Kritik an "Sattheit" deutscher Unternehmen

Weckruf eines KI-Hoffnungsträgers: Deutschland hat nur drei Jahre zum Umsteuern

Viacheslav Gromov macht mit seinem Offenburger KI-Start-up Maschinen schlau. Er sieht großes Potenzial für Deutschland, kritisiert jedoch fehlenden Mut zur Transformation.

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Von Autor/in Henning Otte

Er gilt als Hoffnungsträger der deutschen Wirtschaft: Viacheslav Gromov, 26 Jahre, Gründer und Chef der KI-Firma AITAD aus Offenburg. Im SWR-Videopodcast "Zur Sache! intensiv" erklärt Gromov, dass dezentral eingesetzte Künstliche Intelligenz mit vielen Anwendungsmöglichkeiten in der Industrie den gebeutelten Wirtschaftsstandort Deutschland wieder nach vorne bringen könne. "Ich glaube, das könnte der nächste Wirtschaftsmotor sein statt der Automobilbranche." Zusammen mit menschenähnlichen Robotern und Quantencomputing könne dezentrale KI eine industrielle Revolution auslösen.

KI statt Autoindustrie? Warum ein KI-Gründer um Deutschlands Zukunft kämpft

Allerdings müsse sich Deutschland schnell entscheiden, ob es umsteuern und bei dieser Technologie im weltweiten Wettbewerb vorne mitspielen wolle. "In zwei, drei Jahren ist das Ganze entschieden", sagte Gromov voraus. Derzeit hätten die Deutschen noch eine "gute Startposition". Die rund 3,2 Millionen Firmen hierzulande hätten viele Industriedaten angesammelt, die für das Training der KI von entscheidender Bedeutung seien. Die Daten seien "ein großer Schatz", dem auch die US-Techkonzerne wie Google hinterherjagten.

Aber was ist dezentrale KI überhaupt?

Gromovs Firma macht Sensoren schlau, indem sie KI auf Mikrochips bringt. So kann diese prinzipiell überall eingesetzt werden, wo Sensoren verbaut werden - etwa an der Spitze von Tunnelbohrmaschinen von Herrenknecht. Oder in Autos von BMW. Dort soll die KI zum Beispiel erkennen, wenn der Fahrer am Steuer einen Schlaganfall erleidet. Sie soll auch am Geräusch des Motors hören, ob er demnächst kaputt geht. Ein weiteres Beispiel: "Ihr Herd kann riechen, was sie kochen, ihnen Kochvorschläge geben oder verhindern, dass etwas anbrennt." Die KI sei sozusagen "die Augen, die Ohren, die Nasen".

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Doch Gromov beklagt, dass viele deutsche Unternehmen seit Längerem nur noch den Wohlstand verwalteten und es an Mut zu Neuem fehle. Er spricht von "Sattheit" und "Ambitionsverlust" und lahmender Digitalisierung. Aber auch die Politik gehe die notwendige Transformation nicht entschieden an. "Ich glaube, dass wir in der Politik keine Vision, kein Ziel haben, das uns vorantreibt." Nur wenn man die Notwendigkeit der Transformation erkläre und auf künftige Chancen hinweise, wären Menschen auch bereit, etwas zu opfern, ist der KI-Unternehmer überzeugt.

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Wegfall von Jobs sei zunächst unausweichlich: Es wird weh tun

Gromov geht davon aus, dass die Transformation zunächst viele Jobs kosten werde. Die Unternehmen müssten neue Geschäftsmodelle und neue Märkte finden. "Wir müssen da mal einen vernünftigen Schritt machen." Das werde zunächst weh tun. Aber aus einem "Blechbieger einen Software-Ingenieur" zu machen, sei eben schwierig. Er hält das Umsteuern für alternativlos. " Es wäre asozialer, es nicht zu tun." Man müsse doch auch daran denken, dass die nächsten Generationen Jobs bräuchten. Die KI an sich werde auch Jobs kosten. "Unmenschlichen Dauerjobs am Band werden wegfallen", so Gromov. Künftig würden mehr Arbeitsplätze dort entstehen, wo der Mensch Mehrwert bringt. "Die menschennäheren Berufe sind die Zukunft, also ob Pflegekräfte, Vertrieb, Kunst oder Bildung."

Gromov will seine Firma ohne Investoren ausbauen

Mit seiner Firma AITAD ist Gromov schon als "KI Champion BW" ausgezeichnet worden. Der 26-Jährige stand auch schon auf der Forbes-Liste der 30 weltweit einflussreichsten Persönlichkeiten unter 30 Jahren. Sein 2018 gegründetes Unternehmen hat etwa 30 Mitarbeiter. Gromov, der als Zehnjähriger aus Russland nach Deutschland kam, will seine Firma nach eigenen Angaben ohne Geld von Investoren Stück für Stück ausbauen.

Bei KI-Anwendungen wie ChatGPT ist Rückstand zu groß

Bei KI-Anwendungen wie ChatGPT habe man den Anschluss verloren und sei zu reinen Anwendern degradiert worden, erklärte Gromov. Die Tech-Firmen in den USA und China nutzten die Userdaten der großen Plattformen und würden dabei kaum Rücksicht auf Datenschutz nehmen müssen. Da könne Deutschland nicht mithalten.

Aber diese sogenannte generative KI habe auch massive Nachteile, so laufe sie auf großen Servern. Die erbrächten an einem zentralen Ort eine "wahnsinnige Rechenleistung", die Unmengen von Strom verschlängen. Absehbar laufe man da auf ein "richtiges Energieproblem" zu. Hinzu komme: "Mit generativer KI verdient man relativ wenig Geld, weil jede Eingabe kostet sehr viel Strom und außerdem müssen Sie die Prozessoren ständig tauschen, weil der Fortschritt so schnell ist."

Bei dezentraler KI sei der "Clou", dass die Leistung deutlich geschrumpft werde, indem viele Fähigkeiten wegfallen. "Dann ist es kleiner und passt auf einen Chip ab 40 Cent bis ein paar hundert Euro." Die eingebaute KI verarbeitet die Daten direkt in den Produkten und schickt sie nicht in die Cloud. Die Technologie sorgt für eine vorausschauende Wartung von Maschinen und spart den Firmen viel Geld.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Henning Otte
SWR-Reporter und -Redakteur Henning Otte, SWR Landespolitik

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