Mit 41,4 Grad wurde Ende Juni in Waghäusel-Kirrlach (Kreis Karlsruhe) die höchste Temperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnung in Baden-Württemberg gemessen. Der Sommer 2026 gilt schon jetzt als "Jahrhundertsommer". Neben den Folgen für die Natur wirken sich die Hitzerekorde auch auf die psychische Gesundheit von Menschen aus, wie Untersuchungen der Universität Mannheim zeigen.
Nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt fühlt sich rund die Hälfte aller Menschen in Deutschland mental stark bis sehr stark durch den Klimawandel belastet. Der Begriff "Klimaangst“ beschreibt Gefühle wie Angst, Wut, Ohnmacht oder Verzweiflung, die bei den Gedanken an das Thema und dessen Folgen entstehen. Eine Angst, die laut Experten vor allem junge Menschen betrifft.
Angst vor Klimawandel belastet vor allem junge Menschen
Dr. Ahlke Kip von der Universität Freiburg erforscht, wie sich der Klimawandel auf die mentale Gesundheit auswirkt. Laut Kip zeigt sich Klimaangst zwar in allen Altersgruppen, junge Menschen sind dennoch stärker davon betroffen. Das liege vor allem an einem Gefühl der Machtlosigkeit, erklärt Kip. Jüngere Menschen hätten seltener die Möglichkeiten, sich aktiv gegen den Klimawandel einzusetzen. Hinzu komme das Bewusstsein zwar weniger Macht über die Entwicklungen zu haben, aber stärker von den Folgen betroffen zu sein.
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So geht es auch Finja aus Nürtingen (Kreis Esslingen). Mit Blick auf den Klimawandel fühlt sich die 19-Jährige hilflos. Sie als Einzelperson habe oft das Gefühl, nichts daran ändern zu können, erzählt sie dem SWR. "Man kriegt auch ein bisschen Angst, weil es immer näherkommt", so die Studentin. Vor allem, dass Waldbrände und andere Folgen der Hitzewellen nicht nur entfernte Regionen, sondern inzwischen auch das Nachbarland und das eigene Land treffen, bereitetet ihr große Sorgen. Ähnliche Gedanken teilt Angeli aus Münsingen-Trailfingen (Kreis Reutlingen). Für sie stehen die Hitzerekorde und die Trockenheit für eine "Abwärtsspirale", die sofortiges Handeln erfordert.
"Jetzt hatten wir eine Hitzewelle, aber irgendwie wird das Ganze viel zu wenig thematisiert in der Politik. Das löst in mir primär eigentlich nur Frust aus", erklärt auch Max aus Ladenburg (Rhein-Neckar-Kreis). Ihn beschäftige es sehr, dass die drohenden Folgen des Klimawandels den Menschen bekannt seien und sich trotzdem nichts ändere. Alle Drei erzählen dem SWR, dass sie die Hitzewelle in diesem Sommer besonders belastet habe. Von der Politik fühlen sie sich alleingelassen. Für Angeli ist dennoch klar: "Es gibt keinen Reset-Button oder so, wir als Gesellschaft müssen jetzt einfach gucken, wie wir damit klarkommen."
Klimawandel löst Zukunftsängste aus
Eine Umfrage des Umweltbundesamts unter 14- bis 22-Jährigen aus dem vergangenen Jahr zeigt: Für drei Viertel aller Befragten ist Umwelt- und Klimaschutz ein wichtiges Thema. Gleichzeitig treten rund 70 Prozent von ihnen der Zukunft in Hinblick auf dieses Thema pessimistisch entgegen.
Der Gedanke an die Zukunft löst auch in Angeli, Finja und Max Unwohlsein aus. Ihre Nachnamen werden in diesem Text nicht genannt, sind aber der Redaktion bekannt. Den 21-jährigen Max beschäftigt vor allem, wie sich die weiteren Folgen des Klimawandels auf gefährdete Gruppen - wie auch seine Großeltern - auswirken. Er spiele deshalb auch mit dem Gedanken nach Norwegen auszuwandern. "Irgendwohin, wo der Sommer deutlich kühler ist und auch trotz Klimawandel deutlich kühler bleiben wird als hier unten in der Rheinebene", erzählt er.
Auch Finja hat Zukunftsängste. Die 19-Jährige ist sich unsicher, ob sie einmal Kinder in eine Welt setzen möchte, in der es ihr selbst zu heiß ist. Sie stellt sich vor allem die Frage: "Wie sieht meine Zukunft aus, wenn der Klimawandel sie so beeinflusst?"
Psychische Belastung durch Klimawandel: Das rät eine Psychologin
Wer sich vom Klimawandel mental belastet fühlt, sollte diese Gefühle laut Psychologin Kip nicht leugnen. "Wenn jemand sagt: 'Ich habe diese Angst', ist es schon gut, sich damit und mit den Ursachen, mit dem Thema auseinanderzusetzen", so Kip. Im nächsten Schritt rät die Expertin, aktiv zu werden und sich in Vereinen, Organisationen oder politischen Jugendgruppen zu engagieren.
Betroffenen helfe es, auch kleinere Verhaltensweisen im Alltag umzustellen, wie etwa das Auto stehenzulassen oder ein Balkonkraftwerk einzurichten. Wer allerdings eine starke Belastung oder Einschränkung im Alltag erfährt, dem rät Kip sich psychologische Beratung zu suchen.
Wenn jemand sagt: 'Ich habe diese Angst', ist es schon gut, sich damit und mit den Ursachen, mit dem Thema auseinanderzusetzen.
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Immer mehr Menschen fühlen sich vom Klimawandel psychisch belastet
Eine mentale Belastung aufgrund des Klimawandels gilt derzeit nicht als psychische Krankheit - entsprechend gibt es auch keine medizinische Diagnose. Je stärker sich eine Person vom Klimawandel psychisch belastet fühle, desto stärker seien auch depressive Symptome ausgeprägt, erklärt Expertin Kip. In dem Fall sei auch das Auftreten anderer Ängste wahrscheinlicher.
Nach Angaben der Freiburger Wissenschaftlerin zeigen aktuelle Studien, dass sich immer mehr Menschen durch den Klimawandel mental belastet fühlen. Laut Kip muss man nun überlegen: "Liegt es daran, dass die Belastung höher ist oder daran, dass man das jetzt besser betiteln und sagen kann: 'Ich habe plötzlich einen Namen für das, was ich empfinde'."
Umgang mit Klimaangst: Handy weg, Austausch, Engagement
Auch Angeli, Finja und Max haben für sich Wege gefunden, um mit ihrem Gefühl der Ohnmacht umzugehen. Dem SWR erzählt Max, dass es ihm helfe, auch mal das Handy wegzulegen und zum Selbstschutz Nachrichten auszublenden. Das sei jedoch keine dauerhafte Lösung, dessen sei er sich bewusst.
Angeli und Finja ist es wichtig, sich regelmäßig mit Familie, Partner oder ihren Freunden über das Thema auszutauschen. "Wir überlegen dann: Was ist denn realistisch, wo kann man was ändern und wo können wir auch dazu beitragen, dass sich da was dran ändert", erklärt Angeli.
Es sei wichtig, dass sich jeder bewusst werde, wie das eigene Handeln dazu beitragen könne, die Folgen des Klimawandels auszubremsen. "Am Ende führt das Gespräch nicht unbedingt zu einer Lösung, aber es führt auf jeden Fall zu Hoffnung und Hoffnung ist das, was man auf jeden Fall braucht", dem ist sich Angeli sicher.