E-Autos am eigenen Haus zu laden, das ist mittlerweile gängig. Die Technische Hochschule Ulm (THU) erprobt das Konzept gerade umgekehrt. In einem Feldversuch wird getestet, wie der Strom aus E-Autos zurück ins Haus oder ins Netz gespeist werden kann. Das so genannte bidirektionale Laden, also das Laden in zwei Richtungen, soll das Stromnetz in den Spitzen entlasten und sich auch für die E-Auto-Besitzer lohnen.
Wie das bidirektionales Laden funktioniert
E-Autos werden beim bidirektionalen Laden genauso wie beim normalen Ladevorgang angeschlossen - es wird allerdings eine spezielle Wallbox benötigt. Das Auto könnte sich dann den Strom laden, wenn er gerade günstig ist. Beispielsweise, weil die Sonne auf die Solarpanele scheint.
In der Nacht, wenn Strom knapper und dadurch teurer wird, gibt das Auto wieder Strom ab. Entweder zur Nutzung im eigenen Haus, oder sogar weiter ins Stromnetz. So könnte die Autobatterie dazu beitragen, Schwankungen im Stromnetz auszugleichen.
Wem das E-Auto als Stromspeicher hilft
Grund für die Versuche der THU ist vor allem die Entlastung und Stabilisierung des Stromnetzes. Anstatt große Batteriefarmen bauen zu müssen, die die Energie zwischenspeichern, könnten E-Autos als dezentrale und mobile Alternative dienen. Aber auch für den privaten Nutzer der Fahrzeuge soll das System Vorteile haben, besonders im Bereich der erneuerbaren Energien.
Solarstrom, den das E-Auto am Tag geladen hat, könnte in der Nacht genutzt werden. Beispielsweise, um mit der Wärmepumpe zu heizen oder die Waschmaschine zu betreiben. Das spart Geld, denn der günstige Strom, der bei Sonnenschein erzeugt wird, kann zu einem Zeitpunkt genutzt werden, an dem Strom teurer wäre. Beispielsweise in der Nacht oder an Tagen, an denen die Sonne nicht scheint.
Zehn Beschäftigte der Hochschule testen das Laden in zwei Richtungen
Zehn Mitarbeiter der THU haben im August ein E-Auto bekommen, das die Technik unterstützt. Sie sollen im Alltag herausfinden, welche Ladeinfrastruktur optimal ist und welche Mängel die Technik in der Umsetzung hat. "Für mich macht ein Elektroauto Sinn, weil ich eine große PV-Anlage zu Hause habe", erzählt eine Testteilnehmerin.
Damit könne sie ihr Auto im Sommer umsonst laden. Ein anderer Mitarbeiter ist gespannt, wie sich das bidirektionale Laden für ihn in den nächsten Monaten umsetzen lässt. "Ich wohne zur Miete und auf dem Dach unserer Wohnanlage ist eine PV-Anlage", so der Mitarbeiter. Er rechnet mit einem hohen bürokratischen Aufwand, bis es hier eine Regelung zum bidirektionalen Laden gibt.
Mit der neuen Technologie sollen Nutzer am Ende vor allem günstiger fahren, erklärt Projektleiter Christoph Kondzialka. Mit dem E-Auto als Stromspeicher sollen sie den "günstigeren" PV-Strom an sonnigen Tagen speichern und bei Bedarf ins Haus zurückspeisen, während sie sonst auf eventuell "teureren" Strom angewiesen sind.
Hürden bei der Umsetzung vom bidirektionalen Laden
Damit sich die Technologie schnell verbreiten kann, gibt es allerdings noch einiges zu tun. Die Autohersteller müssten die Freigabe zum bidirektionalen Laden erteilen. Die Netzbetreiber müssten der Einbindung ins Stromnetz zustimmen. Außerdem braucht es regulatorische Rahmenbedingungen und entsprechende Gesetze.
Zudem sind die speziellen Wallboxen mit Kosten von etwa 7.000 Euro aktuell noch recht teuer für den Privatgebrauch. Sie sind notwendig, weil nicht nur Gleichstrom zu Wechselstrom gewandelt werden muss, sondern auch umgekehrt. Zudem müssen verschiedene Systeme in der Lage sein, miteinander zu kommunizieren, damit das Auto am Morgen nicht mit leerem Akku dasteht.
Bidirektionales Laden: Noch nicht am Ziel
Gefördert wird das Projekt an der Technischen Hochschule Ulm vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2030 zum Leitmarkt für Elektromobilität zu werden. Das bidirektionale Laden soll dabei die Mobilitätswende und den Ausbau erneuerbarer Energien verbinden.
Der Test an der THU läuft noch bis August 2026. Technisch ist das bidirektionale Laden möglich und teils schon auf dem Markt. Das Ziel, bidirektionales Laden bis 2030 flächendeckend umzusetzen, sieht Projektleiter Christoph Kondzialka aber als realistisch an.