Immer wieder berichten Menschen, dass sie einige Ecken in einer Stadt meiden oder nur in Begleitung bestimmte Wege gehen. Sie fühlen sich unsicher, obwohl die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt, dass es dafür faktisch keinen Grund gibt. 2024 war die Zahl der Straftaten in Rheinland-Pfalz so niedrig wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr.
In Bad Kreuznach war die Mannheimer Straße in der Innenstadt über Monate so ein Brennpunkt. Gegenüber einem Supermarkt haben sich dort immer wieder unschöne Szenen abgespielt.
Alkohol, Drogen und aggressives Verhalten in Bad Kreuznach
"Der Alkoholkonsum wurde mehr, es kamen noch synthetische Drogen dazu, es gab Pöbeleien, es gab öffentliches Urinieren", erklärt Markus Schlosser (parteilos), Beigeordneter der Stadt. Das habe dazu geführt, dass sich die Beschwerden häuften, von Geschäftsleuten und Anwohnern. So landete das Problem beim Ordnungsamt auf dem Tisch, das sich gezwungen sah, Maßnahmen zu ergreifen.
Seit zwei Monaten gilt an dem neuralgischen Punkt in der Kreuznacher Fußgängerzone ein Alkoholverbot. Das Ordnungsamt ist tagsüber und abends unterwegs, um die Einhaltung zu kontrollieren. Wenn sie in der Verbotszone jemanden mit Alkohol erwischen, können sie direkt einen Platzverweis erteilen.
Statistik belegt: Alkoholverbot wirkt
Es stellt sich die Frage, ob sich etwas zum Besseren verändert hat. Jörg Keil vom Ordnungsamt sagt: "Die Statistiken sagen tatsächlich aus, dass es im Vergleich zu Zeiten vor dem Alkoholverbot deutlich weniger geworden ist. Das Alkoholverbot zeigt bei uns Wirkung." Früher sei man in dem Bereich mehrfach am Tag wegen Problemen vor Ort gewesen. Jetzt hat sich die Situation beruhigt, es gibt selten Verstöße.
Die Kehrseite der Medaille: Ein Alkoholverbot führt nicht dazu, dass die Menschen nun abstinent sind. Konsumiert wird jetzt eben an anderer Stelle. In Bad Kreuznach ist das häufig in den Räumen des Vereins Bastgässjer. Der Verein kümmert sich um Wohnungslose und sozial schwache Menschen.
Der Vereinsvorsitzende Rolf Lichtenberg sagt, dass die Rückmeldungen gut seien. Denn der Verein versorge die Menschen zum Beispiel auch mit Lebensmitteln. "Die Leute sind dankbar", sagt Lichtenberg.
Alkoholverbot in der Stadt ist gut - aber unzureichend
Er befürwortet das Alkoholverbot in der Innenstadt - zumindest als einen ersten Schritt. Man müsse sich aber mit den Ursachen auseinandersetzen, denn mit einem Alkoholverbot bekomme man das Problem nicht in den Griff. Er fordert deshalb: "Da bräuchte man noch den einen oder anderen Sozialarbeiter, der in der Stadt mit rumläuft und sich um diese Leute kümmert."
Der Ostpark in Landau war kein Ort mehr für alle
Auch in Landau gab es im Stadtbild einen Ort, der bei den Menschen für Unbehagen sorgte: Der Ostpark. Alkohol, Drogen und aggressives Verhalten verbreiteten in der Bevölkerung Unwohlsein. Die Stadt Landau hat einen anderen Weg als Bad Kreuznach eingeschlagen, um den Park für alle Menschen wieder zu einem Wohlfühlort zu machen.
Landau erobert seinen Ostpark für alle zurück
Der Park wurde zu einem helleren, lichteren Ort gemacht: mit LEDs unter den Parkbänken, die auch nachts leuchten. Mit einer ausgedünnten Heckenstruktur, in der man sich nicht gut verstecken kann. Und mit einem neuen Spielplatz.
Bürgermeister Lukas Hartmann (Bündnis 90/Die Grünen) zieht diese Bilanz: "Die alten Gruppen, die manchmal problematisch waren, sind nicht ganz weg." Aber der Drogenhandel, der sei fast vollständig verschwunden. Dass die Strategie erfolgreich war, spricht aber insbesondere aus diesem Satz: "Alle Gruppen der Stadtgesellschaft halten sich wieder hier auf." Damit gebe es auch eine Art soziale Kontrolle, die auch dazu führe, dass es keine Exzesse gibt.
Telefonische Begleitung auf dem Nachhauseweg Interview zur "Stadtbild"-Debatte: So hilft die Initiative "Heimwegtelefon" bei Ängsten
Dunkle Straßen, Parks, Unterführungen: An vielen Orten in Rheinland-Pfalz haben gerade Frauen nachts ein mulmiges Gefühl. Das ehrenamtliche "Heimwegtelefon" will sie begleiten.
Zwei Städte, zwei Strategien und ein gemeinsames Fazit
Allerdings gibt es auch in Landau ein Aber: Die Maßnahme hat rund fünf Millionen Euro gekostet. Es sei nicht realistisch, dass überall im Land Maßnahmen in Millionenhöhe ergriffen werden könnten.
Zwei Städte, zwei Strategien: Sowohl in Landau als auch in Bad Kreuznach konnten Angsträume aufgelöst werden. Die problematischen Stadtzonen werden von der breiten Gesellschaft wieder anders, positiver wahrgenommen und auch aufgesucht. Allerdings kommen beide Strategien an ihre Grenzen, weil sie die Symptome ausmerzen - an die Ursachen des Problems gehen sie jedoch nicht ran.