Die Einnahmen aus dem Export deutscher Weine sind im vergangenen Jahr gesunken. Das teilte das Deutsche Weininstitut auf der Weinmesse (DWI) "ProWein" in Düsseldorf mit. Obwohl der Export von deutschen Weinen bei der Menge leicht zugelegt hat, machen der Branche vor allem die hohen USA-Zölle zu schaffen. Die Weine, die bisher noch in die USA gingen, mussten günstiger verkauft werden. Das zog auch die Gesamtbilanz nach unten.
Außerdem kämpft die Weinbranche schon länger mit einer sinkenden Nachfrage nach alkoholischen Getränken auf dem deutschen Markt. Deshalb suchen Winzerinnen und Winzer auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz nach Alternativen.
Sie setzen zunehmend auf neue Märkte im Ausland und bieten vermehrt alkoholfreie Alternativen an. Der neueste Trend auf der "ProWein" sind sogenannte Proxy-Weine.
USA-Zölle belasten Weinexporte
Die hohen Zölle belasten die Weinexporte deutscher Winzerinnen und Winzer in die USA. Wie das Deutsche Weininstitut mitteilte, reduzierte sich die Menge der Ausfuhren in das nordamerikanische Land um elf Prozent auf 118.000 Hektoliter.
Seit Anfang des vergangenen Jahres erheben die USA auf Weinimporte einen Zoll - zunächst 20 Prozent, einige Monate später lag er bei 15 Prozent. Das trifft auch viele Winzerinnen und Winzer aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, die nach neuen Absatzmärkten suchen.
Weinbranche hofft auf neue Märkte im Ausland
Laut DWI stiegen die Ausfuhren deutscher Winzer nach Skandinavien, Polen und China. Auch das angekündigte Freihandelsabkommen mit Indien weckt neue Hoffnungen. Wenn es nach Jana Hauck geht, könnte ihr Rotwein schon bald in Indien auf den Markt kommen. Bisher lagen die Zölle auf Weinexporte bei über 100 Prozent. Mit dem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien ergeben sich für die Winzerin aus Bermersheim vor der Höhe neue Chancen.
Die Hoffnungen, im Ausland neue Absatzmärkte zu erschließen, bestätigen sich auch in den Gesamtzahlen der deutschen Weinexporte. Alles in allem stieg die Exportmenge laut DWI um ein Prozent auf rund 1,2 Millionen Hektoliter. Etwa 14 Prozent der deutschen Weinproduktion gehen bereits in den Export.
Proxy-Weine: Alkoholfreie Alternative zum klassischen Wein
Weil immer mehr Menschen weniger oder gar keinen Alkohol trinken, bieten viele Winzerinnen und Winzer schon seit Jahren entalkoholisierte Weine an. Doch jetzt geht die Weinbranche einen Schritt weiter: Der neueste Trend heißt Proxy-Weine. Das sind alkoholfreie Getränkekreationen mit Zutaten wie Säften, Tee-Infusionen, Essig, Kräutern, Wurzeln oder Früchten. Anders als entalkoholisierte Weine werden Proxys in der Regel nicht erst vergoren und dann vom Alkohol befreit, sondern von Beginn an alkoholfrei hergestellt.
Laut DWI wächst das Angebot an alkoholfreien Weinen bei den Erzeugern immer weiter an. Im Rahmen einer Absatzanalyse zeigte sich, dass 2025 jeder dritte Betrieb bereits alkoholfreie Weine im Sortiment hatte, das sind 37 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Absatz mit alkoholfreien Weinen legte laut der Untersuchung bei diesen Betrieben um über 60 Prozent zu.
Proxy-Wein aus Kräutertee Winzer aus Ilbesheim: "Wir wollten nie einen Riesling kopieren"
Während des Dry January verzichten viele auf Alkohol und greifen zu alkoholfreien Alternativen. Ein Winzer aus Ilbesheim hat einen Proxy-Wein aus Tee hergestellt. Aber: schmeckt das?
Weingut aus der Pfalz nutzt Gemüsesäfte für Proxy-Weine
Sven Leiner ist Winzer und besitzt ein Weingut in der Pfalz. Er nutzt für seine sprudelnden Proxy-Getränke neben Gewürzen wie Lorbeeren und Rosmarin verschiedene Gemüsesäfte: "Rote Beete oder auch weiße Beete, was so ein bisschen den Umami-Effekt im Mund hat, es geht immer auch ein bisschen so um Mundgefühl." Mit Umami-Effekt ist der fünfte Grundgeschmack neben süß, sauer, salzig und bitter gemeint. Er wird als herzhaft oder würzig wahrgenommen.
Andere Hersteller nutzen Obstsäfte und verschiedene, kalt aufgebrühte Tees. Diese sogenannten Sparkling-Teas zählen ebenfalls zu den Proxys und sehen ähnlich aus wie klassische Sekte. Auf der Messe "ProWein" wird darüber hinaus auch ein Sparkling-Coffee angeboten. Christopher Raffelt, Weinjournalist und Podcaster, sagt zu den Proxys, man dürfe allerdings nicht erwarten, einen gleichwertigen Ersatz für Wein zu bekommen: "Wir können Getränke erwarten, die vielleicht von einem gewissen Mundgefühl, von der Textur, von der Struktur an Wein erinnern, hier und da auch von der Aromatik, aber grundsätzlich würde ich sagen, ist gerade auch die Aromatik immer auch eine andere als beim Wein."
Fellbacher Weingärtner: Wein lässt sich nicht einfach nachbauen
Albrecht Schurr ist Vertriebsleiter und Geschäftsführer der Fellbacher Weingärtner, eine der ältesten Winzergenossenschaften in Württemberg. Er verfolgt aufmerksam die Nachfrage und Entwicklung der Proxys. Bisher habe man vor allem entalkoholisierte Weine, Säfte und Kombinationen im Sortiment. Aber auch eine Proxy-Kreation aus Traubensaft und Verjus, dem sauren Saft unreifer Trauben, ist bei der Winzergenossenschaft erhältlich. "Man darf Proxys und Weine nicht direkt miteinander vergleichen. Wein hat so viele Inhaltstoffe und durchläuft so viele Prozesse, dass sich das nicht einfach nachbauen lässt", erklärt er.
Seiner Meinung nach könne man noch nicht absehen, wohin sich der Markt wirklich entwickeln würde. Deshalb setzt Schurr nach wie vor auf sein Weinsortiment und beobachtet die weitere Entwicklung: "Wir haben verstärkt auch Weine mit weniger Alkohol im Angebot und spüren den Trend, dass die Leute nicht mehr auf den hohen Alkoholbereich aus sind." Trotzdem habe er die Entwicklung der Proxys im Blick und kann sich vorstellen im Zukunft auch einen Proxy auf Tee-Basis zu entwickeln.
Proxy-Weine vor allem in der Gastronomie gefragt
Proxy-Weine werden vor allem in der gehobenen Gastronomie ausgeschenkt. Ob sie sich im Einzelhandel durchsetzen, ist angesichts der recht hohen Preise fraglich. Viele Sparkling-Teas kosten immerhin um die 15 Euro. Klar ist nur: Der Markt für Proxys ist theoretisch da. Denn frische Zahlen des DWI haben gerade erst wieder gezeigt: Immer mehr Verbraucher in Deutschland suchen alkoholfreie Alternativen, weil sie weniger oder gar keinen Wein mehr trinken.