Bischof Georg Bätzing sagte am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), dass die Seelsorgerinnen und Seelsorger dazu ermutigt würden, den Wunsch von Homosexuellen nach einer Segensfeier verantwortungsvoll aufzugreifen und mit den Paaren eine Segensfeier zu gestalten.
Einheit der Kirche nicht gefährdet
"Auch wenn es hierzu unterschiedliche Einschätzungen innerhalb der Weltkirche gibt, sehe ich diese Praxis im Bistum Limburg in einem verantwortbaren Rahmen. Sie dient den Menschen und gefährdet aus meiner Sicht nicht die Einheit der Kirche", so Bätzing. Er war bis vor wenigen Wochen Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Zugleich leitete er den katholischen Reformprozess 'Synodaler Weg', bei dem das Papier mit dem Titel "Segen gibt der Liebe Kraft" entstand.
Das Bistum Limburg stellte klar, die betreffende Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz bleibe weiterhin Grundlage der pastoralen Praxis und werde nicht zurückgenommen. Sie greife den Wunsch von Menschen auf, die ihre Partnerschaft unter den Segen Gottes stellen möchten. Den Paaren, die sich eine Segensfeier wünschen, signalisiere das Bistum weiterhin Begleitung und Offenheit.
Papst kritisierte deutsche Bischöfe am Donnerstag
Der Papst hatte am Donnerstag auf der Rückreise von Äquatorialguinea nach Rom die Entscheidung mehrerer deutscher Bischöfe kritisiert, förmliche Segnungen homosexueller und anderer nicht kirchlich verheirateter Paare in ihren jeweiligen Bistümern zum Regelfall zu machen.
Leo XIV. hatte weiter erklärt, der Vatikan habe den deutschen Bischöfen bereits klargemacht, "dass wir die förmlichen Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren nicht billigen".
Regelung zu Segnungsfeiern auch von Kardinal Marx
Zuletzt hatte der Münchner Kardinal Reinhard Marx eine entsprechende Regelung zu gleichgeschlechtlichen Paaren verfügt. Er ging dabei nicht weiter als die Bischöfe in Limburg oder Rottenburg-Stuttgart. Trotzdem führte dies Verfügung nun zu der Reaktion des Papstes. Kardinal Marx ist jedoch mit wichtigen Funktionen im Vatikan vertreten, so dass seine Position ein anderes Gewicht hat im Vergleich zu den Bischöfen.
Speyerer Bischof Wiesemann teilt liberale Position
Neben Bischof Bätzing ermutigt der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann schon seit 2023 Seelsorger in seinem Bistum, auf Paare zuzugehen, die nicht kirchlich heiraten können. Er begründete sein Vorgehen damals mit den Worten: "Mit all dem ging es mir - nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer langen Geschichte tiefgehender Verletzungen - darum, eine andere, aus dem Evangelium inspirierte pastorale Haltung zu finden."
Der Papst erklärte allerdings weiter, dass Fragen zur Sexualität aus seiner Sicht nicht im Zentrum der Kirchlichen Lehre stünden. Themen wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit von Frauen und Männern sowie Religionsfreiheit hätten aus seiner Sicht "eine viel höhere Priorität". Fragen zur Sexualmoral sollten auch nicht über Einheit oder Spaltung der Kirche entscheiden, so Leo XIV.
Deutsche Katholiken mehrheitlich für Ende der Diskriminierung von queeren Menschen
Nach traditioneller katholischer Auffassung ist Homosexualität eine Sünde. Umfragen unter deutschen Katholiken haben jedoch immer wieder gezeigt, dass eine überwältigende Mehrheit den dringenden Wunsch hat, dass die Kirche auf queere Menschen zugeht und sie nicht mehr diskriminiert.
In anderen westlichen Ländern ist es ähnlich - aber in Afrika, wo die Zahl der Katholiken stark zunimmt, gibt es erhebliche Vorbehalte. 2023 hatte der inzwischen verstorbene Papst Franziskus Segnungen von homosexuellen Paaren mit Einschränkungen zugelassen - dies war offenbar als Kompromiss gedacht.