen Gäste persönlich an 

Wenn die Karten reinkommen, greifen Ehrenamtliche der Kulturloge, wie Vera Joukova, schnell zum Hörer, um den Kulturlogen-Gästen gleich ein Angebot zu machen, damit die Karten auch genutzt werden. In den Telefonaten hört sie dann häufig: "Wissen Sie - ich habe bis jetzt nie die Oper gesehen - dank Kulturloge kann ich jetzt die Oper besuchen oder das Ballett. Und das motiviert uns auch. Wir spüren, dass die Leute Freude haben."

Kulturelle Teilhabe ist oftmals abhängig vom Geldbeutel. Und für mich ist Kultur mega wichtig.

Kulturpartner - warum sie mitmachen

Einer der Kulturpartner, die von Anfang dabei sind, ist das Theater Ulm: "Wir finden die Idee, die hinter der Kulturloge steht, einfach klasse, erzählt Verwaltungsdirektorin Angela Weißhardt. Bei der Auswahl der Freikarten liege der Schwerpunkt auf Vorstellungen mit Musik - Opern, Operetten, aber auch Ballett. Auch wer die Sprache nicht verstehe, könne sich dabei "zurücklehnen, die Augen zu machen und der Musik lauschen", so Weißhardt. Zudem könne man im Großen Haus leichter Karten zur Verfügung stellen, als etwa im schnell ausverkauften Podium. 

Ob Kabarett, Kleinkunst oder Literatur - auch der Pfleghof Langenau (Alb-Donau-Kreis) unterstützt die Kulturloge schon lange: "Ich finde Kultur bedeutet Lebensqualität und sollte jedem ermöglicht werden", sagt Sara Thiele-Neff vom koordinierenden KulturBüro der Stadt Langenau. Darauf solle niemand aus Mangel an Mitteln verzichten müssen, findet sie.

1.500 kostenlose Tickets bereits vergeben

Über 1.500 Freikarten wurden im ersten Halbjahr des Jahres laut Kulturloge schon unter deren Gäste gebracht. Für Ehrenamtliche, wie Vera, ist das inzwischen locker ein Halbtags-Job. Ulrike Lambrecht hat die Kulturloge vor über zwölf Jahren gegründet, bei der man übrigens auch einfach Unterstützer werden kann: "Natürlich sind wir immer froh, wenn sich Menschen engagieren und suchen auch noch weitere Ehrenamtliche." 

Die Kulturloge hat mir ermöglicht, dass ich am sozialen Leben teilnehmen konnte.

Andreas: "Endlich wieder unter Menschen"

Für Andreas, der selbst in der Kulturbranche zu Hause ist, war die Tatsache, sich keine Karten für Veranstaltungen leisten zu können, besonders bitter. Weil es immer zwei Karten gibt, kommt er nun wieder unter Leute, nimmt Freunde mit, erzählt der Kulturlogen-Gast - mehr noch: "Die Kulturloge hat mir ermöglicht, dass ich am sozialen Leben teilnehmen konnte. Ich war nur noch zu Hause - hatte auch keine Lebenslust mehr." Inzwischen mache er sogar wieder erste Schritte in einen Job.

Kulturloge Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau-Kreis will bekannter werden 

Natürlich könnten noch viel mehr Menschen vom Angebot der Kulturloge profitieren, weiß Larissa Heusohn vom Vorstand. Momentan seien vor allem die Sozialeinrichtungen angehalten, ihre Klientel auf die Möglichkeit von kostenlosen Tickets hinzuweisen, erklärt sie. Man arbeite aber daran, die Kartenvermittlung einfacher zu gestalten. Hier soll eine Kooperation mit der Stadt Ulm ausgebaut werden. Angedacht sei, die Ticketvergabe über eine App zu regeln, so dass die Kulturlogen-Gäste selbst nach den Angeboten schauen könnten.  

Kulturlogen-Gast Uwe möchte jedenfalls nicht mehr auf das Angebot des Vereins verzichten: "Weil die kulturelle Teilhabe oftmals abhängig vom Geldbeutel ist. Und für mich ist Kultur mega wichtig. Die Kulturloge ist eine Bereicherung im Leben."  

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Seit 40 Jahren wird in der Ruine der Löwenburg in Gerolstein mit viel Leidenschaft und Freude Laientheater gespielt. Dieses Jahr ist es sogar international.

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Beim Festival „Haigern live“ packen 250 Ehrenamtliche mit an – zwei Wochen Arbeit für den guten Zweck. Sonja Faber-Schrecklein trifft Helferinnen, Organisatoren und Musiker auf dem Festivalgelände oberhalb von Flein. Zwischen Soundcheck, Shuttlebus und Festivalstimmung erfährt sie, warum alle mit Herzblut dabei sind.

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Katja Stolle-Kranz
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