Nach Entscheidung der EU-Kommission

Meinung zur Abkehr vom Verbrenner-Aus: "Für den Klimaschutz war es ein schlechter Tag"

Das Verbrenner-Aus ist vom Tisch: Der CO2-Ausstoß von Autos, die ab 2035 zugelassen werden, soll an anderer Stelle ausgeglichen werden. Für Susanne Henn, SWR Redaktion Umwelt und Klima, ist das Augenwischerei.

Teilen

Stand

Von Autor/in Susanne Henn

Die Abkehr vom Verbrenner-Aus ist, wie so oft im Klimaschutz, eine Wette auf die Zukunft. Mit dem Einsatz von grünem Stahl und klimafreundlichen Treibstoffen, sollen die fehlenden 10 Prozent aufgefangen werden. Der Haken ist nur: Beides gibt es (noch) nicht. Was heute als grüner Stahl bezeichnet wird, ist nicht grün, denn die CO2-Emissionen sind nur reduziert. Das ist zwar ein Fortschritt, aber nicht mehr.

Susanne Henn
Susanne Henn, SWR Redaktion Umwelt und Klima

Wirklich grün ist aber nur etwas, bei dessen Produktion überhaupt kein CO2 mehr ausgestoßen wird. Es gibt zwar etliche Pilotprojekte, die sich an der Produktion von grünem Stahl versuchen, aber diese sind noch lange keine Massenproduktion. Ob 2035 wirklich genug grüner Stahl zur Verfügung steht, um den angekündigten Mehrausstoß bei Autos auszugleichen, ist völlig offen.

Baden-Württemberg

Neue Pläne der EU-Kommission FAQ zum gekippten Verbrenner-Aus: Das bedeutet es für Autobranche, Verbraucher und Klimaschutz

Die EU-Kommission schlägt eine Lockerung der CO2-Vorgaben für Neuwagen nach 2035 vor. Aus der Branche kommt Zustimmung, Fachleute bewerten die Vorschläge kritisch.

SWR Extra: Aus vom Verbrenner-Aus? Was heißt das für Autofahrer, Jobs und Industrie? SWR

Und es war auch nie die Frage: Entweder keine CO2-Emissionen mehr am Auspuff oder grünen Stahl im Fahrzeug. Es war immer klar, wir brauchen beides. Anders funktioniert Klimaneutralität, zu der sich ja immer noch alle so wortreich bekennen, nicht.

Verantwortungslose Wetten auf die Zukunft

Das Gleiche gilt für die scheinbar klimafreundlichen Treibstoffe, die jetzt wieder ergänzend zum Einsatz kommen sollen. Etwa die sogenannten EFuels. Es ist wirtschaftlicher Unsinn, diese in Autos zu verbrennen, da sind sich alle Experten einig. Denn das wäre ungefähr fünf Mal so teuer wie ein Auto direkt mit Strom zu laden. Und dann ist plötzlich wieder die Rede von pflanzenbasiertem Bio-Sprit. Sollten wir den wirklich in großen Mengen brauchen, dann kostet das viele zusätzliche landwirtschaftliche Flächen, die uns dann bei der Lebensmittelproduktion oder für die Diversität fehlen.

Natürlich ist es möglich, dass uns bis 2035 bei grünem Stahl oder EFuels der ganz große Durchbruch gelingt. Aber wir wissen es nicht und wir dürfen uns nicht darauf verlassen. Wetten auf die Zukunft sind verantwortungslos, vor allem wenn es um Klimaschutz geht. Da nutzen auch alle Lippenbekenntnisse nichts. Sie sind wertlos. Für den Klimaschutz war es ein schlechter Tag. Den Preis zahlen wir alle und der wird hoch sein. 

"Vorfahrt statt Verbotspolitik" Lockerungen beim Verbrenner-Aus: BW-Politik zufrieden mit Einigung im Koalitionsausschuss

Die Koalition hat sich auf einen gemeinsamen Kurs in Bezug auf das geplante Verbrenner-Aus geeinigt und plädiert für Lockerungen. Im Autoland BW begrüßt man die Entscheidung.

SWR1 Baden-Württemberg SWR1 Baden-Württemberg

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Susanne Henn

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!