Die Abkehr vom Verbrenner-Aus ist, wie so oft im Klimaschutz, eine Wette auf die Zukunft. Mit dem Einsatz von grünem Stahl und klimafreundlichen Treibstoffen, sollen die fehlenden 10 Prozent aufgefangen werden. Der Haken ist nur: Beides gibt es (noch) nicht. Was heute als grüner Stahl bezeichnet wird, ist nicht grün, denn die CO2-Emissionen sind nur reduziert. Das ist zwar ein Fortschritt, aber nicht mehr.
Wirklich grün ist aber nur etwas, bei dessen Produktion überhaupt kein CO2 mehr ausgestoßen wird. Es gibt zwar etliche Pilotprojekte, die sich an der Produktion von grünem Stahl versuchen, aber diese sind noch lange keine Massenproduktion. Ob 2035 wirklich genug grüner Stahl zur Verfügung steht, um den angekündigten Mehrausstoß bei Autos auszugleichen, ist völlig offen.
Neue Pläne der EU-Kommission FAQ zum gekippten Verbrenner-Aus: Das bedeutet es für Autobranche, Verbraucher und Klimaschutz
Die EU-Kommission schlägt eine Lockerung der CO2-Vorgaben für Neuwagen nach 2035 vor. Aus der Branche kommt Zustimmung, Fachleute bewerten die Vorschläge kritisch.
Und es war auch nie die Frage: Entweder keine CO2-Emissionen mehr am Auspuff oder grünen Stahl im Fahrzeug. Es war immer klar, wir brauchen beides. Anders funktioniert Klimaneutralität, zu der sich ja immer noch alle so wortreich bekennen, nicht.
Verantwortungslose Wetten auf die Zukunft
Das Gleiche gilt für die scheinbar klimafreundlichen Treibstoffe, die jetzt wieder ergänzend zum Einsatz kommen sollen. Etwa die sogenannten EFuels. Es ist wirtschaftlicher Unsinn, diese in Autos zu verbrennen, da sind sich alle Experten einig. Denn das wäre ungefähr fünf Mal so teuer wie ein Auto direkt mit Strom zu laden. Und dann ist plötzlich wieder die Rede von pflanzenbasiertem Bio-Sprit. Sollten wir den wirklich in großen Mengen brauchen, dann kostet das viele zusätzliche landwirtschaftliche Flächen, die uns dann bei der Lebensmittelproduktion oder für die Diversität fehlen.
Natürlich ist es möglich, dass uns bis 2035 bei grünem Stahl oder EFuels der ganz große Durchbruch gelingt. Aber wir wissen es nicht und wir dürfen uns nicht darauf verlassen. Wetten auf die Zukunft sind verantwortungslos, vor allem wenn es um Klimaschutz geht. Da nutzen auch alle Lippenbekenntnisse nichts. Sie sind wertlos. Für den Klimaschutz war es ein schlechter Tag. Den Preis zahlen wir alle und der wird hoch sein.