Streit um Straßennamen in Landau

Meinung: Diese Männer haben die Ehre nicht verdient

Straßen, deren Namensgeber Dreck am Stecken haben, sollten umbenannt werden – auch im Interesse der Menschen, die dort wohnen, findet Stefan Giese und verweist auf Landau.

Teilen

Stand

Von Autor/in Stefan Giese

Die Stadt Landau in der Pfalz versucht seit geraumer Zeit drei Straßen umzubenennen, deren derzeitige Namensgeber „Dreck am Stecken“ haben, wie der Volksmund sagt. Der eine (Paul von Hindenburg) hat einem gewissem Adolf Hitler geholfen, die Macht in Deutschland zu übernehmen. Der zweite (Ludwig Kohl-Larsen) hat seinerzeit weltweit nach Beweisen für seine rassistische Überzeugung gesucht, dass seine weiße Haut das Maß aller Dinge sei. Und der dritte (Hans Stempel) unternahm alles Erdenkliche, um Nazi-Kriegsverbrecher vor der Strafverfolgung zu schützen.

So haben wir im August über den Widerstand gegen die Pläne zur Umbenennung der drei Straßen in Landau berichtet:

Landauer Stadtrat muss erneut entscheiden

Alles entsetzliche Fehlleistungen und in meinen Augen und Grund genug, den Herren die Ehre zu verweigern, Straßen nach ihnen zu benennen. So sah es auch der Stadtrat von Landau und hatte im April beschlossen, den betroffenen Straßen neue Namen zu geben. Doch tausende Bürgerinnen und Bürger der Stadt fordern mit ihrer Unterschrift, den Stadtratsbeschluss rückgängig zu machen. Die Straßennamen sollen so bleiben wie sie sind. Eine Umbenennung sei ihrer Meinung nach unnötig, zu aufwändig und zu teuer. Da der Stadtrat am Dienstag seine Entscheidung vom April bekräftigt hat, wird es im Februar kommenden Jahres einen Bürgerentscheid zu dieser Frage geben – den ersten in der Geschichte von Landau.

Bild von Stefan Giese
Eine Meinung von Stefan Giese SWR/Christian Koch

Umbenennung auch im Interesse der Bewohner

Völlig abwegig sind die genannten Vorbehalte der Umbenennungsgegner nicht, finde ich. Allerdings ist so ein Bürgerentscheid selbst sehr aufwändig und teuer. Und wenn der Kopf der Bürgerinitiative gegen die Umbenennung argumentiert, „ältere Herrschaften würden sich nicht mehr zurechtfinden, wenn ihre Straße anders heißt“, steht für mich zugleich die Frage im Raum, warum es diesen „älteren Herrschaften“ sowie deren Kinder und Enkel weiterhin zugemutet werden soll, in Straßen zu leben, deren Namensgeber im Laufe ihres Lebens ganz eindeutig falsch abgebogen sind.

Landau

Namensträger haben NS-Regime unterstützt Streit um Straßennamen in Landau - Bürgerentscheid im Februar

Weil eine Bürgerinitiative genug Unterschriften gesammelt hat, musste der Stadtrat am Dienstagabend nochmal ran und entscheiden: Sollen in Landau wirklich drei Straßen umbenannt werden?

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Zwei Minuten: Die Kolumne zum Wochenende Kolumne: Überraschung im Koalitionspoker

Die Koalitions-Verhandlungsteams von CDU, CSU und SPD haben sich erstaunlich schnell und geräuschlos mit den Grünen geeinigt. Dadurch könnte jetzt der große Geldtopf aufgehen. Und die Grünen haben vielleicht eine neue Regierungsform entdeckt, meint Jan Seidel.